Kolumn

Dieselpreis und Obsthandel

Wir nehmen durch den Krieg im Nahen Osten gerade eine starke Steigerung des Dieselpreises an den Zapfsäulen und bei den Lieferungen zur Hoftankstelle wahr.

In Österreich sind wir bei etwa € 1,85 mit steigender Tendenz, in Deutschland sind die Dieselpreise bereits über € 2,00 gestiegen.

Unabhängig, ob es € 1,50 oder € 2,00 sind, nehmen viele Firmen in der Wertschöpfungskette den gestiegenen Dieselpreis als Anlass, ihre bisher nicht untergebrachten Kosten durch eine Preisanhebung mit nach Hause zu nehmen.

Wenn wir uns die Kalkulation eines Spediteurs ansehen, so machen die Treibstoffkosten etwa 20 – 30% von den gesamten Transportkosten aus.

Wenn wir einen Apfelpreis für den Konsumenten von € 2,99 im Supermarkt annehmen und genauer betrachten, so beträgt der Logistikanteil etwa 5 – 10% vom Gesamtpreis (je nach Entfernung der erfolgten Transportleistung).

Machen wir gemeinsam eine Gesamtrechnung. Wenn der Logistikanteil 8% beträgt, dann sind dies € 0,24. Wenn von diesen € 0,24 der Dieselanteil 25% beträgt, dann sind dies 6 Cent pro Kilo. Wenn der Diesel um 10% ansteigt, so beträgt die Teuerung durch den Dieselpreisanstieg am Gesamtpreis des Apfels 0,6 Cent. Sollte der Dieselpreis weiter steigen, so sprechen wir von einer Preissteigerung von etwa 1 Cent pro Kilo.

Was können wir aber von der Preisrallye bei den Mineralölhändlern lernen. Sie gestalten ihre Preise an der Zapfsäule in erster Linie nicht nach den tatsächlichen Produktionskosten. Sie setzen ihre Verkaufspreise dort dort an, die so hoch sind, dass die Kunden mit ihren Fahrzeugen gerade noch problemlos zur Tankstelle fahren. Diese sind ja beim derzeitigen Vertriebssystem auf den Verkaufspunkt Tankstelle angewiesen.

Mit einer deutlich überhöhten Preissteigerung laufen sie obendrein nicht Gefahr, dass ihre Vorräte bei Hamsterkäufen vorzeitig leer werden.

Wie sagte ein alter Kollege immer: teure Äpfel gehen nie zu Ende. So ist es auch hier.

Die Mineralölhändler sind de facto ein Oligopol und soweit Profis, das sie in der Lage sind, einen Preisschleuderer in ihren Reihen aus zu bremsen.

Vielleicht erkennen sie den Unterschied zum Obsthandel und unseren Strukturen. Seit drei Jahren schleppen wir Kostensteigerungen in der Produktion vor uns her. Niemand hat den Punkt gefunden, um bei einer Preiserhöhung im Supermarkt auch jenen Teil der Kostenerhöhungen über den Großhandel zu den Produzenten zu bringen.


Fritz Prem