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„Trumps Agrarpolitik ist kläglich gescheitert“

07. Januar 2026

Donald Trump stellt seine Handelszölle gerne als Gewinnbringer für amerikanische Landwirte dar. Mehr Druck auf Handelspartner würde zu besseren Abkommen und somit zu höheren Exporten und Einkommen führen.

Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Der Agrarökonom Roel Jongeneel (WUR) gibt Trumps Politik eine glatte Sechs, berichtet das Flämische Infozentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (VILT).

In der niederländischen Fachzeitschrift „Boerderij“ analysiert Jongeneel die Zahlen. Er zeigt, dass Trump sein Versprechen nicht hält. Im Gegenteil: Er untergräbt das Ziel eindeutig – eine starke Exportposition. Dies birgt Risiken für Landwirte und Steuerzahler gleichermaßen.

2024 exportierten die USA Agrarprodukte im Wert von 174,4 Milliarden USD. Das klingt beeindruckend, doch die Importe waren sogar noch höher: 213 Milliarden USD. Die Differenz zwischen diesen beiden Beträgen ist das Agrarhandelsdefizit, das sich auf fast 40 Milliarden USD beläuft. 

Für einen großen Agrarproduzenten ist dies ein Misserfolg: es zeigt, dass das Land zu stark von Importen aus anderen Ländern abhängig ist, während es diese Lücke nicht durch Eigenproduktion schließen kann, von der wiederum andere Länder abhängig sind.

Notfallmaßnahme: zusätzliche Unterstützung

Trumps Zollpolitik gefährdet die ohnehin schon fragile Exportlage zusätzlich. Dies gilt insbesondere für Sojabohnen, die etwa ein Drittel der amerikanischen Landwirtschaft ausmachen. 

Sobald Trump seine Machtposition ausspielt, wird China keine amerikanischen Sojabohnen mehr abnehmen wollen, was die USA schlagartig zu einem schwachen Akteur macht.

Das sind keine guten Nachrichten für amerikanische Landwirte, denn wenn sie Schwierigkeiten haben, dieses lebenswichtige Produkt zu verkaufen, steigt der Preisdruck. Und damit auch der Einkommensdruck in den landwirtschaftlichen Betrieben. 

Dieser Effekt spiegelt sich in der folgenden Notmaßnahme wider: zusätzliche Unterstützung. Im Dezember wurden zusätzliche Hilfen in Höhe von 12 Milliarden USD bewilligt. 

Jongeneel sieht diese Unterstützung als Teil eines Trends, der in den USA bereits unter den Demokraten zu beobachten war: wenn die Preise niedrig sind oder Marktprobleme auftreten, steigen die staatlichen Ausgaben. 

In den letzten 20 Jahren lagen die Agrarausgaben durchschnittlich bei rund 15 Milliarden USD pro Jahr, aber das kann in Krisenzeiten schnell in die Höhe steigen. In dem Jahr 2020 beispielsweise verdreifachten sich die Agrarausgaben innerhalb eines einzigen Jahres. 

Laut Jongeneel liegt die Gefahr in der Kombination aus Handelspolitiken, die Märkte destabilisieren, und einem System, das dann versucht, den Schaden mit öffentlichen Geldern abzumildern. Dies macht Landwirte von politischen Entscheidungen abhängig, erhöht die Unsicherheit und wälzt die Kosten auf die Steuerzahler ab.
 
Diese Unsicherheit wird dadurch verschärft, dass das Landwirtschaftsgesetz (Farm Bill) von 2018 nach einem Zahlungsstopp um ein Jahr verlängert wurde. 

Die Agrarreform, die das Handelsdefizit in dem Agrarsektor durch ein neues, langfristiges Landwirtschaftsgesetz verringern sollte, hätte längst umgesetzt werden müssen. Trump versäumte dies, während Joe Biden erst mit der Umsetzung begann, nachdem Obama auch alles vermasselt hatte. 

Obwohl einige amerikanische Landwirte Trump immer noch unterstützen, erwartet Jongeneel, dass die eigentliche Abrechnung erst später kommt, möglicherweise 2026 als ein Jahr der Wahrheit.


Source: Vilt.be

 

Veröffentlichungsdatum: 07.01.2026

Schlagwörter

Trump, Agrarpolitik