Schön langsam macht sich Ernüchterung in den Apfelregionen Europas breit. Die Substanz der Produktionsbetriebe schmilzt eher lautlos dahin. Der Fremdkapitalanteil in den Bilanzen der Apfelproduzenten nimmt von Jahr zu Jahr zu, in kleinen aber beständigen Schritten.
Wenn die Verschlimmerung der wirtschaftlichen Situation stetig, aber sicher voran schreitet, dann merkt man es nicht so schnell. Wetterextreme wie großflächige Blütenfröste oder europaweite Hitze- und Trockenperioden lassen dann kurzfristig das Problem in seiner wirklichen Dramatik aufscheinen. Die bis dahin vor sich hergeschobene Finanzierungssituation rückt in Extremsituationen die Betriebe einem Liquiditätsengpass sehr nahe.
Kaum jemand hat sich ernsthaft mit den seit Jahren dramatisch verändernden Kostenstrukturen in der Produktion auseinander gesetzt. Da ist es viel einfacher, sich einen Punkt wie den Mindestlohn heraus zu picken und diesem die Schuld an der ganzen Misere zu geben. Als zweiter Punkt wird mit der angeblich zu geringen Unterstützung durch die Politik argumentiert. Insider wissen, dass dies nur zwei von mehreren Punkten sind. Die wirklichen Probleme in der Produktion liegen zu einem wichtigen Teil auch anderswo.
Das Geld für eine gewinnbringende Produktion muss vom Markt kommen. Da dies nicht ausreichend passiert, ist dies der zweite Teil des Dramas, warum der Apfelproduktion in der Form schön langsam die Luft ausgeht.
Die Preisbänder bei anderen Obstarten wie Steinobst oder Tafeltrauben sind für die Konsumenten kontinuierlich nach oben gegangen und kommen bei der fünf-Euro-Grenze je Kilo an.
Die teuerste Apfelsorte im Regal liegt seit längerer Zeit bei gut drei Euro, ganz selten Richtung vier Euro.
Warum ist dies so?
Der Lebensmittelhandel hat sich in den letzten zehn Jahren extrem konzentriert. Ebenso lange wartet die Branche auf eine Antwort von den Anbietern auf diese Situation. Die Produzenten vermarkten aber meist nach wie vor ihre Ware nach dem gleichen Modell wie vor zehn Jahren.
Hoffentlich kommt bald die ernüchternde Erkenntnis: Warum soll sich etwas ändern, wenn ich immer das Gleiche mache wie vorher?
Das fatale an der ganzen Sache ist, dass es die gesamte Branche in ganz Europa betrifft. Es gibt keine Region, die seit einiger Zeit nachhaltig kaufmännische Gewinne erwirtschaftet hat.
Ein Blick über die Apfel-Branche hinaus. Die Tomaten-Branche hat ihre Produktionskosten-Struktur radikal verändert und gleichzeitig auch ihre Anbieterstruktur. Seither kosten Tomaten nicht € 1,99 pro Kilo sondern umgerechnet bis zu € 19,- für den Konsumenten. Dies bei gleichzeitiger Konsumsteigerung.
Wer alles in der Apfelbranche hat sein Handwerk verlernt?
Fritz Prem