Nichts hat in den letzten Monaten die Agrarbranche so aufgewühlt wie das Thema Mercosur. Hitzige Debatten in den jeweiligen politischen Gremien, wo die Befürworter und Gegner quer durch die politischen Gesinnungsgemeinschaften gestreut waren.
Vernichtet Mercosur die europäische Landwirtschaft und war es richtig, dass in Europa tausende Bauern mit ihren Traktoren dagegen protestiert haben. Oder ist Mercosur eine Notwendigkeit, solange Trump die Weltordnung durcheinander wirbelt?
Wir könnten hier noch Stunden- und Tagelang debattieren. Nehmen wir zur Kenntnis: die Schlacht ist geschlagen.
Für mich ein wenig verstörend, dass Bauernverbände vor lauter Wunden lecken und Schuld Zuweisungen den Blick nach vorne noch nicht geschafft haben.
Halten wir fest. Mit dem Beitritt zur Europäischen Union mit ihren vier Grundfreiheiten sind auf einem Markt mit fast 500 Millionen Konsumenten die Grenzen verschwunden. Nach der oberstgerichtlichen Cassis-de-Dijon-Entscheidung wissen wir, dass es eine Verpflichtung gibt, dass alle Produkte, die in einem Land erlaubt sind, in allen Ländern der EU verkauft werden können.
Das heißt aber noch lange nicht, dass sich jeder Europäer einige Flasche von diesem speziellen Ribisel-Likör kaufen muß. Er kann, wenn er will.
Dieses Prinzip gilt in der gesamten EU und demnächst im Mercosur-Raum. Es ist zu erwarten, dass nach Kriegsende in der Ukraine für Agrargüter noch ein ähnliches Abkommen dazu kommen wird.
Was ist zu tun?
Wie lange wird die Schockstarre der Agrarier noch dauern, bis Strategien für das Fortbestehen der heimischen Landwirtschaft in Angriff genommen werden.
Die einzige und wirksame Möglichkeit ist, die eigene Bevölkerung vom Vorteil, der Qualität und der Sicherheit der regionalen Lebensmittel zu überzeugen. Wenn dies mit einer Selbstverständlichkeit angekommen ist, dann können Grenzen offen sein wie sie wollen. Ein heimischer Konsument kann dann, wird aber immer weniger zu weit gereisten und industriell hergestellten Lebensmitteln greifen.
Wer soll diese Aufgabe übernehmen?
Es sind den heimischen Konsumenten die Geschichten um die heimischen Lebensmittel zu erzählen. Pressekonferenzen und Presseaussendungen von Bauernorganisationen werden da wenig Wirkung zeigen.
Dies ist nämlich professionelle Knochenarbeit. Seit Deutschland die CMA und ZMP in die Insolvenz geschickt hat, gibt es keinen zentralen Stimmungsmacher für für deutsche Lebensmittel in deutschen Märkten. Es liegen in deutschen Läden neben deutschen Äpfeln auch ganz selbstverständlich Äpfel aus diversen anderen Herkünften ganzjährig nebeneinander.
In Österreich werden sie im Gegensatz dazu in keinem Laden nennenswerte Mengen von nicht-österreichischen Äpfeln finden. Eben jahrelange Vorarbeit.
Fritz Prem