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Business as usual28. Juni 2016

Ich lade sie ein, gedanklich mit mir eine Geschichte zu betrachten. In einem Teil in Deutschland entsteht die Überzeugung, dass man das Ansehen regionaler Produkte stärker nutzen sollte. So zu sagen ein Professionalisierungs-Projekt für die regionale Produktion. Um dies zu verstärken, wäre es doch sinnvoll, dies mit der derzeit hoch im Ansehen befindlichen Bioproduktion zu verbinden.

Neues Regionalprojekt

Ein Projekt entstand: Ein Bio-Joghurt mit regionalen Zutaten! Man setzte das Projekt mit einem großen Bio-Verband auf. Die ersten Gespräche finden mit Joghurtherstellern, Fruchtzubereitern und dem Bioverband statt. Man kann sich für die Idee erwärmen. Erdbeerjoghurt wäre dafür prädestiniert. Die Joghurthersteller können Biomilch aus regionaler Herkunft garantieren, da sie diese bisher auch schon für Bio-Joghurt als Basis verwendeten. Der Fruchtzubereiter signalisierte, dass er Früchte von Mitgliedsbetrieben des Biodachverbandes für die Bio-Fruchtzubereitung verwenden wird und dann für dieses Bio-Erdbeerjoghurt aus regionaler Produktion verarbeitet. Bio-Erdbeerbauern aus der Region haben sich in der Folge mit einer gewissen Produktion darauf vorbereitet.

Vertragsproduktion

Dieses  Projekt wurde für die Dauer von drei Jahren besprochen.  Der Stand der Dinge war sehr konkret. Die erste Charge für den Test der Verbraucherakzeptanz lief an.

Plötzlich nahm die Entwicklung eine interessante Wende. Die Biomilch kam aus regionler Produktion. Der Fruchtzubereiter holte sich die Bioerdbeeren von einem Mitgliedsbetrieb des Biodachverbandes, der aber zufällig außerhalb Europas seine Produktion hat. Dem Biodachverband war es nur wichtig, dass in diesem Bio-Erdbeerjoghurt Bio-Erdbeeren von einem Mitgliedsbetrieb waren.

Eine Rückfrage der regionalen Bio-Erdbeerproduzenten beim Joghurthersteller ergab, dass der Fruchtzubereiter die höheren regionalen Preise für den Rohstoff nicht im Preis untergebracht habe und daher nichteuropäische Bio-Erdbeeren für das Projekt verwendet. Für sie dumm gelaufen. Sie hatten die Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen.

Erkenntnis

Ob sie diese Geschichte glauben oder nicht – das überlasse ich Ihnen.

Dem Konsumenten wird suggeriert, dass dies ein regionales Bioprodukt sei, da der Hauptbestandteil aus der Region kommt. De facto sind die Erdbeeren als namensgebendes Produkt von irgendwo.

Eine Erkenntnis könnte aber für die Früchte-Produzenten entstanden sein: In Zukunft werden sie darangehen, regionale Verarbeitungsprodukte nicht mit den Verarbeitern zu entwickeln, sondern mit dem Lebensmittelhandel direkt und dazwischen die Verarbeiter als Dienstleister beauftragen.

Die Spange zwischen Rohstoffproduzent und Endkonsument wird damit kürzer.

Fritz Prem 21/2016

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