Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Nahostkrieg und Langzeitfolgen für uns21. Mai 2026

Der Krieg im Nahen Osten bringt als Nebenwirkung (oder Strategie) die Warenströme bei der fossilen Energie durcheinander und führt zu einer längerfristigen Mangelsituation.

Schön langsam bemerken wir im täglichen Geschäft, wie abhängig wir in der Produktion von Lebensmitteln von dieser fossilen Energie sind.

Das beginnt beim Treibstoff. Diesel verteuert die Logistik sprunghaft. Hier auf Alternativen um zu schwenken, ist sehr langwierig. Vor allem deshalb, da die europäische Fahrzeugindustrie sich viel zu lange gegen elektrische Mobilität gestemmt hat. Der Dieselpreis wird einen Sinneswandel erzwingen.

Erdgas ist derzeit im Glashaus-Gemüsebau der wichtigste Energieträger. Die großen Gemüseproduzenten mussten daher relativ rasch wegen der gestiegenen Energiepreise für ihre  Produkte Preiserhöhungen am Markt ankündigen. Findige Strategen in der Glashausproduktion haben lange vorausschauend auf Geothermie oder ähnliche alternative Energieformen ihre große Produktion aufgebaut. Mit jeder Kostensteigerung bei den Mitbewerbern festigt sich ihre eigene Position am Markt.

Die Düngerpreise für industriell hergestellten Dünger (vor allem Stickstoff) sind beinahe explodiert. Weltweit wird Stickstoff beinahe zur Gänze über das Haber-Bosch-Verfahren mit Hilfe von Erdgas als Energieträger hergestellt. Mit der Verknappung und dem Preisanstieg bei fossiler Energie ist die Herstellung von industriellem Stickstoff mit nach oben gezogen. Überall, wo Stickstoff (aber auch Schwefel) in einem Dünger dabei ist, steigt der Kostendruck enorm.

Der Markt für organischen Dünger (ohne industriellen Stickstoff) steigt bereits kontinuierlich an, da eine zusätzliche Nachfrage aus jenen Betrieben kommt, die bisher mit industriell hergestelltem Dünger gearbeitet haben.

Die Pflanzenschutzmittel sind aktuell nicht ganz so betroffen, da es dabei meist um Saisonpreise geht. Auch Pflanzenschutzmittel sind sehr energieaufwändig in der Produktion. Das dicke Ende wird mit der neuen Saison so sicher kommen wie das Amen im Gebet.

Einige Entwicklungen zeichnen sich sehr deutlich ab.

Betriebe, die relativ früh auf die bisher etwas aufwändigeren alternativen Energieformen gesetzt haben, werden auch in Zukunft Früchte und Gemüse liefern können. Für die anderen wird sich ein Warten auf bessere Zeiten nicht mehr lohnen.

Düngestrategien werden sich gravierend verändern. Es ist ja derzeit schon so, dass etwa 20% der europäischen Ackerflächen unsachgemäß (verschwenderisch) gedüngt wurden, da sie als negativen  Nebeneffekt das Grundwasser mit Nitrat zu stark anreichern.

Die Mobilität wird elektrisch, ob wir es wollen oder nicht. Stromproduktion vor Ort als Alternative zur fossilen Energie der Autokraten ist die Devise.

Ein Krieg in einer Region mit der derzeitigen (fossilen) Schlüsseltechnologie führt uns dies unbestreitbar vor Augen.


Fritz Prem

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