Kolumn

Parallelen zur Baubranche?

Auf die Baubranche kommen schwierige Zeiten zu. Die Frage ist, ob es zukünftig Parallelen zur Obst- und Gemüsebranche geben wird. Wenn wir aus den Fehlern der Baubranche lernen, dann eher nicht.

Die Baubranche hat in Corona-Zeiten auf den stark erhöhten Bedarf an Renovierungsarbeiten durch massiv angezogene Preise und Gewinne geantwortet. Am Ende der ganzen Pandemie ist jetzt in dieser Branche Götterdämmerung eingekehrt.

Die ganzen Verwerfungen der überzogenen Preispolitik haben nicht nur das Baugewerbe selbst, sondern auch alle nach gelagerten Bereiche beeinflusst. Umsatzeinbrüche, Insolvenzen und Entlassungen von Stammpersonal sind die Folge.

Was ist in dieser Zeit bei Obst und Gemüse passiert?

Da wir stärker vom Wetter abhängig sind, so sind Preisveränderungen eher aus diesem Grunde passiert und auch logisch nach vollziehbar. In einzelnen Bereichen der Lebensmittelwirtschaft gab es auch stärkere Preisbewegungen nach oben. Dies war aber meist eine Folge der nicht untergebrachten Kostensteigerungen der letzten Zeit. Die Gelegenheit machte so manches möglich, um wieder auf ein normales Niveau zu kommen.

Eine Entwicklung in der allgemeinen Preispolitik ist aber ab zu sehen.

Vollsortimenter und Diskonter haben ihre Marktmöglichkeiten aus gereizt und seit Ende der Pandemie ihre Margen am Produkt Obst und Gemüse erhöht. Sie haben es in mehreren kleinen Schritten versucht und sind dabei sehr professionell vor gegangen.

Die Erzeuger sind bei diesem ersten Schritt, die gestiegenen Kosten im Endprodukt unter zu bringen, weitgehend nicht zum Zug gekommen. Ihre Kunden haben ihnen erklärt, dass sie nach betriebswirtschaftlichen Grundprinzipien ihre Kostensteigerungen durch eine Produktivitätssteigerung ab zu fangen haben.

So weit so gut, in normalen wirtschaftlichen Entwicklungen ist dies auch so. Die Pandemie und der Krieg in Europa haben aber „normale“ Vorgänge außer Kraft gesetzt. Sprünge bei den Kosten sind im Energie- und als Folge auch im Lohnbereich in der Form nicht normal.

Wenn die Branche ihr bis dahin generell gelebtes Augenmaß nicht verlieren will, dann geht sie auch mit Preisabsenkungen bei den Konsumentenpreisen dementsprechend um.

Die Ansätze des Lebensmittelhandels, ihre im letzten Jahr erhöhten Margen bei Preisrückgängen weiterhin voll ins Trockene zu bringen und die Preisrückgänge den Vorlieferanten aufs Auge zu drücken, geht wahrscheinlich kurzfristig.

Langfristig läutet es in der Produktion eine Entwicklung ein, die sich der Lebensmittelhandel sicher auch nicht wünscht. 


Fritz Prem