Kolumn

Integration

Vor einigen Tagen war ich bei einer Großveranstaltung von REWE in Wien. Geschätzte 500 – 700 Gäste waren anwesend. Sinn und Zweck der Veranstaltung war professionelles Netzwerken. In seiner Hauptrede erklärte der oberste Chef das soziale Engagement vom Konzern. Es geht darum, Kindern (sehr oft unbegleitete Flüchtlinge) einen Start zu einer gelungenen Integration zu ermöglichen.

Ein Satz seiner Rede ist mir im Ohr hängen geblieben: In unserer Firma arbeiten Mitarbeiter aus 80 verschiedenen Nationen sehr erfolgreich zusammen. Ja kann das überhaupt möglich sein – wo doch täglich in der Boulevardpresse genau das Gegenteil dargestellt wird? Die „Fremden“ sind dabei als das Übel von Allem erwähnt.

Betrachten wir einmal unsere Obst- und Gemüsebranche. Es ist doch wirklich so, dass Mitarbeiter und Kollegen aus vielen Nationen im vor- oder nachgelagerten Bereich arbeiten, damit unser Warenfluss und die Handelstätigkeit funktionieren. Dies beginnt in der Produktion und bei der Ernte von Obst und Gemüse, geht über die Logistik und der Konsument ist froh, wenn er in einem Ballungszentrum in einer LEH-Filiale einen fachkundigen Berater hat – da ist die Nationalität oft zweitrangig.

Allein in Wien werden etwa 75% der Obst- und Gemüsefachgeschäfte von türkischen Familien betrieben. Ohne sie würde es nur einen kleinen Teil dieser Fachgeschäfte geben. Hier werden innerhalb der Familie das Wissen und die Leidenschaft für Frischeprodukte weitergegeben. Viele dieser in Wien geborenen Österreicher (mit Migrationshintergrund) finden wir im Lebensmittelhandel und in unserer Logistik wieder.

Ein Punkt wurde in der Hauptrede der Festveranstaltung nicht direkt angesprochen, aber es war jedem klar: Die Immigranten und auch die bereits hier geborenen Staatsbürger (mit Migrationshintergrund) sind ein gutes Klientel unserer Branche. Sie haben meist von ihren Eltern noch gelernt, wie wichtig es ist, das Essen zu zelebrieren. Sie wissen sehr oft, wie bei einem Lebensmittel Qualität definiert ist. Sie sind somit sehr oft bewusste Qualitätskäufer in den Geschäften des Lebensmittelhandels.

Das Wochenende hat meinen Blick in Richtung Integration abgerundet. Bei einem Erntedank-Fest in unserem kleinen Dorf haben alle Nationen, die hier bei uns eingeheiratet haben oder zugezogen sind, ihre landes-typischen Gerichte angeboten. Ein Fest der Sinne – mit tollen Gemüsegerichten und Obst-Desserts wie aus dem Paradies!

Ein wenig über den Tellerrand zu schauen (im wahrsten Sinne des Wortes) kann ungeahnte (Gaumen)Freuden eröffnen.

Fritz Prem 30/2016