Kolumn

Erfolgsgeschichte Tomate

Letzte Woche war „Tag der Paradeiser“ (österreichisches Synonym für Tomate). Eine gut geölte Werbemaschinerie hat die Tomaten nochmals in Erinnerung gerufen und eine wahre Erfolgsgeschichte erzählt.

Der Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr ist 35 Kilo Tomaten. Mitten in einer heißen Sommerwoche wurde die Köstlichkeit mit allen erdenklichen Varianten durch die Medien gezogen. Sehr erfolgreich, wie man dem Pressespiegel entnehmen kann.

In den letzten 20 Jahren ist der Tomatenkonsum im Pro-Kopf-Verbrauch um etwa ein Drittel gestiegen. Schon interessant, in relativ kurzer Zeit.

Wenn man als Insider hinter die Kulissen dieser Erfolgsgeschichte schaut, dann sind die Erfolgsparameter nicht zufällig entstanden.

Die älteren Semester werden sich noch an die holländischen Anti-Matsch-Tomaten erinnern. Diese Sorten waren Massenträger und hielten in der Speisekammer problemlos drei Wochen, ohne zu verderben. Die Züchter waren überzeugt, dass das extrem lange Shelf-Life das stärkste Kaufargument sei.

Welch ein Irrtum. Diese holländische Tomate konnte nur noch zur Garnierung von Speisen verwendet werden und bei Festtafeln waren es genau jene Tomatenstücke, die am Ende übrig blieben.

Eine Trendwende kam mit neuen Sorten, die gut schmeckten und dieses Fiasko am Markt aus zu gleichen begannen. In Österreich waren es etwa 400 Folien-Tomatenbauern, die über vier Monate im Sommer den Inlandsmarkt versorgten. Den Rest des Jahres kamen die Tomaten für den österreichischen Markt entweder aus Sizilien oder Spanien.

Der nächste große Schub im Tomatenkonsum kam mit den Glashaustomaten aus heimischer Produktion. Mit dieser Wende kamen wiederum neue Sorten, die einen Quantensprung im Geschmack darstellten. Mit dazu kam, dass etwa eine handvoll Glashausproduzenten den Inlandsmarkt über 12 Monate mit heimischer Produktion versorgte.   

Die Kehrseite war, dass jene 400 Folien-Tomatenbauern mit einem Schlag ihre Funktion für den Markt verloren haben. Mit diesem Schritt war ein weiteres Phänomen verbunden, das seither einzigartig in der Obst- und Gemüsebranche war.

Statt 400 Produzenten und somit Anbietern waren es plötzlich nur mehr sehr wenige. Der Preis im Supermarkt schnellte von € 1,49 oder 1,99 auf über € 10,- pro Kilo (200 g zu € 2,49).

Jeder dachte, es sei ein Strohfeuer. Nach drei Jahren ist der Tomatenpreis umgerechnet auf ein Kilo noch immer zwischen € 5.- – 10,-. Mit der passenden Strategie und Professionalität ist doch alles möglich.


Fritz Prem