Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Sortenvielfalt11. April 2019

Konsumentenorganisationen beklagen immer wieder, dass es eine immer kleinere Auswahl bei den Apfelsorten gibt und alles Richtung Einheitssortiment gehe. Es werden Umfragen präsentiert, die einen breiten Konsumentenwunsch nach einer Sortenvielfalt (und auch ein Angebot alter Sorten) darstellen.

Bei Bananen ist es selbstverständlich, dass es weltweit im Handel beinahe nur eine einzige Sorte gibt. Bei Äpfeln gibt es eine Sortenpalette von etwa 50 gängigen Sorten. Es ist aber so, dass 6 Sorten etwa zwei Drittel der gesamten EU-Menge ausmachen.

Im LEH und im Diskont gibt es keine Vielzahl von Sorten im Regal. Es ist somit ein Kompromiss, auf der einen Seite ein attraktives Angebot zu haben und andererseits steht dafür nur eine bestimmte Anzahl an Regalplätzen zur Verfügung.

Des weiteren ist es so, dass Konsumenten lieber zu Produkten greifen, die sie kennen. Die Experimentierfreudigkeit ist überschaubar und das Probieren von neuen Produkten ist anteilig am Gesamtumsatz eher klein.

Somit ist der Ablauf eingespielt: die Kunden bestellen ein Standardsortiment und sind damit auf der sicheren Seite. Als Blickfang wird zwischendurch die eine oder andere Besonderheit ins Programm genommen. In der allgemeinen Nachbetrachtung und auch dem Controller fällt sofort auf, dass mit diesem Produkt pro Regalplatz zu wenig Marge erzielt wird. Die Folge ist, dass solche „Experimente“ immer seltener werden.

In der letzten Woche fiel mir bei meinem Store-Check wiederum eine eher seltenere und geschmacklich außergewöhnlich gute Sorte auf, die als Besonderheit im Obstregal ausgelobt wurde – dies als mehrmaliger Versuch an auffallenden Stellen positioniert. Da ich auch Einsicht in die gesamten Abgangsmengen je Woche habe – eine ernüchternde Erkenntnis. Wenn auf diesem Platz im Regal eine gut eingeführte Standardsorte gelegen wäre, es wäre wahrscheinlich der doppelte Umsatz gewesen.

Somit hält sich die Lust auf ein breiteres Sortensortiment im Regal von Seiten des Handels in Grenzen. Ebenso ist bekannt, dass ein zu breites Sortiment die Frische der Packstücke beeinträchtigt, da die Drehung je Einheit langsamer wird.

Dem steht die Sorge eines Verantwortlichen von einem der größten Packhäuser Europas gegenüber.

Seit der Einführung neuer Sorten in seiner Region verändert sich bei ihm viel. Bisher hat er mit vier Sorten 85% seines Umsatzes erledigt. Mit den neuen Sorten kommt er locker auf 10 verschiedene Sorten.

Langweilig wird niemanden.

Fritz Prem

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