Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Energiekosten07. Juli 2026

Der Artikel 210a vom Europäischen Wettbewerbsrecht macht es möglich, dass sich innerhalb einer Sparte die Stakeholder ihre Produktions- und Lagerkosten vergleichen, daraus ihre Schlüsse ziehen und im eigenen Betrieb Optimierungen vornehmen. Dies dient dazu, um effizienter zu werden und vor allem nachhaltiger wirtschaften zu können.

So haben im Rahmen eines Projektes große Obstlagerhäuser in Europa einen Teil ihrer Kosten einem Vergleich unterzogen. Ursprünglich ist man davon ausgegangen, dass man in vielen Punkten sehr ähnlich liegen wird.

Ein Beispiel bei der Energie sind die Stromkosten

Erhoben wurde die Summe aller Kosten je Kilowattstunde, inklusive aller Zusatzkosten abzüglich etwaiger Mengenrabatte.

Zwischen 18,5 Cent und 34 Cent je Kilowattstunde lag die die Bandbreite. Somit beinahe der doppelte Preis vom günstigsten zum teuersten Abnehmer.

Wenn man sich die Ursachen dahinter ansieht, so wird bewusst, dass Stromeinkauf ein „Broker-Geschäft“ ist. Es hängt sehr viel davon ab, wann und für welchen Zeitraum Strom eingekauft wird.

In Zeiten mit niedrigen Preisen einen längerfristigen Vertrag ab zu schließen, war ein Pluspunkt.

Größere Strom-Einkaufsgemeinschaften mit einem großen Bedarfspool waren ein weiterer Denkansatz. Die hausinterne Optimierung (über Steuerungen) vor allem im Kühlbereich haben den Gesamtverbrauch reduziert. Dies ist in dieser Erhebung nur als Nebenbemerkung auf geschienen.

Interessant waren die Ansätze, wo man auf den eigenen Hallendächern über Photovoltaik Strom produzieren ließ. In den konkreten Fällen waren es externe Firmen, um die eigene Liquidität nicht zu beeinträchtigen. Über Dachmieten und der Ersparnis der Netzgebühr über eine Energiegemeinschaft (vom Dach ohne öffentliches Netz in die Halle) kam im Vergleich ein sagenhaft günstiger Stromtarif zu Stande. Dies wurde ein wenig relativiert, da Photovoltaik-Stromproduktion und Strombedarf über das Jahr nicht immer synchron sind. 

Aufgefallen ist, dass die „Strom-Broker“ in den einzelnen Lagerhäusern das Risiko meist gesplittet haben. Ein Teil längerfristige Verträge, ein Teil am Spotmarkt, ein Teil läuft über Kooperationen mit regionalen Stromerzeugern.

Die Lagerhäuser mit höheren Tarifen hatten öfters kurzfristige und sehr teure Spitzenstromtarife mit auf der Rechnung, haben über Subhändler Strom eingekauft oder haben nach Betriebserweiterungen die zusätzlichen Anschlusskosten natürlich mit auf der Rechnung. 

Interessant war die Aussage des Betriebsleiters von einer großen Obst- und Gemüseversteigerung. Sie wollen Stromkosten als längerfristig kalkulierbare Kostengröße haben und stehen kurz vor der Entscheidung, zwei Windräder zur Eigenversorgung zu bauen.


Fritz Prem

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