Kolumn

Dauerthema Rückstände in Lebensmitteln

Wir alle sind irgendwann einmal mit dem Thema Rückstände in Lebensmitteln in Berührung gekommen. Sei es als Händler, als Produzent, als Berater, als Konsument, als Verantwortlicher in der Qualitätssicherung oder als Beamter der Lebensmittelbehörde.

Wir haben uns in solchen Situationen mit Höchstwerten von Pflanzenschutzmitteln oder Schwermetallen oder irgend welchen Stoffen herum zu schlagen, die normalerweise in Lebensmitteln nichts verloren haben.

Da gibt es die Höchstwerte für Frischeprodukte oder Produkte, die als Einzelkomponenten in Mischprodukten verarbeitet sind. Da ist dann zu klären, welcher Höchstwert wofür gilt. Das Wichtigste ist aber die Frage, woher stammen die Rückstände und sind sie zu vermeiden. Weiters die Frage, ob diese Charge verkaufsfähig ist oder nicht.

In all diesen Problemkreisen kann es schon einmal eine Sackgasse geben.

Derzeit ist zum Beispiel ein Pseudogetreide, das von Ernährungsgurus als Superfood hoch gelobt wird, in einer spannenden Situation. Diese Cerealie wurde in der EU aus der Kategorie Ölsaaten in eine andere Kategorie zugeordnet und plötzlich gelten andere Höchstwerte.

Damit beginnt ein Hexenkessel in all seinen Facetten zu brodeln. Nach der ersten Schrecksekunde haben die Hersteller von Lebensmitteln mit dieser Komponente all ihre Lagervorräte überprüft und sind zur Erkenntnis gekommen, dass nach der „alten“ Zuordnung alles seine Richtigkeit hätte, nach den neuen Zuordnung keine einzige der Chargen als Einzelprodukt in der EU verkehrsfähig wäre.

Auf der weltweiten Suche nach neuen Lieferanten musste man zur Kenntnis nehmen, dass diese Cerealienart vorwiegend aus Südamerika kommt und dort auf Böden vulkanischen Ursprungs wächst. Die natürlichen Bodenverhältnisse haben einen gewissen Gehalt an diesen Schwermetallen, die ein Erntegut ohne diese Elemente gar nicht möglich macht.

Ein Supergau: ein Superfood und weltweit keine Produktion, die in der EU verkehrsfähig wäre!

Große Verwirrung bei allen daran Beteiligten. Haben die Technokraten, die Kategorien und Höchstwerte festlegen, keine Ahnung von der Praxis? Haben die Qualitätsverantwortlichen beim Einkauf etwas übersehen? Haben Marketing-Verantwortliche ein Produkt als Superfood in den Himmel gelobt, ohne zu wissen dass dieses Produkt derzeit nur auf vulkanischem Boden unter gegebenen Voraussetzungen wächst? Haben die Produzenten vor Ort in ihren Abgangskontrollen übersehen, dass in der EU nach anderen Richtlinien gemessen wird?

Fragen über Fragen. Der Kreativität der handelnden Personen ist es geschuldet, dass dieses angepriesene Superfood nicht in den Hochöfen der Zementindustrie gelandet ist.


Fritz Prem