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Mercosur und das Nachbeben03. Februar 2026

Im Trilog-Verfahren der europäischen Union haben eine „handvoll Bauern“ den Vertrag Mercosur zurück an den Start geschickt – so zumindest waren dies die Schlagzeilen in der Fachpresse. Ein letztes Aufbäumen der Agrarfunktionäre zum Schaden der europäischen (Auto)Industrie – so so die zornigen Kommentare der Funktionäre aus Wirtschaftskreisen.

Die Europäische Union hat mehrere Freihandelsabkommen bereits laufen. So unter anderem auch seit 2016 mit Moldawien. Es sind da schrittweise Freihandelsmengen vereinbart, um diesem Wirtschaftsraum an jenem der EU heran zu führen. Es war dies ein Entgegenkommen, da Rußland mit der Annexion der Krim viele Länder vom Warenhandel mit Rußland ausgeschlossen hat, so auch Moldawien. Moldawien hatte vorher seiner Exporte fast zur Gänze nur nach Rußland getätigt.

Wenn wir uns die vereinbarten Zollfrei-Mengen und dazu die tatsächlich in die EU gelieferten Mengen ansehen, so bestätigt dies eine These: Das Exportland ist berechtigt zu liefern, es muss aber auch jemanden in der EU geben, der diese Mengen kauft und konsumiert.

Im letzten Jahr wäre die Jahresquote für einen begünstigten Export bei Äpfeln 50.000 to gewesen, tatsächlich waren 38.000 to nicht genutzt. Bei Kirschen war die Jahresquote 4.500 to, wovon 4.400 to nicht genutzt wurden.

Das „nicht genutzt“ klingt so formell. Man kann es auch so formulieren: in der EU hat niemand diese Mengen gekauft. Es ist ja keine Verpflichtung, sondern nur eine Möglichkeit zu kaufen.

In Handelsfragen sind Agrarvertreter sehr oft noch alten Sichtweisen verhaftet. Am liebsten würden sie um ihre eigenen Nationalstaaten noch Grenzposten und Zollstationen aufbauen. Dass wir in einer EU mit den vier Grundfreiheiten (so auch dem freien Warenverkehr) leben, ist bei vielen spurlos vorüber gegangen. Trotzdem haben sich gute landwirtschaftliche Produktionen bei offenen Grenzen innerhalb der EU entwickelt.

Auch bei Mercosur ist es so, dass Mercosur-Staaten Quoten für Lebensmittellieferungen haben. Es muss aber in der EU erst jemand geben, der diese Mengen aus den Quoten kauft und dem Konsum zuführt.

Da liegt es an den heimischen Agrarvertretern und deren Marketingexperten, Stimmung für die eigenen Produkte zu machen. Dass dies funktioniert, zeigen zum Beispiel große Supermarktketten, die von sich aus erklärt haben, nur heimisches Fleisch in ihren Geschäften zu führen.

Die Aktion „Land Schafft Leben“ hat aber andererseits aufgedeckt, dass in der Gastronomie in Österreich über 60% nicht heimisches Schweinefleisch und 75% nicht heimisches Kalbfleisch verwendet wird. Also schon vor Inkrafttreten von Mercosur. Für das Agrarmarketing noch ein breites Betätigungsfeld.

Andererseits sind in Österreich die Äpfel in den Supermärkten fast zur Gänze aus heimischer Produktion, ebenfalls bei offenen EU-Grenzen.


Fritz Prem

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