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Bringt der Diskonthandel die deutschen Bauern um?28. Juli 2026

Normalerweise ist jedem Teilnehmer in der Wertschöpfungskette bewusst, dass in den letzten Jahren für alle die Produktionskosten wie Personal/Erntehelfer, Energie, Dünger und ähnliches überdimensional angestiegen sind. Jede Kostenerhöhung muss letzten Endes der Konsumentenpreis tragen.

Die Aufgabe des Handels ist es, über den Wettbewerb sicher zu stellen, dass zwar jeder eine kaufmännische Marge hat, aber dass sich niemand bei solchen Kostensteigerungen eine so genannte „goldene Nase“ mit verdient. Das ist eine der Aufgaben des Handels.

Im Saisonobstgeschäft wird meist zu Saisonbeginn ausgelotet, welche Preise Produzenten und Handel brauchen, um nachhaltig zu wirtschaften. Dies passiert über ein langjährig bekanntes Procedere, wo jeder die Spielregeln dazu kennt.

So auch zu Beginn der letztjährigen Bio-Apfelsaison. Alle Verkäufer sind mit ihren notwendigen Vorstellungen zu den Einkäufern der Lebensmittelhandelsketten gekommen und man hat um fünf oder zehn Cent je Kilo auf oder ab gefeilscht.

Nur ein Frischeeinkäufer von einem der größten Diskonthändler Europas hat anscheinend in einem Anfall von gestörtem Selbstvertrauen von seinen Lieferanten zu Saisonbeginn eine vollkommen absurde Preisreduktion von 40 Cent pro Kilo gefordert.

Es ist ihm anscheinend gar nicht darum gegangen, berechtigte Kostensteigerungen ab zu wehren. Seine Forderung war so groß, dass dies mit normalen Kosten- und Preisverhandlungen nichts mehr zu tun hatte.

Er hatte anscheinend das Problem, dass sein Ego so angekratzt war, dass er bei seinen Lieferanten ein Exempel statuieren musste, um seinen Selbstwert zu beweisen. Dazu hat er seine volle Macht als Diskonter in die Hand genommen und einem Lieferanten vor Augen geführt, dass er diesem mit seiner Einkaufsmacht das wirtschaftliche Lebenslicht ausblasen kann. Der Lieferant konnte nur ja oder ja sagen, denn die Macht vom Einkauf ist real. Er könnte dem Lieferanten mit seiner Einkaufsmacht einen massiven wirtschaftlichen Schaden zufügen. Als Beobachter konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da zwischen zwei Männern der eine unbedingt wissen wollte, wer von beiden das sprichwörtlich „größere Geschlechtsteil“ hat.

Es war ja nicht damit abgetan. Der Lieferant und Händler hat von den deutschen Bioobst-Bauern die Ware eingekauft. Er konnte den Bio-Bauern ja nur weiter geben, was er als Marktmittler vom Lebensmittelhandel abholen konnte. Somit hat der deutsche Einkäufer vom Diskonthandel begonnen, den deutschen Bio-Bauern die wirtschaftliche Lebensader ab zu schneiden. Wenn er so über den Dingen steht, dann gehen die Produzenten im eigen Lande real vor die Hunde.

Ich hoffe, dass sich dieses Exempel in heurigen Jahr nicht wiederholt und einzelne Einkäufer trotz  schwankender Emotionen die Grenzen der Realität nicht über Bord werfen.


Fritz Prem

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