Kolumn

Strategisch geführte Unternehmen

Was macht den Unterschied zwischen einem strategisch geführtem Unternehmen und einem Unternehmen, das genau das Gleiche macht wie im Vorjahr, nur versucht, dies derzeit etwas besser zu machen?

Es ist die Erfolgsgeschichte über mehrere Jahre hinweg.

Es sind Unternehmen, die aus der Masse hervorstehen, weil sie ihre Unternehmensentwicklung in ein gediegenes Gesamtkonzept eingepackt haben.

Die Verantwortungsträger (und oft Eigentümer) solcher Unternehmen sind Persönlichkeiten, ausgestattet mit einem besonderem Gespür für die zukünftige Marktentwicklung, einer Kreativität um bei Herausforderungen neue Wege zu denken, einer gewinnenden Persönlichkeit, um die richtigen Partner zu finden und mit der nötigen Konsequenz, um Projekte erfolgreich ins Ziel zu bringen.

Da fällt mir eine Branche in unserem Bereich besonders auf. Es ist gelungen, den Pro-Kopf Tomatenkonsum in den letzten 15 Jahren zu verdoppeln. Kein Wort, dass man beim Gemüsekonsum Mengenmäßig an der Decke anstehe. Einfach einfach geplant und gemacht und die Menge verdoppelt. Andere Sektoren könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. Vor allem dort, wo das Trend-Produkt Gemüse am Stand tritt.

Das zweite Phänomen dazu ist die Preisentwicklung bei den Tomaten. Bis vor vier Jahren gab es den Großteil der Tomaten im Supermarkt um € 1,99 pro Kilo. Innerhalb von drei Monaten kletterte der Tomatenpreis pro Kilo auf etwa € 10,- (250 Gramm-Packung um € 2,49) und ist seither dort angesiedelt.

Das muss man einmal hin bekommen: Konsum verdoppeln und gleichzeitig Preis vervielfachen. Die Erfolgsrezepte sind mittlerweile öffentlich nach vollziehbar. Anscheinend hat sich kaum wer die Mühe gemacht, dies für seinen Sektor zu kopieren.

Durch die Gaspreisentwicklung (als Auslöser der Irankrieg) wird sich hier nochmals die Spreu vom Weizen scheiden. Produzenten mit fossiler Energie sind unterwegs Richtung Abstellgleis.

Durch die Vereinbarungen der EU mit Marokko wird ein großer Teil der Tomatenproduktion für die EU Richtung Marokko wandern. Die größten spanischen Tomatenproduzenten investieren bereits im großen Stil in die Tomatenproduktion in der Region, wo bisher ihre Arbeitskräfte her gekommen sind.

Damit wird die bisher gut aufgestellte Tomatenproduktion zukünftig deutlich weniger Margen abwerfen.

Soweit ich die erfolgreichen Persönlichkeiten in der Branche kenne, arbeiten sie schon längst an Geschäftsfeldern, die zukünftig mehr Margen bringen als die Tomatenproduktion. Die Tomate wird „Brot-Geschäftsfeld“ bleiben. Die Butter aufs Brot wird mit Sicherheit bereits von den

Strategen angerichtet. Ich wäre da gerne das so genannte Mäuschen bei den Beratungen.


Fritz Prem