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Mostobstpreise auf allertiefstem Niveau05. Oktober 2014

Die Produzenten in ganz Europa leiden an den extrem tiefen Mostobstpreisen in der heurigen Saison. Preise von 3 bis 4 Cent für den Produzenten sind momentan marktüblich. Rechnet man genau, so liegen die Kosten für die Ernte bei etwa 7 Cent. Mostobst fällt teilweise prozessbedingt an und kommt somit auch in den Markt.

Mostobstproduzenten werden sich auf derartige Preise einstellen müssen. Systembedingt deshalb, da der Großteil vom Mostobst weltweit in die Konzentratproduktion geht. Diese Industrie hat einen Wandel hinter sich. Zuerst gingen europäische Konzentrathersteller in den Osten und ließen sich von Anlagenbauern mitten im billigen Rohstoff mit hochwertiger Technologie Produktionsstätten errichten. Bei den Anlagenbauern ist damit Know How entstanden. Dieses Know How ist nicht nur in Europa geblieben, sondern wurde weltweit bis nach China weiter verkauft. Jetzt ist es egal, wo weltweit Konzentrat produziert wird, es gibt fast überall die gleiche Qualität zu kaufen. 

Dazu kommt noch, dass beim Konzentrat durch das relativ geringe Volumen der Transportkostenanteil gering ist. Es ist problemlos weltweit handelbar. Darin liegt das Grundproblem für unsere momentane und zukünftige Preissituation beim Mostobst. Kaum ein Produkt in unserer Branche ist so von der Globalisierung betroffen, wie das Konzentrat aus unserem Produkt. Es ist weltweit austauschbar, da es anonym in der Herkunft beim Konsumenten ankommt, es ist uniform, da es weltweit mit der beinahe gleichen Technologie hergestellt wird, es ist länger lagerfähig und verschleppt somit ein Problem von einer Saison auf die nächste.

Apfelsaft aus Konzentrat ist ein Paradebeispiel, wie Strategen ein Produkt in den Globalisierungsstrudel treiben können. Es ist heute nicht mehr egal, ob in Europa ein etwas stärkeres Angebot an Rohstoff da ist. Es spielt sogar eine Rolle, ob in China oder Nordamerika im Vorjahr ein Überangebot an Rohstoff war. Dies füllte die Lager weltweit und hat Auswirkungen auf den heurigen Aufkaufspreis direkt vor Ort. 

Als Lösungsansatz werden  Alternativen zur Konzentratproduktion weiterentwickelt. Es wird direkt gepresster Apfelsaft in Konkurrenz zu einem „hellbraunen, feinsäuerlichen Zuckerwasser mit Apfelaroma aus natürlichen Zutaten“ bestehen können. Es werden höherwertige Verarbeitungsprodukte stärker entstehen. 

Die alte Erfahrung gilt aber auch hier: Wer die jeweilige Wertschöpfungskette steuert, der verteilt auch im neuen Sektor die Margen innerhalb der Beteiligten.

Prem 41/2014

KOMMENTARE (3) Artikel kommentieren
06.10.2014
07:26 Uhr
walter
Solange es Bauern und Vermarkter gibt, die zu solchen Konditionen Industrieware andienen und auch liefern, wird sich gar nichts ändern.
Die Ursache liegt ausschließlich am Mangel an Kostenbewusstsein der Bauern!
Wer sonst als die Bauern entscheiden über den weiteren Weg ihrer Früchte zur Erntezeit.
Wer Ware zu diesen Preisen anliefert gebührt
07.10.2014
21:53 Uhr
Fritz Prem
Hallo Walter, da Apfelsaftkonzentrat ein globales Produkt geworden ist, wäre es vollkommen egal, wenn 20% der europäischen Mostobst-Bauern die Anlieferung verweigern und das Produkt in der Natur zurücklassen. Das Spiel in diesem Sektor ist bereits so weit zu ungunsten der Produzenten gelaufen, dass es sich nicht auszahlt, irgendwelche Aktivitäten zur Belebung einer Partnerschaft zu setzen. Es wären leere Kilometer. Es bleibt nur, in jenen Jahren mit Rohstoffknappheit den etwas erhöhten Preis mit zu nehmen. Sonst sehe ich keinen Gestaltungsspielraum. Die einzige Chance sehe ich in der Entwicklung höherwertiger Verarbeitungsprodukte.
09.10.2014
06:11 Uhr
Walter
Hallo Fritz,
ich muss Dir, so traurig es auch ist 100% recht geben!