Kolumn

Erntedank im Kindergarten

Das Erntedankfest geht im christlichen Kulturkreis bis auf das dritte Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurück. Wir feiern es aus Dankbarkeit für die Gaben der Natur zur Zeit der Ernte.

Irgendwann im vorigen Jahrhundert hat man sich darauf geeinigt, dass dieses Fest Anfang Oktober datiert wird.

Beim diesjährigen Erntedankfest am Kirchplatz in unserem Dorf sind mir einige interessante Dinge aufgefallen. Vor einer Kulisse mit etwa zweihundertfünfzig Anwesenden und davon etwa vierzig Kindergarten-Kinder war beinahe eine kleine Marktforschung möglich.

Die Kindergarten-Kinder hatten wunderbare Erntegaben zur Dekorationen des Festes mit gebracht.
Ihre Eltern und Betreuerinnen waren behilflich bei der Gestaltung des Erntedankfestes. Es gab da neben einer Erntekrone auch Getreide-Ähren und Sonnenblumen, Obst und Gemüse, sowie viele landwirtschaftliche Früchte, die auf den Äckern und in den Gärten gerade reif sind.  

Als der Priester in seiner Predigt die Kindergarten-Kinder fragte, was ihre liebsten Früchte sind, so kamen die ersten drei Antworten wie aus der Pistole geschossen: die Äpfel (drei mal).
Nach einer kurzen Pause waren die Birnen an der Reihe, danach die Trauben und dann die erst Bananen.

Ich habe mich im Anschluss bei einer Kindergarten-Betreuerin erkundigt, ob dieses Verhalten auch im täglichen Leben im Kindergarten ersichtlich ist. Sie bestätigte mir, dass im Kindergarten in etwa in dieser Reihenfolge auch ein gemischter Obstkorb geleert wird.

Sehr genau unterscheiden schon Kindergarten-Kinder, welche Äpfel sie zuerst nehmen.  Sie müssen genussreif sein. Unreife oder überreife Früchte bleiben bei diesen weitgehend unbeeinflussten kleinen Konsumenten einfach liegen und werden dann „entsorgt“. Bei den Äpfeln gibt es sogar von den Sorten her die Favoriten. Auch zu große Früchte werden nur dann gegessen, wenn die Betreuerin sie aufschneidet. Ansonsten wird versucht, ein paar mal ab zu beißen und danach wandert der Apfel in der Abfallkübel.

Was habe ich heute bestätigt bekommen?

Es ist ein massiver Schaden für die gesamte Branche, wenn wir glauben, dass wir „Mensa-Qualität“ (also minderwertige Ware) zu Schulküchen und Kindergärten liefern sollen. Es ist verständlich, dass durch die öffentlichen Ausschreibungen ein Preisdruck entsteht und dann wird eben die „billigste“ Ware geliefert. Ein fataler Fehler!

Wenn Kindergarten-Kinder  auf eine gute Qualität konditioniert werden, dann haben wir sie zukünftig als Jugendliche, Erwachsene und Pensionisten (zwar als kritische, aber sichere) Kunden begeistert.


Fritz Prem