Kolumn

Neue Verpackung

Ich verrate ihnen eine Insiderinformation: eine komplett neue Verpackung für Obst und Gemüse ist in Entwicklung. Diese neue Verpackung erfüllt alle wesentlichen Anforderungen an die Bedürfnisse der Branche. Ein Dauerbrenner, der in den letzten Wochen wieder aufgepoppt ist.

Da die Verpackung vor dem Verbrauch des Produktes in den Abfalleimer wandert sollte sie möglichst wenig Müll produzieren. Und wenn schon Abfall, dann möglichst gut kompostierbar oder recycelbar, nach Möglichkeit aus einem nachwachsenden Rohstoff. Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Punkt. (Mikro)Plastik ist derzeit in aller Munde (und in den Weltmeeren) – somit ist diese Produktgruppe derzeit nicht unbedingt mit Sympathie behaftet.

Verpackung hatte immer schon den Sinn, ein Produkt schonend transportieren und versenden zu können. Lose kann man das Produkt nur am POS präsentieren. Davor und danach müssen Lösungen praktikabel sein.

In Zeiten der überbordenden Hygiene-Anforderungen muss die Verpackung eine absolute Hygiene sicherstellen. Keime und Partikel sollen möglichst abgehalten werden, schließlich ist ja ein Produkt verpackt, dass man direkt nach dem Kauf essen kann.

Die neue Verpackung muss aus einem Werkstoff sein, der gut formbar und gestaltbar ist, um dem Ausspruch eines Art-Professors gerecht zu werden: alles folgt dem Design! Eine Verpackung, die nicht anspricht, die verkauft sich nicht. Trotzdem muss möglichst viel vom Ausgangsprodukt sichtbar sein.

Der Ökonom meldet seine Forderungen an: die Kosten für die Verpackung müssen nach unten! Es kann sich doch nicht wiederholen, dass ein großer LEH über zwei Jahre hinweg durch eine wesentlich teurere Verpackung als der Mitbewerb auf etwa 15 Cent je Packeinheit Gewinnmarge verzichtet, nur weil die Verpackung anders sein musste, als alles was bisher da war – ein Bauchfleck der Marketingabteilung.

Ganz leise meldet sich noch der Packhausleiter. Die neue Verpackung muss voll automatisierbar zu befüllen sein, sonst spielt er nicht mit.

All das haben die Entwickler in ihrem Auftrag zur Entwicklung einer neuen Verpackung mit genommen. Als Insider stelle ich fest, dass in allen Entwicklungsabteilungen an der eierlegenden Wollmilchsau gearbeitet wird.

Die Irrwege der jüngeren Vergangenheit sind eine Lehre, z.B. Plastik durch Pseudoplastik zu ersetzen oder geschlossene Papiertüten, bei denen man vom Produkt fast nichts sieht.

Die erste brauchbare Lösung wird von dort kommen, wo man über den bisherigen Rahmen hinaus denken kann.

Fritz Prem