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Bundesfachgruppe Obstbau Kampagne "Ein Fünftel ist nicht genug" - Obstbauern gehen an die Öffentlichkeit

08. Oktober 2026

Fünf Obstkisten. Eine ist voll. Vier bleiben leer. „Mehr braucht es eigentlich nicht, um zu zeigen, was im deutschen Obstbau schiefläuft“, so die Bundesfachgruppe Obstbau.

„Nur noch rund ein Fünftel des Obstes, das in Deutschland gegessen wird, stammt aus heimischem Anbau. Und wenn sich an den wirtschaftlichen Bedingungen nichts ändert, könnte es bald noch weniger sein.“


Foto © Bundesfachgruppe Obstbau

Deshalb gehen Deutschlands Obstbauern zum Erntedank an die Öffentlichkeit.

Am 8. Oktober und rund um diesen Termin finden in Berlin und zahlreichen Regionen Deutschlands Aktionen der Bundesfachgruppe Obstbau und ihrer Landesverbände statt. 

Überall dasselbe Bild: Fünf Obstkisten, vier leer, eine gefüllt. An den Ständen stehen Obstbäuerinnen und Obstbauern mit ihren Familien Rede und Antwort. 

Sie berichten, was steigende Kosten und wachsender Wettbe-werbsdruck für ihre Betriebe bedeuten.

Hohe Standards in Deutschland – aber kein fairer Wettbewerb

Deutsche Obstbaubetriebe produzieren nach hohen Umwelt-, Sozial- und Qualitätsstandards. Sie zah-len deutsche Löhne und tragen deutsche Energie-, Investitions- und Produktionskosten. 

Gleichzeitig konkurrieren sie mit Obstanbietern aus Ländern, in denen unter deutlich anderen Kostenbedingungen produziert wird.

„Das ist kein fairer Wettbewerb“

Die arbeitsintensiven Kulturen sind besonders hart betroffen: Äpfel pflücken, Erdbeeren ernten, Kirschen lesen, Bäume schneiden, Früchte sortieren – vieles davon lässt sich nicht automatisieren.

Steigende Arbeitskosten schlagen deshalb unmittelbar durch. Faire Bezahlung steht dabei nicht zur Debatte.

Die hohen Produktionsstandards in Deutschland dürfen nicht dazu führen, dass ausgerechnet die hei-mische Produktion aus dem Markt gedrängt wird.

Viel wurde versprochen – jetzt geht es um die Umsetzung

Die Bundesfachgruppe Obstbau hat in den vergangenen Wochen mit zahlreichen Bundestagsabge-ordneten gesprochen. 

Über Parteigrenzen hinweg wurde Unterstützung für den heimischen Obstbau signalisiert. 

Auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung nennt ausdrücklich das Ziel, den Selbst-versorgungsgrad bei Obst und Gemüse zu erhöhen. 

Diese Versprechen allein helfen den Obstbäue-rinnen und Obstbauern aber nicht.

Nun kommt es darauf an, dass aus den politischen Absichtserklärungen konkrete Verbesserungen für die Betriebe hervorgehen.

Die Bundesfachgruppe Obstbau hat deshalb gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband, dem Zentralverband Gartenbau, dem Deutschen Raiffeisenverband und anderen Verbänden der grünen Branche der Politik ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen. 

Entlastungen für die Obstbaubetriebe wür-den unter anderem Sonderregelungen beim Mindestlohn für Saisonarbeit, steuerliche Entlastungen für besonders arbeitsintensive Betriebe, eine Risikoausgleichsrücklage, praxistaugliche Regelungen für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten sowie mehr Rechtssicherheit bei der sozialversicherungsfreien Beschäftigung bringen.

Entscheidend ist: Die Entlastung muss spürbar sein, schnell wirken und bei den Betrieben ankommen.

Regionalität braucht Obstbauern

Deutschland redet viel über Regionalität, Nachhaltigkeit, kurze Wege und Versorgungssicherheit. Aber Regionalität darf kein Wort für Sonntagsreden bleiben.

Wer heimisches Obst will, muss auch dafür sorgen, dass es hier wirtschaftlich erzeugt werden kann. Wenn ein Obstbaubetrieb aufgibt, verschwinden Arbeitsplätze, Fachwissen, regionale Wertschöpfung und über Generationen gewachsene Strukturen. 

Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von Importen. Denn eine gerodete Obstanlage ist im nächsten Frühjahr nicht wieder da.

Deshalb stellt die Bundesfachgruppe Obstbau mit ihrer Aktion eine einfache Frage:

„Wollen wir überhaupt noch heimisches Obst?“

„Wenn die Antwort „Ja“ lautet, muss dieses „Ja“ Konsequenzen haben.

Faire Löhne, hohe Standards und ein wirtschaftlich tragfähiger Obstbau müssen gleichzeitig möglich sein.“

Veröffentlichungsdatum: 08.10.2026

Schlagwörter

Bundesfachgruppe Obstbau, Kampagne "Ein Fünftel ist nicht genug", Obstbauern