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Gentech auf Bewährung: Schweiz ringt um neue Regeln

25. August 2025

Die Schweiz verlängerte im Frühling ihr Gentechmoratorium bis 2030 – doch der Druck wächst. Neue Züchtungstechnologien wie CRISPR versprechen klimafitte Pflanzen und weniger Pestizide. Ein neuer Gesetzesentwurf soll den Umgang damit regel, berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID). 


Foto © LID

Zwischen Innovationsschub und Vorsorgeprinzip stehen Politik, Forschung und Landwirtschaft vor einer Grundsatzentscheidung. Eine zwischenzeitliche Übersicht.

Die Schweiz bleibt beim Thema Gentechnik auf der Bremse – zumindest vorerst. Das seit 2005 bestehende Gentechmoratorium, das den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verbietet, wurde in diesem Jahr bis Ende 2030 verlängert. 

Gleichzeitig arbeitet der Bund an einem neuen Spezialgesetz, das den Einsatz sogenannter neuer Züchtungstechnologien – etwa der Genom-Editierung mit CRISPR – künftig regeln soll. Während Befürworter darin einen notwendigen Innovationsschub sehen, warnen Kritiker vor unkalkulierbaren Risiken.

Was ist das Gentechmoratorium?

Vor knapp 20 Jahren stimmte die Schweizer Bevölkerung für ein befristetes Verbot gentechnisch veränderter Pflanzen im kommerziellen Anbau. Ursprünglich für fünf Jahre gedacht, wurde das Moratorium seither mehrfach verlängert – nun bis Ende 2030.

Ziel ist es, Risiken für Umwelt, Biodiversität und Konsumentengesundheit zu vermeiden, solange keine langfristigen Erfahrungen vorliegen. Forschung bleibt erlaubt, allerdings unter strengen Auflagen – etwa in geschlossenen Systemen oder bei klar begrenzten Freisetzungsversuchen.

Neue Züchtungsmethoden – Hightech im Pflanzenbau

Unter den neuen gentechnischen Züchtungsmethoden versteht man Verfahren wie die Genomeditierung mit der Genschere CRISPR/Cas. Anders als bei klassischer Gentechnik wird dabei kein artfremdes Erbgut eingebaut. Stattdessen lassen sich gezielt einzelne Gene ausschalten oder verändern – ähnlich wie bei einer punktgenauen Mutation, wie sie auch in der Natur vorkommen könnte.

Befürworter sehen darin enormes Potential: Unter anderem klimafeste Sorten, die besser mit Trockenheit oder Hitze umgehen können oder Resistenz gegen Krankheiten wie Mehltau oder Kraut- und Knollenfäule sowie weniger Pflanzenschutzmittel, weil Pflanzen robuster sind.

Kritiker befürchten dagegen unklare Langzeitfolgen, rechtliche Grauzonen bei Patenten und den Verlust an Sortenvielfalt. Auch mögliche Auswirkungen auf Ökosysteme sind noch nicht abschliessend erforscht.

Das geplante neue Gesetz

Um diese neuen Methoden gesondert zu regeln, hat der Bundesrat den Entwurf für ein «Bundesgesetz über Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien» in die Vernehmlassung geschickt.

Das Ziel: ein risikobasiertes Zulassungsverfahren. Dabei sollen Pflanzen, die sich nicht von konventionell gezüchteten unterscheiden, schneller zugelassen werden können. Für Verfahren mit höheren Risiken sind hingegen umfassende Prüfungen vorgesehen.

Die Vernehmlassung lief bis zum 9. Juli 2025. Nun hat der Bundesrat den Auftrag, den Entwurf zu überarbeiten und danach dem Parlament vorzulegen.

Fronten im politischen und gesellschaftlichen Streit

Befürworter – darunter viele bürgerliche Parteien, Forschungseinrichtungen und Teile der Lebensmittelindustrie – argumentieren, dass die Schweiz ohne neue Züchtungsmethoden an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Innovation sei nötig, um Erträge zu sichern und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.

Gegner – vor allem Bio Suisse, Umweltorganisationen und gentechkritische Verbände – sehen im Gesetzesentwurf ein «Trojanisches Pferd» für die Einführung von Gentechnik durch die Hintertür. Sie warnen vor Risiken für die Umwelt und pochen auf das Vorsorgeprinzip.

Der Spagat zwischen Innovation und Vorsorge

Die nächsten Monate werden zeigen, wie der Gesetzesentwurf angepasst wird und wie gross der politische Wille zu einer Lockerung des Moratoriums tatsächlich ist. Sicher ist: Die Schweiz steht vor einer Grundsatzentscheidung.

Bleibt sie bei ihrem restriktiven Kurs, könnte sie im internationalen Vergleich ins Hintertreffen geraten – öffnet sie sich, geht sie ein Stück weit ins Risiko. Die Balance zwischen wissenschaftlichem Fortschritt, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz wird entscheidend sein.

Weitere Informationen.


Quelle: LID

Veröffentlichungsdatum: 25.08.2025

Schlagwörter

Lid, Verlängerte, Gentechmoratorium, Schweiz, neue Regeln