BVE -Exportindikator 2026 Deutsche Ernährungsindustrie bleibt auf Auslandsmärkten robust
Die deutsche Ernährungsindustrie zeigt sich im internationalen Geschäft weiterhin bemerkenswert widerstandsfähig. Trotz geopolitischer Konflikte, zunehmender, mitunter tarifärer, Handelshemmnisse und anhaltend hoher, bürokratiebedingter Kosten bewerten die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Geschäftserwartungen mehrheitlich positiv.
Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle BVE-AFC-Exportindikator 2026, für den 418 Exportleiter und Geschäftsführer befragt wurden.
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Foto © BVE
„Die deutsche Ernährungsindustrie beweist auch in einem zunehmend unsicheren globalen Umfeld ihre Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Unsere Unternehmen erschließen neue Märkte, diversifizieren ihre Absatzstrukturen und reagieren flexibel auf geopolitische Veränderungen“, erklärt Olivier Kölsch, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).
„Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse aber auch, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland stark unter Druck steht und verlässliche politische Rahmenbedingungen wichtiger denn je sind“, so Olivier Kölsch.
Positive Grundstimmung mit deutlichen Unterschieden zwischen den Branchen
Die aktuelle Geschäftslage auf den Auslandsmärkten wird von den Unternehmen weiterhin überwiegend positiv bewertet.
Auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate bleiben trotz einer spürbaren Zurückhaltung im Vergleich zu den Vorjahren insgesamt leicht positiv.
Geopolitische Konflikte belasten wichtige Wachstumsmärkte
Die Ergebnisse des Exportindikators zeigen deutlich, dass geopolitische Spannungen zunehmend Einfluss auf die Exportperspektiven der Unternehmen haben. Besonders deutlich wird dies in den Golfstaaten.
Während die Region in den vergangenen Jahren als wichtiger Wachstumsmarkt galt, sind die Absatzerwartungen infolge des Iran-Konflikts massiv eingebrochen. Der Anteil der Unternehmen, die dort mit steigenden Absätzen rechnen, sank innerhalb eines Jahres von 18 Prozent auf lediglich 1 Prozent.
Auch die Erwartungen für den US-Markt haben sich deutlich verschlechtert. Die USA verzeichnen den niedrigsten Wert bei den Absatzerwartungen seit Beginn der Erhebung.
Damit verliert einer der wichtigsten Drittlandsmärkte der deutschen Ernährungsindustrie spürbar an Dynamik.
US-Zölle zeigen deutliche Auswirkungen auf deutsche Lebensmittelexporte
Die eingetrübten Erwartungen für den US-Markt spiegeln sich auch in den aktuellen Außenhandelszahlen wider.
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind die deutschen Lebensmittelexporte in die Vereinigten Staaten seit Einführung zusätzlicher US-Einfuhrzölle zum 7. August 2025 deutlich zurückgegangen.
So sank die durchschnittlich exportierte Menge deutscher Lebensmittel von 47.903 Tonnen pro Monat im Zeitraum März bis Juli 2025 auf 40.745 Tonnen pro Monat im Zeitraum August bis Dezember 2025. Dies entspricht einem Rückgang von 14,9 Prozent.
Auch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum August bis Dezember 2024 ergibt sich mit minus 14,2 Prozent ein ähnliches Bild.
Parallel dazu gingen die Exportwerte deutlich zurück. Die durchschnittlichen monatlichen Ausfuhren verringerten sich von 195,5 Millionen Euro vor Einführung der Zölle auf 171,2 Millionen Euro nach Inkrafttreten der Maßnahmen.
Das entspricht einem Rückgang von 12,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum liegt das Minus bei 12,2 Prozent.
Unternehmen reagieren mit stärkerer Diversifizierung
Die Studie zeigt, dass die Unternehmen auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren. Die Internationalisierungsstrategien werden breiter aufgestellt, neue Absatzmärkte gewinnen an Bedeutung.
Bereits 28 Prozent der Unternehmen haben ihr Länderportfolio innerhalb der vergangenen zwölf Monate erweitert.
Insgesamt exportieren 82 Prozent der befragten Unternehmen sowohl in EU- als auch in Nicht-EU-Märkte. Damit bleibt Diversifizierung ein zentrales Instrument zur Risikostreuung.
Die Erschließung neuer Märkte bleibt allerdings anspruchsvoll. So berichten die Unternehmen von steigenden Kosten und einem erhöhten Zeitbedarf für eine Markterschließung.
Das gilt sowohl innerhalb der EU als auch in Drittstaaten. Politische Unterstützungsangebote, wie bspw. im Rahmen der neuen Exportförderstrategie des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), helfen insbesondere KMUs dabei, die Kostenbelastungen für die Erschließung neuer Märkte zu reduzieren.
Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten unter Druck
Trotz der insgesamt robusten Exportentwicklung bewerten viele Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit kritischer als noch im Vorjahr.
Fast ein Viertel der Befragten sieht eine Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition, während lediglich zwölf Prozent eine Verbesserung feststellen.
Als Ursachen sind insbesondere hohe Energie- und Produktionskosten, steigende regulatorische Anforderungen, bürokratische Belastungen sowie zunehmende Unsicherheiten im internationalen Handel zu nennen.
Generell zählen politische, tarifäre und wirtschaftliche Krisen inzwischen zu den häufigsten Exporthindernissen.
Freihandelsabkommen schaffen neue Chancen
Vor diesem Hintergrund messen die Unternehmen Freihandelsabkommen eine hohe Bedeutung bei. Die Mehrheit der befragten Experten sieht in den derzeit verhandelten oder geplanten Abkommen erhebliche Potenziale für eine Ausweitung des internationalen Handels.
Besonders hohe Erwartungen bestehen an das Abkommen mit den Mercosur-Staaten.
Auch andere in den vergangenen fünf Jahren abgeschlossenen Freihandelsabkommen haben nach Einschätzung der Befragten bereits spürbar zum Wachstum des internationalen Handels beigetragen.
Die Ergebnisse unterstreichen damit die zentrale Bedeutung offener Märkte und verlässlicher Handelsbeziehungen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Ernährungsindustrie.
„Die Ergebnisse zeigen ein bemerkenswert differenziertes Bild: Die deutsche Ernährungsindustrie blickt trotz geopolitischer Krisen und zunehmender Unsicherheiten weiterhin mehrheitlich positiv auf ihr Exportgeschäft.
Gleichzeitig werden die Unterschiede zwischen einzelnen Märkten und Branchen größer“, so Anselm Elles, Geschäftsführender Gesellschafter bei der AFC Management Consulting GmbH.
„Erfolgreiche Exportstrategien basieren daher zunehmend auf Diversifizierung, einer sorgfältigen Risikobewertung und der Fähigkeit, sich schnell auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen“, so Anselm Elles.

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Quelle: BVE
Veröffentlichungsdatum: 17.06.2026

