Kolumn

Die Botschaft vom Blüten-Frost

In den letzten zwei Wochen gab es eine Reihe von Frostnächten in den wichtigsten Obstregionen Europas.

Bei den betroffenen Produzenten machen sich Existenzängste breit, da sie bei einer Dauerkultur einmal im Jahr eine Ernte haben – und die ist jetzt dahin. Sie erzählen ihren Frust über die Situation der Öffentlichkeit. Es tut so weh, wenn es gerade ihn erwischt hat. Das Mitgefühl aller ist spürbar.

Die Natur ist sehr oft kraftvoll. Man kann da über den Klimawandel diskutieren, wie man will. Den Betroffenen hilft es eigentlich wenig. Eines steht fest. Extremwettersituationen werden in Zukunft häufiger.

Die Botschaft von großflächigen Blüten-Frostereignissen wird auch von der Politik aufgenommen. Das gibt schöne Bilder in der Presse. Es ist aber auch wichtig, dass sich Volksvertreter möglichst rasch ein Bild vom Ausmaß des Schadens machen. Damit sollten sie Rückschlüsse ziehen für zukünftige Situationen. Das war auch in der Vergangenheit so, als nach einem Frost-Großereignis die staatlich bezuschusste Frostversicherung eingeführt wurde. Der nächste Schritt könnte ein neues und stark gefördertes Investitionsprogramm für den Ausbau von Frostberegnungen sein.

Der Handel muss nach solchen Hiobsbotschaften auch schauen, damit er nicht übrig bleibt. Zuerst macht er sich ein Bild bei seinen bisherigen Lieferanten, wie weit diese betroffen hat. Danach hat er seine Planungen für die kommende Saison anzusetzen. In den letzten dreißig Jahren war es so, dass nach einem großflächigem Frostereignis die Preise unmittelbar danach um etwa zehn Prozent angestiegen sind. Dies auch für die „alte“ Ernte, da sich Kunden eine Lieferkontinuität in nächster Zeit wünschen. Es könnte ja sein, dass der Preis im Export ansteigt und der bisherige Lieferant gezwungen ist, seine begrenzte Menge höherpreisig zu exportieren.

Wenn die Ausfälle für das kommende Jahr zu groß werden, dann muss der Handel sehen, wo er Alternativen her bekommt. Dies können bei Äpfeln Mengen aus weniger betroffenen Regionen Europas sein, die es jetzt zu sichern gilt. Wenn der Preis durch eine zu starke Mengenminderung stark ansteigt, dann wird der Handel den Schwerpunkt auf alternative Obstarten legen müssen, die zur Verfügung stehen könnten.

Auf der anderen Seite der Lieferkette steht der Konsument. Er wird seinen Offenbarungseid in dieser Situation abzulegen haben, ob er zur heimischen Produktion mit etwas höheren Preisen steht.


Fritz Prem