Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Neue Märkte29. Juni 2026

Bei einem Workshop vor einigen Tagen ging es um die Frage, wo man neue Märkte für Äpfel entwickeln könnte.

Die ersten Ideen waren, dass man sich die an Kaufkraft stärksten Länder Europas ansieht. Dort müssten doch zusätzlich Äpfel zu verkaufen sein.

Dann kam der Einwand, dass gerade diese Länder derzeit eine Wirtschaftskrise durchlaufen.

Als nächste Idee kam Nordafrika als Einfallstor in den bevölkerungsreichsten Kontinent dieser Welt – ist leider schon von den großen Obstregionen beackert und man muss sich hinten anstellen.

Indien sei doch der bevölkerungsreichste Staat der Welt. Sie haben zwar selbst etwa 200.000 ha Apfelplantagen, diese Äpfel sind aber etwa vier Monate nach der Ernte weg. Man kommt drauf, dass die Türkei etwa 25% aller Importe in Indien liefert. Schwierig.

Die ersten Erkenntnisse keimen auf. Am Heimmarkt hat man bisher vorwiegend nur geliefert, was von Kunden nach gefragt wurde. Man hat meist nur die Nachfrage bedient.

Der Pro-Kopf-Verzehr von frischen Äpfeln schwankt in den einzelnen Ländern Europas beträchtlich. Die Spitzenreiter liegen bei knapp 20 Kilo je Jahr, die Schlusslichter verzehren gut 10 Kilo pro Kopf.

Wobei die größten Apfelproduktionsländer Europas in diesem Ranking nicht einmal im Spitzenfeld liegen. 

Bei diesem Workshop haben sich die Vertreter die Frage gestellt: was lief bei uns in den letzten 10 Jahren falsch? Warum decken wir nur 48% vom Eigenbedarf? Warum gibt es keine generische Werbung für heimisch produzierte Lebensmittel?

Den Handelsunternehmen kann ich dafür nicht die Schuld geben. Warum sollten sie für generische Werbung Geld ausgeben, wenn danach der aggressivste Konkurrent auch einen Nutzen hat, ohne dass er sich an den Kosten beteiligt hat.

Es ging auch um neue Märkte und neue Konsumenten für Bioäpfel. Wenn innerhalb der EU in einem Land 14% aller verkauften Äpfel aus der Bioproduktion stammen und in einem Nachbarland nur 5%, so kam schön langsam die Erkenntnis, dass neue Märkte und neue Konsumenten zu Hause zwischen den 5% und 14% liegen könnten.

Wie man aus allen vorgetragenen Statements bei dieser Veranstaltung ersehen konnte, hat Bio in ganz Europa generell jetzt wieder zulegt. So gingen die Teilnehmer etwas nachdenklich nach Hause.

Wer wird wohl der erste sein, der sich diesen Marktzuwachs holen wird.


Fritz Prem

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