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Weniger Gemüse verschwenden - vom Acker bis zum Teller

15. Mai 2020

Künftig weniger Gemüse wegwerfen und dabei zugleich beim Anbau weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel einsetzen: Das sind die Ziele des Projekts „Reduktion der Stickstoffemissionen im Gemüseanbau durch Reduzierung der Düngung und der Lebensmittelverluste in der Wertschöpfungskette“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen gehört neben der Hochschule Osnabrück, mehreren Gemüsebaubetrieben und der Lebensmittelhandelskette Edeka Minden-Hannover zu den Projektpartnerinnen und -partnern.

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Verbraucher*innen sind häufig an Gemüse-Qualitäten des Handels gewöhnt, die auf sehr viel strengeren als den staatlich vorgegebenen Qualitätskriterien beruhen. So manche schmackhafte Blumenkohl- oder Brokkoli-Pflanze schafft es daher nicht bis in die Ladentheke. Genau das will die Landwirtschaftskammer Niedersachsen als Partnerin eines großen Gemüseanbau-Projekts ändern. Foto © Pixabay.com

Landwirtschaftskammer Niedersachsen Partnerin bei Projekt zur Rettung von Lebensmitteln und zur Verbesserung der Düngeeffizienz im Freilandanbau.

Zwischen der landwirtschaftlichen Urproduktion und den Verbraucherinnen und Verbrauchern liegt eine hochmoderne und engmaschig kontrollierte Wertschöpfungskette mit vielen Akteuren. Am Ende der Kette findet ein Wettbewerb zwischen den Einzelhandelsunternehmen statt, die versuchen, die Kundschaft mit ihren Angeboten zu überzeugen.

Inzwischen sind Kundinnen und Kunden an Qualitäten gewöhnt, die auf sehr viel strengeren als den staatlich vorgegebenen Qualitätskriterien beruhen. Der Handel stellt laut DBU zusätzliche Anforderungen zum Beispiel hinsichtlich Größe, Gewicht und Farbe des Gemüses auf.

So mancher Blumenkohl oder Kohlrabi schafft es daher nicht bis in die Ladentheke. Die strenge Auswahl führt dazu, dass ein Teil der genießbaren Ernte gar nicht erst geerntet oder später beim Sortieren weggeschmissen wird. Der bereits gegebene Dünger für dieses Gemüse war nicht nur umsonst, sondern verbleibt in der Pflanze auf dem Acker und führt in der Folge zu Stickstoffverlusten.

Verluste entlang der Lieferkette verringern

„Eine große Chance für das Verringern von Lebensmittelabfällen und Stickstoffeinsatz im Freilandgemüseanbau liegt bei vermeidbaren Verlusten entlang der Kette", erklärt Dr. Hendrik Führs, bei der LWK Leiter des Fachbereichs Beratung und Qualitätsmanagement im Gartenbau. Würden staatliche Standards angelegt, ließen sich viele Lebensmittel retten – mit Vorteilen für Produktion, Handel und Kundschaft.

In dem Projekt, das die DBU mit knapp 500.000 Euro fördert, soll jetzt ein Umdenken im Freilandgemüseanbau angestoßen werden. Die Verschwendung von Lebensmitteln soll eingedämmt werden – mit der Folge, dass gleichzeitig Produktionsmittel wie Düngemittel und Pflanzenschutzmittel eingespart werden.

„Frisch“ aussehende Blätter am Kohlrabi mindern Qualität

„Traditionell wird Kohlrabi in Deutschland mit frischen, senkrecht stehenden Blättern angeboten", nennt LWK-Gemüsebauexperte Führs ein Beispiel. „Damit die Blätter schön aussehen, müssen gegebenenfalls zusätzliche Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt werden und es muss vor der Ernte zusätzlich gedüngt werden. Dieses Vorgehen steigert die Qualität des Kohlrabis aber nicht, sondern senkt sie sogar." Das Laub werteten viele Verbraucherinnen und Verbraucher fälschlicherweise als Indikator für besondere Frische der Knolle – in Wahrheit trage das Laub sogar zu einem schnelleren Frischeverlust der Knolle bei.

Ein Verkauf ohne die grünen Blätter, die in der Küche zumeist gar nicht verarbeitet würden, könne eine umweltgerechtere und ressourcenschonendere Produktion ermöglichen, betont Führs und nennt ein weiteres Beispiel für Verbesserungen: „Bei Brokkoli oder Salaten wird vom Markt ein Mindestgewicht verlangt – der zunehmende Anteil von Ein- oder Zweipersonenhaushalten böte aber auch leichteren Exemplaren gute Vermarktungschancen.“

Anforderungen ganzheitlich anpassen

Die Projektpartnerinnen und -partner untersuchen zwei Aspekte anhand der Gemüsearten Kohlrabi, Brokkoli, Salat und Blumenkohl: Zum einen wird die Vermarktung des Gemüses nach staatlichen Qualitätsstandards erprobt und wissenschaftlich begleitet. Die Frage ist, inwieweit sich die Gewohnheiten der Verbraucher ändern lassen, wenn sie über die Konsequenzen höherer Standards informiert werden und gleichzeitig gezeigt bekommen, dass staatliche Qualitätskriterien ebenfalls gesundes und essbares Gemüse bedeuten. Sie haben keine Nachteile und können gleichzeitig beim Einkaufen etwas für die Umwelt tun.

Zum anderen wird in Feldversuchen zum Beispiel geprüft, auf wie viel Stickstoffdünger verzichtet werden kann, um weiterhin den staatlichen Anforderungen zu genügen und gleichzeitig die Akzeptanz der Verbraucher*innen zu erhalten. Führs beschreibt: „Durch die Aufnahme von Daten zur Produktion und Ernte auf dem Feld und im Betrieb wollen wir ermitteln, wie viel Abfall eingespart werden kann."
Verbraucherverhalten untersuchen

Das geplante Vorgehen könnte im Einzelhandel eine veränderte Aufmachung der Produkte zur Folge haben. In dem Projekt wird daher auch ermittelt, inwieweit die Kundinnen und Kunden die neue Aufmachung annehmen und wie insgesamt ein Umdenken gefördert werden kann. „Werden die Lösungsansätze erfolgreich umgesetzt, kann das weitreichende Systemänderungen im Freilandgemüseanbau anstoßen und auf mehreren Ebenen der Umwelt zugutekommen", betont DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Veröffentlichungsdatum: 15.05.2020

Schlagwörter

Weniger, gemüse, Verschwenden, Acker, Teller