Spargel-Roboter-Treff bei der OGA: Die Technik ist da, man muss sie nur richtig einsetzen
Der Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 14,60 € - Tendenz steigend. Gleichzeitig wird es zunehmend schwierig, motivierte, leistungsfähige Erntehelfer und Erntehelferinnen zu finden, die die gesamte Spargelsaison über im Betrieb arbeiten.
Das Interesse am Spargel-Roboter-Treff bei der OGA in Bruchsal und online war deswegen groß: Über 140 Spargelanbauer und Spargelanbauerinnen aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich und Frankreich nahmen an der Veranstaltung teil.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
Die umfassende Praxisstudie wurde vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE) in Auftrag gegeben mit dem Ziel, den Spargelproduzenten eine unabhängige und fundierte Entscheidungsgrundlage zu einem frühen Zeitpunkt zu bieten.
Im Mittelpunkt standen die Spargel-Ernteroboter von AvL Motion und Lommers, aber auch die Maschinen von Prefiro und Sylektis waren vor Ort zu sehen.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
„Wir sehen, dass die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften zunehmend zum Problem wird.
Der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, und wir sind sehr dankbar für die Innovationskraft in diesem Bereich.
Der Vorstand hat nicht gezögert, die Untersuchung mit einem fünfstelligen Betrag zu finanzieren.
Die Erzeuger brauchen jetzt eine unabhängige Entscheidungsgrundlage. – Dazu wollte der VSSE seinen Beitrag leisten“, erklärt Simon Schumacher, VSSE-Vorstandssprecher.

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Ernte mit den Spargel-Ernterobotern: Die Technik ist nicht das Problem
Der erfahrene Spargelerzeuger Rolf Meinhardt (VSSE) und die Arbeitswirtschaftlerin Monika Schulz (ratiochron) haben die Ernteroboter, die bereits am Markt sind, im Realeinsatz in den Niederlanden, Belgien und Deutschland intensiv untersucht und ihre methodische Vorgehensweise sowie die Ergebnisse auf dem Spargel-Roboter-Treff vorgestellt.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
Anhand der Kriterien wie Stangenanzahl, Qualität und Zeitaufwand haben sie die beiden Maschinen der Handernte gegenübergestellt.
Sie haben aufgezeigt, dass die Maschinenleistung stark von Faktoren wie Folienzustand, Dammqualität, Reihenlänge und Stangendichte abhängt.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
Die Ergebnisse der Analysen machen deutlich: Wenn es Probleme gab, dann nicht aufgrund unausgereifter oder anfälliger Technik, sondern vor allem wegen schlechter Feldbedingungen sowie mangelhaftem Folieneinsatz.
Es gab Felder, die zuvor von Hand beerntet wurden und ein ungleiches Dammniveau und Löcher aufwiesen, zu weit herausgewachsener Spargel, eine starke Verunkrautung des Dammes oder eine unzureichende Qualität der eingesetzten Schwarz-Weiß-Folie (z. B. Löcher in der Folie) und ungleichen Folienlängen (Folie auf der einen Seite des Damms zu kurz oder zu lang).

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Maßgebliche Unterschiede zwischen AvL und Lommers
In dem 4,5 t schweren Spargel-Ernteroboter von AvL ist eine komplexere Technik verbaut als bei Lommers. Die Investitionskosten liegen etwa doppelt so hoch.
Die 3 – 4 robusten Stechgeräte stechen den Spargel von oben. Die Anforderungen an den Damm sind hoch: Das Dammniveau muss überall gleich sein, der Boden darf nicht zu hart sein.
Die Spargelstangen werden hinten entgegengenommen, und zu kurze Stangen oder Spargelbruch können gleich aussortiert werden. Alles, was als weiß gesehen wird, wird für Spargel gehalten.
Deswegen sollte der Damm möglichst frei von Unkraut gehalten werden.
Die 2,7 t schwere Maschine von Lommers ist kompakter, kleiner und sehr wendig. Sie funktioniert auch bei Spargeldämmen mit Minitunnelfolie.
Der Stechvorgang funktioniert von beiden Seiten seitlich, so dass auch Spargelstangen an den Seiten des Dammes geerntet werden können.
Die Spargelstangen werden von einer Person eingesammelt, die hinten seitlich an der Maschine sitzt.
Die Maschinen kann auch auf Dämmen arbeiten, auf denen zuvor von Hand geerntet wurde, ist weniger anspruchsvoll als die Maschine von AvL.
Die Ernteroboter von AvL hat bessere Ernteergebnisse erzielt, aber hatte auch bessere Grundvoraussetzungen. Beim Wenden kann man bei beiden Maschinen, wenn man die Länge der Dämme entsprechend wählt, und ausreichend Vorgewende hat, bis zu 20 % Zeit einsparen.
Bei der Stech- und Dammqualität schlägt der Ernteroboter die Handernte.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
Richtig eingestellt und auf gut geformten Dämmen machen die beiden Ernteroboter einen guten Job: Die Spargelstangen haben die optimale Länge und einen glatten Schnitt.
Ausgefranste Stangen, angeschälte Stangen oder viel zu lange Stangen gibt es bei einer Durchfahrt mit dem Spargel-Ernteroboter weniger als bei der Handernte.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
Hinzu kommt, dass der Ernteroboter so gut wie alle Stangen erntet, und die Auswertung alle Spargelstangen umfasst, währenddessen bei der Handernte die ein oder andere Spargelstange auf dem Feld bleibt, um zu einem besseren Ernteergebnis zu kommen.
Ein weiterer Vorteil des Robotereinsatzes ist, dass die Dammqualität besser ist als bei der Handernte, was dem Boden und den Spargelpflanzen zugutekommt.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
Grundvoraussetzung: Ist-Zustand mit Kennzahlen der Handernte und Wirtschaftlichkeitsberechnung
Monika Schulz betont, wie wichtig es sei, erst einmal die Ist-Situation zu kennen sowie die Kennzahlen der Handernte im eigenen Betrieb vorliegen zu haben und auch eine Vollkostenrechnung mit allen anfallenden Kosten der Saisonarbeitskräfte aufzumachen.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
Auch gilt es zu priorisieren, welches Ziel man mit der Anschaffung eines Spargel-Ernteroboters verfolge: wie beispielsweise Arbeitskräfte einsparen, Arbeitskosten reduzieren, Erntekapazität erhöhen, Ernte bei schwieriger Erntekräfteverfügbarkeit absichern oder Erntequalität verbessern.

Foto © VSSE / Isabelle Bohnert
Fazit: Ernteroboter-Einsatz erfordert Anpassungen im Anbau
Nur vom Ernteertrag her gesehen lohnt sich laut Rolf Meinhardt der Einsatz eines Spargel-Ernteroboters ab 5000 Stangen bzw. 350 – 400 kg Spargel pro Hektar.
Er sieht sie nur als rentabel an, wenn sie im Drei-Schicht-System laufen. Am Ende muss sich jeder Spargelanbauer und jede Spargelanbauerin laut Rolf Meinhardt die Frage stellen: „Will man sich mit den Leuten herumärgern oder mit dem Ernteroboter?“
Klar wurde bei den Präsentationen: So leicht wird die Entscheidung für und gegen den Roboter nicht. Ein intensives Auseinandersetzen mit der Thematik und bei der Entscheidung für einen der Ernteroboter mit dessen Technik und Erfordernissen ist unerlässlich.
Spargel-Ernteroboter: Die Entwicklungen gehen weiter
Die Entwicklungen gehen bei den Spargel-Ernterobotern immer weiter:
Die Spargel-Ernteroboter von AvL motion und Lommers erreichen jetzt schon wieder eine schneller Fahrtgeschwindigkeiten.
Prefiro zeigt auf der expoSE 2026 eine leichtere Version des Spargelroboters, der über einen Traktor angetrieben wird. In der Saison 2026 war das Unternehmen bei 8 Betrieben im Testeinsatz.
Dabei wurden noch weitere Entwicklungen und Verbesserungen durchgeführt. Prefiro wird 2027 mit einem Mietmodel bei zehn Betrieben starten und mit der Maschine 2028 an den Markt gehen.
Sylektis hat zwei Maschinen: Eine Maschine für weißen Spargel und Grünspargel, wenn ein Umbau erfolgt. Eine Person kann mehrere Maschinen gleichzeitig bedienen.
Die Maschinen arbeiten komplett autonom. Eine andere Maschine, die über mehrere Reihen, Grünspargel ernten kann. Sylektis plant 20 Maschinen in den nächsten drei Jahre zu verkaufen.
„Die Maschinen werden besser, und irgendwann, ich denke mal in zehn Jahren, wenn wir uns wieder treffen, wird die Hälfte, garantiere ich, nicht mehr da sein, die andere Hälfte wird Maschinen haben.
Wenn man das mit den Löhnen akkurat sieht, dann sind wir dazu einfach gezwungen“, schließt Rolf Meinhardt.
Analysen, Video-Mitschnitt und Checkliste zur Ist-Situation und Wirtschaftlichkeitsberechnung
Wer den Spargel-Roboter-Treff verpasst hat, muss nicht leer ausgehen: Von der Veranstaltung wurde ein Videomitschnitt erstellt, der HIER für 75 € zzgl. MwSt. bestellt werden kann:
Neben dem Videomitschnitt sind in dem Gesamtpaket sind alle Präsentationen mit den Analysedaten sowie eine umfassende Checkliste zur Evaluierung der aktuellen Wirtschaftlichkeit im eigenen Spargelbetrieb erhältlich, um eine fundierte Ausgangsbasis für die Entscheidung für oder gegen einen Spargelroboter zu haben.

Foto © VSSE / Jürgen Rösner
Die Spargel-Ernteroboter auf der expoSE 2026
Auf der expoSE können sich Spargelproduzenten und Spargelproduzentinnen vom 18. bis 19. November 2026 in der Messe Karlsruhe mit den Herstellern der Spargel-Ernteroboter austauschen. Sie sind an folgenden Ständen zu finden:
- AvL Motion aus Westerbeek (Niederlande) in Halle 2, Stand N32
- Lommers Tuinbouwmachines aus Bergeijk (Niederlande) in Halle 1, Stand E22
- Prefiro aus Weingarten (Baden) in Halle 2, Stand M11
- Sylektis aus Sehr geehrter Herr Stevens,Sehr geehrter Herr Stevens,Leuville sur Orge (Frankreich) in Halle 2, Stand L08
Weitere Informationen.
Veröffentlichungsdatum: 27.10.2026

