Kolumn

Intakte Natur

Auch wenn wir uns gegenseitig auf den Nerv gehen – die Debatte zur Umweltbelastung durch die Landwirtschaft nimmt unaufhörlich an Fahrt auf.

Am Beispiel Nitrat. Alle im Gemüsehandel kennen das Thema, zumindest seit sie mit Salat zu tun haben. Nitratgehalt im Gemüse, Nitratgehalt in der Babynahrung. Ehrlich gestanden hat dies schon eine Brisanz: Nitrat – Nitrit, sie wissen schon…

Wenn man jetzt der Landwirtschaft den Spiegel vorhält und sie als Grundwasser-Verseucher vor den Vorhang holt, so hat dies mit falsch verstandener Maximierungs-Strategie von „Vollgas-Bauern“ zu tun. Die Bemühungen über einen aktiven Humusaufbau und bodenverträglicher Düngung gehen in dieser Diskussion beinahe unter.

Als Gegenreaktion gibt es jetzt von einigen  landwirtschaftlichen Organisationen ein gegenseitiges Aufrechnen von Stickstoffbelastung im Wasser. Nicht die Landwirtschaft sei der Grundwasser-Verseucher Nr. 1, sondern die Großstädte und deren Abflüsse über die kommunalen Kläranlagen.

Dass ein Fließgewässer vor einer Großstadt andere Inhaltsstoffe hat wie danach liegt in der Natur der Sache. Es ist aber nicht das Nitrat das Haupt-Problem, sondern Medikamenten-Rückstände, Hormone und Keime. Aber dies nur nebenbei.

Eine Belastung gegen eine noch größere auf zu rechnen ist zwar ein uralter Versuch, bringt aber nicht die Lösung des Problems.

Neue Wege zeichnen sich ab. Ob wir mit allen glücklich werden, ist eine andere Frage. So auch die Strategie mit „Labor-Nahrung“ aus einem geschlossenen Industriekreislauf. Diese Produktion belastet die Umwelt weniger und verbraucht wenig Boden - Resourcen. Ob das der Weg der Zukunft ist?

Protein-Produktion aus Algen für Nahrungs-Ergänzungsmittel – vor einiger Zeit eine futuristische Idee. Mittlerweile ist - ohne große Eröffnungsfeier und von vielen gar nicht so richtig wahrgenommen – eine leistungsfähige industrielle Produktionsstätte von „organisch gewachsenen“ Proteinen aus Algen in unmittelbarer Nähe von uns in Betrieb gegangen. Dies mit Abnahmeverträgen zu Firmen, die Produkte ohne künstliche Zusatzstoffe und Konservierungsmittel bewerben und erfolgreich vertreiben.

Proteinproduktion ohne die Natur zu belasten – eigentlich ein Ideal? Da wird sich so mancher Obst- und Gemüsehändler nach neuen Geschäftsfeldern umsehen müssen, wenn dies auf breiter Basis Schule macht.

Das Kind mit dem Bade ausgießen – so nennt dies der Philosoph. Die Bauern sind da schon bodenständiger gestrickt. Viele Entwicklungen auf breiter Basis, um noch naturnäher Lebensmittel zu produzieren, gehen aber oft im Schatten ewig gestriger landwirtschaftlicher Produktion unter.

Fritz Prem