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Biokonsum steigt in ganz Europa17. August 2026

Der Biokonsum steigt nachweislich bei fast allen Konsumdatenerhebungen in Europa.

Die wirklichen Bio-Marktzuwächse passieren derzeit im Diskonthandel und bei den Vollsortimentern. Biofachhandel und Direktvermarktung treten derzeit ein wenig auf der Stelle. Für einen Branchenkenner ist diese Entwicklung ganz logisch.

Brancheninsider kennen die Margen innerhalb der Wertschöpfungskette auf den Cent genau. Sie wissen, was Produzenten für ihre Äpfel bekommen, welche Kosten im Lager und Packhaus entstehen (durch die Packsätze, die gegenseitig verrechnet werden) und sie wissen auch, welche Aufschläge Diskonter, Vollsortimenter und Biofachhandel für sich nehmen. Dies deshalb, da im Packhaus das Obst verkaufsfertig verpackt und mit dem Endverkaufspreis etikettiert wird wird.

Bioobst ist in der Produktion aufwändiger und damit in der Entstehung teurer. Wenn der Lebensmittelhandel seine prozentualen Aufschläge macht, so ist der Diskonthandel durch seine Organisationsstruktur anscheinend in der Lage, mit etwa 25% niedrigeren Aufschlägen wie der Vollsortimenter, ausreichend Marge zu machen. Parallel dazu haben Lieferanten zähneknirschend die Qualitätsanforderungen vom Diskonthandel und Vollsortimentern angenommen (Handelsklasse I und Extra). Ebenso ist in den meisten Fällen durch Verträge mit Bioverbänden Verbandsware der Standard im Regal – nicht anders, wie bei vielen anderen Bio-Verkaufsstellen.

Damit bekommt auch der „Bio-Teilumsteller“ als Kunde die Möglichkeit, bei seinem „Tagesrand-Einkauf“ im Supermarkt Bioobst zu einem weitgehend vernünftigen Preis zu besorgen. Er braucht nicht extra irgendwo zu einem Biosupermarkt zu fahren.

So viel zur Erklärung der Entwicklung bei Vollsortimentern und Diskonthandel. Leider gibt es da auch eine weniger erfreuliche Situation. Während der Einkauf von einem der großen Diskonter marktübliche Einkaufspreise zahlt und damit ein funktionieren der gesamten Wertschöpfungskette sicherstellt, ist der Einkauf des zweiten großen Diskonters anscheinend gerade auf einem Selbstfindungstrip. Er spielt seine Einkaufsmacht voll aus. Müssten alle Bioäpfel derzeit dort verkauft werden, dann wären alle Bauern wirtschaftlich tot.

Auch für die Entwicklung beim Biofachhandel gibt es eine solide Erklärung. Für Bio-Fundis ist es normal, dass zum Beispiel ein Bioapfel auch kleine Macken haben kann. Es ist ja Bio. Der wirkliche Biozuwachs passiert aber nicht bei den Bio-Fundis, sondern bei den „Konsum-Bio-Teilumstellern“. Obendrein sind im Normalfall die Aufschläge auf den Großhandelspreis bei Biofachgeschäften zwei bis dreimal so hoch wie im übrigen Lebensmittelhandel.

Somit ist im Biofachhandel der Produktpreis für die gleiche Ware wie beim Diskonter wesentlich höher und die Qualität durch die meist niedrigere Drehung wie beim Diskonter nochmals anders.

Es sind nicht nur die Werbeanstöße, der Unterschied ist wesentlich breiter angesiedelt.


Fritz Prem

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