Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Belgien: Waste Warriors fordert Supermärkte zur Aufgabe der Schönheitsstandards für O+G auf

04. September 2026

Die Organisation Waste Warriors, die sich der Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung widmet, fordert Supermärkte dazu auf, Gewichtsnormen für Obst und Gemüse abzuschaffen, wie das Flämische Infozentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (VILT) berichtet.


Bildquelle: Pixabay

„Die ‚Schönheitsideale‘ der Supermärkte machen 10,2 % der Ernte flämischer Landwirte und Landwirtinnen unverkäuflich und führen jährlich zur Verschwendung von 120 Millionen Kilogramm Obst und Gemüse“, so die Organisation.

Der Verband der belgischen Supermärkte relativiert die Kritik zwar, zeigt sich aber gesprächsbereit. 

„Die Supermärkte erkennen an, dass die Spezifikationen regelmäßig überprüft werden müssen, insbesondere angesichts extremer Wetterbedingungen, die zu stärkeren Schwankungen bei Form und Größe führen.“ 

In einem offenen Brief an alle großen Supermarktketten plädieren die Waste Warriors für die Abschaffung von Gewichtsnormen und dafür, den Verbrauchern die Wahl zu lassen: Obst und Gemüse aller Größen und Formen sollen einen Platz in den Regalen erhalten. 

Gleichzeitig initiiert die in Antwerpen ansässige Organisation eine Petition mit dem Ziel, 10.000 Unterschriften zu sammeln. Die Waste Warriors planen, diese am 30. Oktober an die Supermärkte zu übergeben.

Dabei stützen sie sich auf eine Studie der Universität Gent, die von dem damaligen flämischen Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegeben worden war. 

Dies zeigt, dass flämische Landwirte und Landwirtinnen aufgrund optischer Qualitätsanforderungen einen durchschnittlichen Absatzverlust von 10,2 % verzeichnen. 

Nach Angaben der Organisation entspricht dies bei den untersuchten Hauptkulturen einer Menge von fast 120 Millionen Kilogramm Obst und Gemüse.

Bei Gemüse sind die Absatzverluste laut der Organisation besonders hoch bei Blumenkohl (13,9 %), Karotten (13,3 %), Knollensellerie (12,6 %) und Zucchini (11,5 %).

„Bei Äpfeln steigt dieser Wert auf fast 20 %. Bei Süßkartoffeln kann der Anteil, der nicht in die Verkaufsregale gelangt, in bestimmten Saisons sogar 40 % erreichen.“

Laut Waste Warriors bestimmen Vermarktungsnormen seit Jahrzehnten, wie Obst und Gemüse aussehen muss, bevor es in den Handel gelangt. 

„Alles, was der Norm nicht entspricht, verschwindet aus der Lieferkette, noch bevor es den Verbraucher/innen erreicht. So muss ein Kürbis beispielsweise mindestens 400 Gramm wiegen, während eine Süßkartoffel maximal 800 Gramm wiegen darf.“ 

Ihren eigenen Untersuchungen zufolge wiegt ein Brokkoli bei sieben von zehn untersuchten großen belgischen Supermarktketten stets exakt 500 Gramm. 

„Um dies zu gewährleisten, werden größere Exemplare zurechtgestutzt, wodurch essbare Röschen verloren gehen“, heißt es. 

Die Menge an Abfällen, die durch optische Normen entstehen, könnte künftig aufgrund der globalen Erwärmung und extremer Wetterbedingungen zunehmen. 

„Die Hitzewelle in diesem Sommer hat dazu geführt, dass das Gemüse kleiner ausfällt. Zudem verursachte der Hagel im Frühjahr bei vielen Obstsorten Schäden an der Schale. Schon eine einzige Makel kann ausreichen, um ansonsten einwandfreies Obst auszusortieren“, erklärt Thomas Schiltz, Gründer von Waste Warriors. 

„Unterdessen erreichen uns zahlreiche Nachrichten von Erzeugern und Erzeugerinnen, die auf Millionen Kilogramm einwandfreiem Obst und Gemüse sitzen, das aufgrund dieser Vorgaben womöglich nicht in den Handel gelangt.“ 

Supermärkte: Anpassung der Vorgaben aufgrund des Wetters 

Über den Sektorverband Comeos räumen Supermärkte ein, dass die Wetterbedingungen Auswirkungen haben. 

„Die Vorgaben sollten regelmäßig überprüft werden, insbesondere angesichts der Tatsache, dass extreme Wetterbedingungen zu stärkeren Schwankungen bei Form und Größe führen. Wo Normen nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, muss Spielraum für Anpassungen bestehen, sofern dies Lebensmittelverluste verhindert, ohne die Lebensmittelsicherheit, eine angemessene Verbraucherinformation oder die Wirtschaftlichkeit zu beeinträchtigen“, so berichtet Comeos. 

Der Verband zeigt sich offen für Gespräche mit Landwirten und Landwirtinnen, Versteigerungen, Verbraucherorganisationen und Waste Warriors zu diesem Thema.


Quelle: Vilt.be

 

Veröffentlichungsdatum: 04.09.2026

Schlagwörter

Belgien, Waste Warriors, Supermärkte, Schönheitsstandards, Obst und Gemüse