Kolumn

Genormte Qualität

Dieses Jahr wird es auf Grund der Witterung bei Früchten etwas stärker optische Beeinträchtigungen geben.

Die Früchte sind ein Naturprodukt, die in der freien Natur heran reifen. Somit sind dieses Jahr leichte Netzberostungen oder  die eine oder andere „Frostzunge“ auf den Früchten ersichtlich. 

Somit stehen in der kommenden Verkaufssaison Früchte mit leichten Qualitätsbeeinträchtigungen zur Verfügung.

Wie definieren wir Qualität? Oder um die Frage zu präzisieren, wer definiert Qualität?

Neben den gesetzlichen Normen hängt das vom jeweiligen Standpunkt ab.

Der Konsument versteht unter guter Qualität Früchte, die gut schmecken (genussreif sind) und trotzdem ein gutes Shelf-Life haben, damit er die Früchte zu Hause auch in den nächsten Tagen noch in guter Qualität vorfindet. Die meisten Konsumenten tolerieren kleine Schalenfehler, sofern sie die Geschmacksqualität nicht negativ beeinflussen.

Der Einkäufer vom LEH versteht unter guter Qualität ein perfektes Shelf-Life, damit er in seinem Lager und in den Geschäften möglichst geringen Verderb hat. Darüber hinaus fühlt er sich dem Konsumenten verpflichtet, damit dieser auch bei seinen Früchten zu Hause ein gutes Shelf-Life vorfindet.

Weiters geht der Einkäufer auf Nummer sicher und lässt in den meisten Fällen die Toleranz für Schalenfehler, die das Qualitätsklassengesetz vorsieht, nicht zu.

Da könnte dieses Jahr ein leichtes Einlenken passieren. Die ersten Signale sind vielversprechend.

Für das Packhaus und den Betreiber eines Langzeit-Lagerhauses ist gute Qualität in erster Linie durch eine extrem gute Lagerfähigkeit und durch ein hohes Packout gekennzeichnet.

Eine gute Lagerfähigkeit ist dann gegeben, wenn der Obstbauer in seinen Anlagen eine solide Kulturführung gemacht hat und wenn er die Früchte zum perfekten Zeitpunkt (im „Erntefenster“) schonend geerntet hat.

Ein hohes Packout hängt zu einem gewissen Punkt mit der Witterung zusammen und sehr wesentlich mit der Pflege der Kulturen während des Jahres.

Für den Obstbauern ist eine gute Qualität dann gegeben, wenn ihm während der Produktion so ziemlich alles gelungen ist und wenn er die Früchte zum genau richtigen Zeitpunkt geerntet hat.

Seine Qualität wird ihm in seiner Abrechnung mit seinem Marktmittler bestätigt.

Somit hat jeder einen etwas anderen Rahmen für gute Qualität. Die heurige Ernte wird aber trotz kleiner Schalenfehler eine geschmacklich ausgezeichnete Qualität haben und das wichtige Shelf-Life ist dadurch nicht beeinträchtigt.


Fritz Prem