Kolumn

Die Stimmung macht den Markt (Teil II)

Zum Jahreswechsel haben sich viele Chefredakteure von wichtigen Printmedien darauf besonnen, dass auch ihr eigenes Medium im letzten Jahr durch ihre Stimmungsmache viel zur Unzufriedenheit in der Bevölkerung beigetragen hat. Es ist aber nicht alles schlecht.

Wir haben die niedrigste Arbeitslosenrate seit langem. Die Löhne und Gehälter sind um etwa 8% gestiegen. Somit kommt trotz allem Unbill regelmäßig mehr Geld ins Haus.

So war es auch mit der Stimmung beim Lagerbestand und dem damit korrelierenden Marktverlauf bei Äpfeln. Die allgemeine Stimmung deutete bis jetzt darauf hin, dass heuer ein extrem schlechtes Jahr für die Vermarktung von Äpfeln sei.

Nur kurz zur Erinnerung. Die erste Prognose der Erntemenge im August des Vorjahres hat eine der größten Apfel-Überproduktionen in der Geschichte der EU vorher gesagt. Die weltpolitischen Krisen haben dieses Gefühl weiter angeheizt. Die Erwartungshaltung von den Beteiligten wurde selbst drastisch nach unten gedreht.

Die „Produktion“ einer (bewusst herbeigeführten) Stimmung hat ja auch starke Väter, die bisher wenig beachtet sind. Wenn Verkäufer eine schwierige Ausgangssituation gegenüber ihren Vorlieferanten nochmals schwieriger und drastischer darstellen, als sie in Wirklichkeit ist, dann dient dies eigentlich dem Selbstschutz. Sie können sich am Ende der Kampagne als die großen Helden feiern lassen, da sie ein aussichtslos scheinendes Jahr doch noch zu einem mittelmäßigen Ende gebracht haben.

Ähnlich wie zum Jahreswechsel bei den Chefredakteuren in ihren Leitartikeln beginnt eine Rückbesinnung bei den Verkäufern. Ob sie in ihrer eigennützigen Darstellung der Situation nicht doch überzogen haben.

Die Fakten auf der anderen Seite sind klar auf dem (Registrierkassen)Tisch. Der Lebensmittelhandel hat viel genauer und rascher erfasst, was Kunden bereit sind, für ein Produkt an der Registrierkasse ab zu liefern. Die Margen des Lebensmittelhandels bei Obst und Gemüse sind nachweislich in den letzten achtzehn Monaten überdurchschnittlich gestiegen. Der LEH hat jenes Geld vom Konsumenten am Markt abgeholt, das dieser zu zahlen bereit war. 

Die Margen des LEH sind deshalb überdurchschnittlich gestiegen, da die Verkäufer durch ihre zu vor selbst erzeugte depressive Stimmung nicht daran geglaubt haben, dass die Konsumenten weiterhin für Obst und Gemüse ein entsprechendes Geld ausgeben werden.

Eine späte Einsicht. Es wurde Geld am Markt nicht abgeholt, das die Produzenten für Innovationen und eine Weiterentwicklung notwendig brauchen könnten.


Fritz Prem