Wir haben uns die unterschiedlichen Kosten in der Wertschöpfungskette beim Apfel in den Obstlagerhäusern Mitteleuropas genauer angesehen, wie die Übernahmekosten, die Lagerungskosten im DCA-Lager, die Sortierkosten und die Verpackungskosten.
Die Übernahmekosten variieren je nach Eingangslogistik und sind nicht immer direkt vergleichbar, da die Anlieferstrukturen doch zu unterschiedlich sind. Kleine Unterschiede bei gleichen Voraussetzungen gibt es dennoch.
Die Lagerungskosten beginnen zu streuen. Alle verglichenen Lagerungsvoraussetzungen waren bei gut gewarteten DCA-Lagern. Erklärungen und Rechtfertigungen dazu gibt es genug. Investitionsjahr, Förderungsvoraussetzungen, Stromkosten, Zellengröße, ein Standort oder auch Außenlager und so manches mehr.
Prozentual die stärksten Unterschiede gab es bei den Sortierkosten, die bis zum Dreifachen auseinander klaffen. Über die leistungsfähigste Sortiermaschine einer Region laufen im Jahr so viel Tonnage, wie in einer anderen Region über fünf gleichwertige Sortiermaschinen.
In Cent pro Kilo die größten Unterschiede gibt es bei den Packsätzen. Es läuft mittlerweile bei den großen Packhäusern überall gleich – ein eigener Warenkreislauf Sortierung und danach ein eigener Warenkreislauf Verpackung. Daher kann man die Verpackungskosten gut zuordnen.
Wenn man sich die wichtigsten Verpackungsarten wie Foodtainer/Tasse, einlagig gelegt, 1,5 oder 2 Kilo Tragtasche/Beutel und einen Teil lose entweder in Großkiste oder Kleinverpackung vergleicht, so kommt man bei einem gängigen Mix der Verpackungen auf eine unvorstellbare Differenz vom Besten im Vergleich zum Teuersten. Es werden Kollektivverträge und Lohnnebenkosten, es werden überteuerte Verpackungsanlagen aus der Vergangenheit, es werden Kosten für Verpackungsmaterial und Dienstleistungen angeführt. Was meist gerne verschwiegen wird, ist die Stundenleistung auf der Packlinie.
Somit rechnen wir zusammen, von der besten zur teuersten Variante. Bei der Lagerung sind es 3 Cent, bei der Sortierung sind es 4 Cent, beim Verpackungsmix sind es 15 Cent – wohlgemerkt pro Kilo.
Wenn wir jetzt einige Faktoren gelten lassen, die in der jeweiligen Region unveränderbar sind, so bleiben doch etwa 18 Cent, die eine Lagerung und Bearbeitung beim Schwächsten teurer ist als beim Effizientesten. Dies bei gleichem Ergebnis für den Kunden im LEH (als Beispiel Gala 75/80, auf 1 Kilo im Foodtainer mit Karton-Tasse und PE-Folie).
Es wird vom Großhandel für das gleiche Produkt de facto das gleiche Geld erlöst. Die Kosten für Lagerung, Sortierung und Verpackung müssen davon abgezogen werden.
Somit bleiben für den Bauern bei der teuersten Vermarktungsschiene/Region um 18 Cent weniger übrig.
Das sind pro Hektar etwa 7.000 Euro und bei einem Betrieb mit 15 Hektar etwa 100.000,- Euro weniger, pro Jahr wohl gemerkt. Für die gleiche Arbeit wie anderswo.
Warum marschieren die Bauern da nicht mit ihren Traktoren auf, wo sie doch um € 100.000,- Euro pro Jahr und Betrieb (nicht alle Produzenten zusammen) weniger für ihre Arbeit bekommen.
Die Erkenntnis dazu: sie vergleichen immer noch den Auszahlungspreis von einem Händler mit dem anderen Händler in der gleichen Region und geben die nächste Ernte dem Händler, der heuer 2 Cent mehr bezahlt hat. Eben gutmütige Bauern.
Fritz Prem