Deutscher Discounter sichert mit strategischem Klimaplan Spitze in Europas Nachhaltigkeitsrennen
Die deutsche Einzelhandelskette Lidl hat sich im Leistungsvergleich Superlist Umwelt Europa in vier Ländern als Vorreiter für Nachhaltigkeit durchgesetzt, auch in Deutschland.
Mit einem detaillierten Fahrplan zur Emissionsreduktion liefert der Discounter als einziger hiesiger Händler operative Transparenz und Verlässlichkeit.
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Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt im Ausbau der Proteinvielfalt im Einkaufskorb, dem größten Hebel von Supermärkten, um ihre Gesamtemissionen zu senken, berichtet ProVeg.
Im Vergleich zum nationalen Ranking Superlist Umwelt Deutschland konnte Rewe dank Klimaplan und Proteinausbau Aldi Süd überholen.
Indes steigen die Emissionen vieler Händler.
Dies offenbart, dass die freiwilligen Bemühungen einzelner Marktteilnehmer nicht ausreichend greifen, und signalisiert die Dringlichkeit branchenweiter Ziele.
Der deutsche Discounter Lidl zählt neben Konkurrent Aldi Süd und Vollsortimenter Rewe zu den fünf nachhaltigsten Lebensmitteleinzelhändlern Europas, so das Ergebnis des heute veröffentlichten Leistungsvergleichs Superlist Umwelt Europa.
Die Initiative unter Leitung der niederländischen Denkfabrik Questionmark in Zusammenarbeit mit den zivilgesellschaftlichen Partnern WWF Niederlande, Madre Brava und ProVeg International sowie dem Botschafter Physicians Association for Nutrition (PAN DACH) folgt auf das nationale Ranking Superlist Umwelt Deutschland.
Die Analyse hat 27 Händler in acht nationalen Märkten verglichen und deren Leistungen in zwei Kernbereichen betrachtet: Übereinstimmungen mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens und Anstrengungen, einen höheren Anteil pflanzlicher Lebensmittel zu verkaufen.
Eine wohl balancierte Proteinvielfalt trägt entscheidend zur Nachhaltigkeit bei, da die Produktion tierischer Proteine ein Haupttreiber der Treibhausgas-Emissionen ist.1 2 3
Laut einem Bericht von McKinsey und EuroCommerce gehen rund die Hälfte der Lieferkettenemissionen (Scope 3) europäischer Supermärkte auf tierische Produkte zurück.4
Bis auf Aldi Nord haben alle untersuchten deutschen Händler kurzfristige Ziele für Emissionen aus der Lieferkette gesetzt.
Einzig Lidl hat jedoch einen detaillierten Fahrplan veröffentlicht, der neben kurz- und langfristigen Zielen für 2035 und 2050 auch die erwarteten Emissionsreduktionen je Lebensmittelkategorie aufzeigt.5
Nur sieben europäische Supermärkte haben bislang einen solchen Plan aufgestellt. Nicht allein in Deutschland, sondern in allen vier Märkten, in denen Lidl bewertet wurde, erzielte der Händler dank seiner Ambitionen eine hohe Einordnung.
Rewe überholt Aldi Süd
Zusammen mit den niederländischen Supermärkten Albert Heijn und Jumbo geben die deutschen Vorreiter das Tempo für Nachhaltigkeitsbestrebungen in Europa vor, vorrangig durch ihre Ambition, das aktuelle Verhältnis zwischen pflanzlichen und tierischen Verkaufsmengen umzukehren.
Lidl hat sich der Proteinvielfalt am stärksten verpflichtet, Rewe und Aldi Süd ziehen in ersten Schritten nach, Aldi Süd hat sich außerdem für die Entwicklung eines branchenweiten Proteinziels ausgesprochen.6 7 8 Seit dem nationalen Vergleich von 2025 hat Vollsortimenter Rewe bereits signifikante Fortschritte erzielt und Konkurrent Aldi Süd im Ranking überholt.
Dies gelang dank kombinierter Anstrengungen im Klimaschutz und bei der Proteinvielfalt. Edeka, Kaufland und Aldi Nord hinken bei den Nachhaltigkeitsleistungen noch hinterher.
Initiativen der Händler offenbaren Marktgrenzen
Viele europäische Händler verzeichnen einen Anstieg der Gesamtemissionen, was offenbart, dass die bisherigen Nachhaltigkeitsleistungen des Lebensmitteleinzelhandels noch allzu oft an ihre Grenzen stoßen.
Nur fünf der 27 untersuchten Supermärkte, darunter Kaufland und Rewe, haben es geschafft, ihre Emissionen zu senken.
Aldi Nord arbeitet als einziger deutscher Einzelhändler noch ohne ein Netto-Null-Ziel. Europaweit lässt bislang jeder dritte Supermarkt Maßnahmen vermissen, um seine Proteinverkäufe an Mensch und Planet auszurichten.
Eine inkonsistente Berichterstattung erschwert die Bewertung des Gesamtfortschritts der Branche.
Effektiv durch Unterstützung von Lieferanten
Die Niederlande stehen im Einzelvergleich nationaler Filialen und im gebündelten Vergleich nach Einzelhandelsketten an der Spitze. Das Nachbarland zeigt damit die Wirksamkeit branchenweiter Ziele für einen hohen pflanzlichen Proteinanteil, der Nachhaltigkeit und Gesundheit fördert.
In Deutschland unterstützen Lidl und Rewe wiederum wirkungsvoll ihre Lieferanten: Discounter Lidl zahlt Milchlieferanten, die nachhaltige Praktiken umsetzen, einen Aufschlag. Vollsortimenter Rewe unterstützt die Lieferanten seiner Eigenmarken-Produkte mit einem Klimaschutzfonds-Programm. Um die finanziellen Mittel zu erhalten, müssen die Lieferanten quantifizierte und dauerhafte Ziele zur Emissionssenkung vorlegen.
Stimmen der beteiligten Organisationen
„Supermärkte haben die strategische Kraft, ein klimafreundliches und gesünderes Ernährungssystem zu gestalten. Trotz einiger Vorreiter versäumt es die Branche bislang, ihre volle Markthebelwirkung zu entfalten. Dieser Bericht identifiziert Best Practices und benennt konkrete Handlungsschritte für jeden Händler wie die Veröffentlichung kurzfristiger Reduktionsziele und detaillierter Aktionspläne, aber auch die Neugewichtung der Verkäufe zugunsten pflanzlicher Proteine.“
Charlotte Linnebank, Direktorin von Questionmark
„Wer im europäischen Einzelhandel zukunftsfähig sein will, muss Nachhaltigkeit als harten Wettbewerbsfaktor begreifen. Die Vorreiter aus Deutschland und den Niederlanden zeigen: Strategische, messbare Klimaziele sichern Handelsketten langfristig eine starke Marktposition.“
Florian Wall, Associate Director Germany bei Madre Brava
„Um echte Nachhaltigkeit und damit auch die Gesundheit der Menschen zu fördern, muss der deutsche Handel die Zusammenarbeit stärken. Entscheidend sind die gezielte finanzielle Unterstützung der Lieferketten und gemeinsame, messbare Verpflichtungen.“
Niklas Oppenrieder, Vorstand PAN Regional Office DACH

„Proteinvielfalt ist das wirksamste Klimainstrument der Händler. Die Messung und der Ausbau des pflanzlichen Angebots sind essenziell, um nachhaltige Ernährungsmuster zu etablieren. Diese große Verantwortung des Handels birgt die Chance, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftlich vom Ausbau des pflanzlichen Angebots zu profitieren.“
Dirk Liebenberg, Leitung Corporate Engagement Deutschland bei ProVeg International
- Rockström, J., S. H. Thilsted, W. C. Willett et al. (2025): The EAT–Lancet Commission on healthy, sustainable, and just food systems, The Lancet 406(10512), S. 1625–1700. Online hier.
- Xu, X., P. Sharma et al. (2021): Global greenhouse gas emissions from animal-based foods are twice those of plant-based foods, Nature Food 2(9), S. 724–732. Online hier.
- Poore, J. & T. Nemecek (2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers, Science 360(6392), S. 987–992. Online hier.
- McKinsey & EuroCommerce (2023): Living with and responding to uncertainty – The State of Grocery Retail 2023, Europe, veröffentlicht im April 2023. Online hier.
- Lidl in Deutschland: Proteinstrategie. Online hier.
- Lidl in Deutschland: Proteinstrategie. Online hier.
- Rewe Group (2025): Proteinstrategie der REWE Group, veröffentlicht im Juli 2025. Online hier.
- Aldi Süd (2025): Ausgerechnet Discounter: Aldi Süd optimiert Zucker- und Salzgehalte und stellt mehr pflanzliche Lebensmittel ins Regal, Pressemitteilung vom 15.09.2025. Online
Quelle: ProVeg
Veröffentlichungsdatum: 02.02.2026

