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Niederlande: Nahost-Konflikt birgt ernste Risiken

22. Mai 2026

Die anhaltende Krise im Nahen Osten sorgt für zunehmende Unsicherheit in dem niederländischen Gartenbausektor, insbesondere aufgrund der Verfügbarkeit von Betriebsmitteln und der anhaltend hohen Gaspreise, wie der Ungarisch Fachverband Obst und Gemüse (FruitVeB) berichtet.


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Bei einem Treffen vor kurzem mit dem niederländischen Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung warnten Wirtschaftsverbände und Akteure der Lieferkette davor, dass die Versorgung mit Rohstoffen, die aus dem Nahen Osten stammen oder diesen auf dem Transportweg durchqueren, massiv gestört werden könnte. 

Einer Analyse von der Universität Wageningen und der Rabobank zufolge ist der niederländische Gartenbausektor besonders anfällig für Preis- und Versorgungsstörungen bei Düngemitteln, Verpackungsmaterialien und Pflanzenschutzmitteln, da ein erheblicher Teil dieser Güter aus dem Nahen Osten bezogen wird.

Die Lage auf dem Gasmarkt ist derzeit relativ stabil und viele der führenden Betriebe beziehen ihre Energie nach wie vor über Festpreisverträge, was den Kostenanstieg kurzfristig abfedert. 


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Dennoch sind die durchschnittlichen Energiekosten für die Gewächshausproduktion bereits um rund 2,8 % gestiegen. 

Die tatsächlichen Auswirkungen des Problems werden erst dann zu spüren sein, wenn die aktuellen Verträge auslaufen – in vielen Fällen Ende 2026 oder 2027 – und die Erzeuger gezwungen sein werden, ihre Energieversorgung zu höheren Preisen neu zu verhandeln.

Investitionen in die Energieeffizienz aus früheren Jahren, wie etwa Geothermieanlagen und die Nutzung von Abwärme, gleichen den Preisanstieg jedoch teilweise wieder aus.

Für Betriebe, die nicht auf nachhaltigere Energiequellen umsteigen können, stellen die hohen Gaspreise ein ernstes Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit dar. 

Glastuinbouw Nederland prüft daher derzeit, welche Ausgleichsmöglichkeiten im Rahmen des neuen EU-Beihilfepakets bestehen, ein Anliegen, für das sich der Verband in Brüssel aktiv einsetzt.

Auch die Wirtschaftlichkeit von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK-Anlagen) wird unter Druck geraten, sollten die Gaspreise dauerhaft auf hohem Niveau verharren. 

Dies betrifft nicht nur die Gewächshausproduktion von Obst, Gemüse und Zierpflanzen in Nordwesteuropa, sondern auch die Stabilität des niederländischen Stromnetzes. 

KWK-Anlagen decken mehr als 8 % des niederländischen Strombedarfs ab, indem sie Strom in das Netz einspeisen, insbesondere in Zeiten, in denen die Erzeugung aus wetterabhängigen erneuerbaren Energiequellen gering ausfällt.

Die steigenden Energiekosten gefährden somit auch das Gleichgewicht des Stromnetzes.

Das Ministerium sieht zwar keine unmittelbare Bedrohung für die Lebensmittelversorgung, die Supermärkte rechnen jedoch bereits mit deutlichen Preissteigerungen in der zweiten Jahreshälfte. 

Der Preisanstieg bei Gewächshausgemüse dürfte voraussichtlich moderater ausfallen als auf dem Markt für Massenwaren, die Rentabilität der Erzeuger verschlechtert sich jedoch weltweit, was Investitionen und Produktionsmengen dämpfen könnte. 

Die Versorgungssicherheit stellt für niederländische Verbraucher derzeit kein Problem dar, die Erschwinglichkeit von Lebensmitteln für besonders schutzbedürftige soziale Gruppen erfordert jedoch verstärkte Aufmerksamkeit. 

In anderen Teilen der Welt steigt hingegen das Risiko von Versorgungsunterbrechungen signifikant an. Selbst wenn der Konflikt im Nahen Osten rasch beigelegt würde, blieben die wirtschaftlichen Auswirkungen und der Preisdruck noch für mindestens 2 Jahre bestehen. 

Der niederländische Gartenbausektor konzentriert sich daher weiterhin auf die Energiewende, die Sicherheit der Lieferketten sowie die Steigerung der Widerstandsfähigkeit des gesamten Systems.


Quelle: FruitVeN.hu

 

Veröffentlichungsdatum: 22.05.2026

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Niederlande, Nahost Konflikt, Risiken, Gartenbausektor