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Traktordemo zur Absicherung von Bauerneinkommen01. September 2026

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Treffen mit dem Initiator und Organisator der wahrscheinlich größten Traktordemonstration aller Zeiten in Österreich. Wir haben uns lang über die Denkansätze, Ideen, Strategien und vor allem auch über die Planung und Umsetzung dieser Art von Traktordemonstrationen ausgetauscht.

Auslöser waren damals politisch festgefahrene Positionen beim Agrarbudget und im Förderungswesen. Wenn wochenlanges Verhandeln nicht fruchtet, so hat dieses unabhängige Agrarbündnis eben die Brechstange ausgepackt und wieder Bewegung ins (Verhandlungs)Spiel gebracht. 

Ziel der Demo war die Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen. Das ändert aber nichts an der Situation, dass der kleinere Anteil des bäuerlichen Familieneinkommens von den Förderungen kommt, der wesentlich größere Teil muss aber vom Markt kommen.

Und da haben die Erzeuger die denkbar schlechteren Karten. Sie haben seit einem Jahrzehnt keine wirkungsvolle Antwort auf die Konzentration im Lebensmittelhandel. Drei oder vier Einkäufern (die den größten Teil des Lebensmittelhandels betreiben) stehen meist zehn oder fünfzehn Anbieter (die das gleiche Produkt anbieten) gegenüber. Wie dieses Match ausgeht, können wir in den Jahresabschlüssen der Bauern nachlesen.

Ich lade sie ein zu einer Gedankenreise.

Gehen wir von der Situation aus, dass sich ein neuer Einkäufer bei einem der wichtigsten Lebensmittelhändler seine Sporen verdienen will. Er halbiert plötzlich dauerhaft den Verkaufspreis eines Obst- oder Gemüseproduktes und ist damit in den Schlagzeilen und somit im Gespräch. Durch die zersplitterte Angebotsstruktur weiß er, dass er sich seine Marge trotz ungewöhnlichem Aktionspreis von den Lieferanten holen kann.

Die offizielle Agrarpolitik und der Bauernverband prangern diese Vorgangsweise über Presseaussendungen und öffentliche Statements an. Nach ein paar Tagen ist die öffentliche Empörung abgeflacht und man nimmt die eigene Hilflosigkeit zur Kenntnis. 

Stellen wir uns weiter vor, dass sich dann beherzte Bauern aus der betroffenen Sparte die Achillesfersen des so hoch effizienten Lebensmittelhandels ansehen. Sie organisieren eine Traktordemo genau an allen Zufahrten und Abfahrten der zentralen Auslieferungslager jenes Lebensmittelhändlers, der sich goldene Sterne verdienen wollte. Damit wird für eine gewisse Zeit jede Zu- und Auslieferung aus den Zentrallägern zu den Filialen unterbunden. Spätestens am späten Vormittag beginnen sich bei dem einen Lebensmittelkonzern die Regale zu leeren, während sie überall anders voll sind.

Diese Achillesfersen sind derart sensibel, dass es gelingen kann, mit ein oder zwei Dutzend Traktoren je Lager das Ziel zu erreichen. Von der Organisation her simpel, von der Wirkung her gut vorstellbar.

Wie gesagt, eine Gedankenreise, die mir nach dem Gespräch gekommen ist.


Fritz Prem

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