Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH
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Frostnächte24. April 2017

In den letzten Nächten sind in weiten Teilen Europas durch Blütenfröste beachtliche Werte vernichtet worden. Es sind ganz wenige wichtige Anbaugebiete, die diese Zeit beinahe unbeschadet überstanden haben.

Frost Obstbau
Foto: Fritz Prem

Es ist schon ein sonderbares Gefühl, wenn man am Morgen nach dem Spätfrost durch die Obstgärten geht und das volle Schadausmaß realisiert. Wenn gleichzeitig die Sonne aufgeht  und einen wunderschönen Tag ankündigt, so fällt mir eine alte Wiener Redewendung dazu ein, als wolle die Sonne sagen: “San ma wir wieder gut“ (so zu sagen ein Angebot zur Versöhnung für das Geschehene).

Im Rückblick gab es bereits mehrere Jahre, wo ein so großflächiger Spätfrost in den europäischen Obstregionen spürbare Mengenreduktionen und damit Schaden angerichtet hat. Aus der Sicht des Marktes war dabei jedes mal das gleiche Phänomen zu beobachten: die Großhandelspreise für die laufende Saison sind binnen ein bis zwei Wochen spürbar angestiegen.

Nach dem Schulbuchwissen der Marktgesetze dürfte dies nicht sein. Wenn Angebot und Nachfrage den Preis regeln, dann wäre doch in den kommenden Wochen gleich viel Angebot da wie in den vergangenen Wochen. Der Apfel zum Beispiel ist doch eine Lagerware und in dieser Saison ist er aus Herkünften der Nordhalbkugel nicht mehr vermehrbar. Warum also jedes Mal das gleiche Szenario, fragen sich Markt-Theoretiker und Newcomer.

Die alten Füchse im Handelsgeschäft haben die Erklärung, sie geben sie aber ungern preis. Mit Beginn der neuen Ernte wird spürbar weniger Angebot da sein und damit die Grundspielregel von Angebot und Nachfrage greifen. Dass aber der Preisanstieg bereits kurz nach einer Frostkatastrophe ansteigt hat einen einfachen Grund, den alte Füchse in einem Satz zusammenfassen: Teure Äpfel gehen nie zu Ende!

Dies heißt, wenn die Äpfel plötzlich teurer werden, dann geht auch in der alten Saison der Mengenfluss langsamer. Das heißt weiter, dass die Lagervorräte ein bis zwei Monate länger in die neue und mengenschwache Saison hinein reichen. Die Margen je Kilo werden höher und gleichen zu einem gewissen Teil die Mengenausfälle der kommenden Saison aus.

Wer diese Spielregel des Frisch-Marktes verstanden hat, der wird auch in den nächsten Jahren im Geschäft zu finden sein. Wer nicht, der möge sich vielleicht demnächst um einen Job umsehen, in dem alles schriftlich zum Auswendig Lernen im Vorhinein niedergeschrieben ist...

Fritz Prem

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