Kolumn

Ernährungstrends 6.0

Fast jede Woche flattert irgendwo eine neue Studie über Ernährungsgewohnheiten der „Durchschnittsbevölkerung“ oder der „Trendsetter“ oder aber auch von „repräsentativen“ Konsumentenschichten ins Haus. Einzelne Publikationen sind wissenschaftlich hinterlegt oder scheinen so, andere wurden von Marketingabteilungen (mit einer Motivforschung des Auftraggebers hinterlegt) veröffentlicht.

Meine erste Frage zu solchen Publikationen: cui bono (wem zum Vorteil) – so zu sagen: wer hat von der Umsetzung der Botschaft einen direkten Nutzen?

Irgendwann schreibe ich wahrscheinlich oder möglicherweise eine eigene Publikation zum Thema Ernährungstrends. Was drinnen stehen wird, das kann ich ihnen aber heute schon verraten.

Unter anderem ein auffallender Trend ist, dass sich ärmere Bevölkerungsschichten stärker häufigeren Fleischkonsum leisten wollen. Damit muss es ein Fleischsegment geben, das in Massen hergestellt und sehr billig ist. Herkunft, Haltungsform, soziale Komponenten und die ökologische Seite sind eher nebensächlich. Hauptsache Fleisch – viel und billig.

Daneben ist ein weiterer Trend unverkennbar. Die wirklich wohlhabende Bevölkerungsschicht will ewig leben um ihren Status möglichst lange in Gesundheit zu genießen. Dazu muss sie sich gesund und ausgewogen ernähren. Sehr teure Ernährungsberater raten daher ihren Klienten zu maximal dreimaligem Fleischkonsum in der Woche. Dieses Fleisch muss höchsten Qualitätsansprüchen entsprechen. Mann soll ja den entsprechenden Gegenwert bekommen, wenn man mit seiner goldenen Kreditkarte einkaufen geht.

Beim zweiten Teil der Ernährungsempfehlung dieser Elite-Ernährungsberater sind wir als Obst- und Gemüsebranche wiederum voll und ganz gefragt.

Das beste, frischeste und geschmackigste Obst, das knackigste, zarteste und vielfältigste Gemüse muss es sein. Bio-produziert ist angesagt und wenn es aus der Region kommt, dann ist es erst vollkommen.

Diese Trends sind nicht aus der Luft gegriffen, wir verfolgen sie bereits täglich. Teuer und billig  sind im Lebensmittelbereich relative Begriffe. Wenn ein wohlhabender Haushalt sehr „teure“ Lebensmittel einkauft, dann gibt er trotzdem wahrscheinlich nur 5-6% seines Haushaltseinkommens für Lebensmittel aus.

Wenn eine Alleinerzieherin, ein Mindestrentner oder ein Mindestsicherungsbezieher drauf schaut, „Aktions“- Lebensmittel ein zu kaufen, so wird diese Gruppe möglicherweise trotzdem von ihren Haushaltsausgaben 25% oder mehr für Lebensmittel ausgeben müssen.

Der Markt wird für alle Bedürfnisse das entsprechende Produkt bereitstellen.

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich es lieber, wenn der König bei mir Kunde ist und nicht immer der Bettler.

Fritz Prem