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VSSE-Umfrage: Haben Erdbeeren und Beeren aus Deutschland noch eine Zukunft?

28. Juli 2026

Der aktuelle Brandbrief der Bundesfachgruppe Obstbau wirft eine Frage auf, die auch die Umfrage-Ergebnisse des Netzwerkes der Spargel- und Beerenverbände e.V. (VSSE) zur diesjährigen Erdbeersaison nahelegen: „Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?“


Foto © VSSE / Christoph Göckel

Laut der Bundesfachgruppe Obstbau gibt alle zwei Tage ein Obstbauer in Deutschland seinen Anbau auf. In dem Brandbrief heißt es:  ‚Die deutschen Obstbaubetriebe produzieren unter höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards. 

Sie investieren seit Jahren in Biodiversität, Wasser- und Klimaschutz sowie moderne und Ressourcen schonende Produktionsverfahren. 


Foto © VSSE / Jürgen Rösner

 

Sie sichern Arbeitsplätze, erhalten Kulturlandschaften und sorgen für kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung. 


Foto © VSSE / Jürgen Rösner

Gleichzeitig werden die Rahmenbedingungen immer schwieriger. Produktionskosten und insbesondere die Löhne steigen massiv an. Sonderregelungen für arbeitsintensive Sonderkulturen fehlen. 


Foto © VSSE / Jürgen Rösner

Wer heute einen Obstbaubetrieb führt, muss längst nicht mehr nur mit Wetterextremen umgehen können, sondern auch mit politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die immer häufiger gegen ihn arbeiten.‘


Foto © VSSE / Jürgen Rösner

Nachfolge für 48 Prozent der Erdbeer- und Spargelbetriebe ungewiss

„Die extreme Hitze hat in diesem Jahr viele Erdbeererzeuger dazu gezwungen, früher als beabsichtigt die Erdbeerernte zu beenden.

Zu hoch waren die körperliche Belastung für die Erntehelfer und Erntehelferinnen, die Ernteausfälle und mindere Erdbeer-Qualitäten, die ein Weitermachen unmöglich werden ließen. 

Doch noch schlimmer waren die hohen Produktionskosten, der starke Preisdruck und die vielen bürokratischen Auflagen“, so VSSE.


Foto © VSSE / Christoph Göckel

„Die Ergebnisse der Umfrage des Netzwerkes der Spargel- und Beerenverbände e.V., an der vom 4. bis 24. Juli 2026 über 200 Erdbeer- und Spargelerzeuger teilnahmen, sind alarmierend“ :

  • 48 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Fortführung ihres Betriebes ungewiss sei. 
  • 8 Prozent planen den Erdbeer- und den Spargelanbau in den kommenden 1 – 3 Jahren einzustellen. 
  • Nur 38 Prozent der Erzeuger gaben an, dass die Fortführung des Betriebs langfristig gesichert sei.


Infografik © VSSE

„Wir sind angesichts dieser Ergebnisse, obwohl wir an sich gut über die Branche informiert sind, stark beunruhigt.“ 

„Jeder 12. Betrieb will in den nächsten 1- 3 Jahren den Anbau aufhören. Bei knapp der Hälfte der Spargel- und Erdbeerbetriebe ist die Zukunft aufgrund mangelnder Rentabilität und bzw. oder der ungeklärten Nachfolge ungewiss.“ 

„Das bringt den Produktionsstandort Deutschland und mit ihm die Versorgungssicherheit ins Wanken. Doch die Situation ist nicht nur für Erdbeeren äußerst kritisch, sondern für den ganzen Obstbau in Deutschland.

Die europaweiten großen hitzebedingten Ertragsausfälle zeigen deutlich, dass gute Ernten keine Selbstverständlichkeit sind“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandsmitglied von Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V. 

Preise decken gestiegene Produktionskosten nicht

Im Grunde sind die Ergebnisse nicht überraschend: Von Jahr zu Jahr steigen die Produktionskosten, aber die Verbraucherpreise kaum. 

Die Durchschnittspreise über alle Vermarktungswege für inländisch produzierte Erdbeeren lagen über weite Strecken hinweg sogar unter denen des Vorjahres. 

Laut AMI lag der Durchschnittspreis für Erdbeeren aus Deutschland im ersten Halbjahr in Discountern sogar noch unter dem des Vorjahres, während er im Lebensmittelhandel im selben Zeitraum geringfügig höher lag. 


Foto © VSSE / Christoph Göckel

„Vor Pfingsten gab es ohne Erdbeermenge – Diese waren gesucht – eine Preisaktion von 2,49 € pro Schale heimische Erdbeeren in den Discountmärkten.“   

„Laut der Umfrage-Ergebnisse sind 62 Prozent der Erdbeererzeuger davon überzeugt, dass der Discount Aktionen dieser Art durchführt, um Kunden und Kundinnen in die Läden zu locken, um dann bei fehlender deutscher Ware vor allem Importerdbeeren zu verkaufen. 

72 Prozent gaben an, dass auf diese Weise die Preise auf allen Verkaufsebenen gedrückt würden, da der Discount die Preisführerschaft herstellen müsse. 

Rund 49 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass sie dadurch auch gezwungen sind, die Preise in der Direktvermarktung zu senken.“ 


Angaben in Anzahl der Betriebe. (Infografik © VSSE)

68 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Erdbeererzeuger gab an, dass sich die gestiegenen Produktionskosten spürbar negativ auf ihren Betrieb auswirken. 

Mehr als 17 Prozent sehen darin sogar eine Existenzbedrohung für ihren Betrieb. 

Folglich werden rund 13 Prozent der Erdbeererzeuger für die kommende Saison ihre Anbaufläche drastisch reduzieren, 31 Prozent werden sie leicht reduzieren, rund 44 Prozent werden ihre Anbaufläche beibehalten, und 11 Prozent werden die Anbaufläche etwas erweitern.


Angaben in Anzahl der Betriebe. (Infografik © VSSE)

36 Prozent der in der Hauptsaison gekauften Erdbeeren sind Importware

Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) kauften die privaten Haushalte in der Erdbeerhauptsaison leicht mehr importierte Erdbeeren als im Vorjahr*: Eine AMI-Analyse auf Basis des Haushaltspanels von YouGov CP Germany zeigt, dass von den Erdbeerkäufen privater Haushalte in Deutschland im Zeitraum Kalenderwoche 16 bis Kalenderwoche 26 in diesem Jahr rund 64 Prozent auf deutsche Ware und entsprechend 36 Prozent auf Importe entfielen. Im Vorjahr waren im selben Zeitraum 65 Prozent deutsche Ware und 35 Prozent Importe.

*In diesen Zahlen nicht enthalten sind Erdbeeren, die z. B. für die Gastronomie gekauft wurden.


Foto © VSSE / Jürgen Rösner

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen verbessern

Da die Arbeitskosten im Obstbau bis zu 60 Prozent der gesamten Produktionskosten ausmachen, die seit 2021 um mehr als 46 Prozent gestiegen sind, bittet die Bundesfachgruppe Obstbau die Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Landtage sich für folgende Maßnahmen einzusetzen, um die Produktion von Obstbau wieder wettbewerbsfähig zu machen: 

Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Saisonarbeitskräfte schaffen: 20 Prozent Abschlag auf Mindestbruttostundenlohn bei gleichzeitiger Untergrenze von 13,90 Euro je Stunde

Zugang zu Saisonarbeitskräften sichern: praktikable, rechtssichere und unbürokratische Rekrutierungsverfahren für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten 

Rechtssicherheit schaffen: eindeutige gesetzliche Regelungen bei kurzfristigen Beschäftigungen

Eine Frage der Versorgungssicherheit

„Wenn Sie die Frage „Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?“ mit Ja beantworten, teilen Sie bitte diesen Brandbrief und greifen Sie beim nächsten Einkauf zu Obst aus Deutschland, am besten aus Ihrer Region.“
 

Quelle: VSSE

Veröffentlichungsdatum: 28.07.2026

Schlagwörter

VSSE, Umfrage, Zukunft, Erdbeeren, Beeren