Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Eine Tiefkühlfabrik verändert eine ganze Region03. November 2026

Große Aufregung in der größten Feldgemüseregion Österreichs: eine belgische Firma schließt de facto über Nacht die einzige und größte Tiefkühlgemüse-Produktionsstätte mitten in den Gemüsefeldern des Marchfeldes. Dort wurde bisher der Großteil von Österreichs Tiefkühlgemüse hergestellt.

Zweihundert Mitarbeitern und etwa 500 Feldgemüsebauern wurde de facto über Nacht der wirtschaftliche Stecker heraus gezogen. Politische Interventionen und Demonstrationen der Belegschaft, sowie Protestaktionen der betroffenen Bauern haben erwartungsgemäß nichts gebracht.

Der Familienkonzern hat die strategische Entscheidung getroffen, dass man ein Werk, das in die Jahre gekommen war, nicht mehr auf den neuesten Stand aufrüstet. Es ist wirtschaftlicher, das Werk zu zu sperren und die noch guten Maschinen ab zu transportieren.

Ein Verkauf an einen neuen Investor gibt für den Eigentümer keinen Sinn, da er sich damit einen neuen Mitbewerber für seine Märkte hoch gezogen hätte. Damit ist die Entscheidung klar: aus, zu und abbauen.

Eine weitere Option ergibt sich daraus für den Eigentümer des bisherigen Werkes. Er kann zukünftig in den billigsten Regionen Europas seinen Rohstoff produzieren lassen. So weit, so gut für ihn.

Wie ist die Reaktion der betroffenen Gemüsebauern?

Zuerst war Schockstarre – man hat sie am falschen Fuß erwischt. Der zweite Schritt war eine Bittsteller-Initiative beim Eigentümer des Werkes. Diese war erwartungsgemäß erfolglos, das Management hatte die Entscheidung endgültig getroffen. Der dritte Schritt war der Hilferuf an die Agrarpolitik. Von da gab es tröstende Worte, vorläufig mehr nicht. Auch logisch, wie sollte ein Minister oder Agrarlandesrat irgend welche Zusagen machen, wenn er von den Betroffenen noch nicht erklärt bekommen hat, wohin die Reise gehen soll.

Es haben genossenschaftlich orientierte Konzerne signalisiert, dass sie einen Beitrag zur Lösung machen könnten. Aber auch für sie gilt das Gleiche wie für die Politik. Sie wissen zur Zeit nicht konkret, wohin sich die Gemüsebauern ihre Reise planen.

Zentraler Angelpunkt sind also die Bauern selbst und ihre Vertreter. So richtig traut man sich derzeit nicht drüber, eine eigene Verarbeitung für die eigenen Produkte auf einem stillgelegten Industriegrundstück neu auf zu stellen. Dabei wäre es die einzig längerfristige Versicherungspolizze für ihre Produktion.

Sie spielen lieber mit dem Gedanken, ihre Produktion drastisch zurück zu fahren bis zu jener Menge, die ein kleiner Produzent in der Region verarbeiten kann.

Auch die Suche nach Verarbeitungs-Alternativen im benachbarten Ausland ist nur von einem kurzen Horizont begleitet. Es ist dann kein heimisches Tiefkühlprodukt mit dem bekannten regionalen Marktvorteil.

Die Bauern haben nur zwei Möglichkeiten: aufhören oder aktiv werden.


Fritz Prem

KOMMENTARE (0) Artikel kommentieren