Belgien: In den USA für Millionenschäden in der Landwirtschaft verantwortliche Zikade in Europa gesichtet
Die Gefleckte Laternenzikade (Lycorma delicatula), eine invasive Zikadenart, die in den USA und Asien erhebliche Schäden in der Landwirtschaft verursacht, wurde erstmals in Europa, genauer gesagt in Ungarn, gesichtet.
Inzwischen wurde das Insekt auch in Moldawien entdeckt. Die Zikade ernährt sich von mehr als 70 Arten von Zierpflanzen, Obst- und Nussbäumen sowie Forstkulturen und hat eine besondere Vorliebe für Weinreben, wie das Flämische Infozentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (VILT) berichtet.

Gefleckte Laternenzikade (l.) erwachsen und Nymphe (roter Körper). (Bildquelle: Creative Commons Wikimedia / USDA)
Nach Angaben des Forschungszentrums Viaverda verfügen belgische Landwirte über ausreichende Mittel zur Bekämpfung einheimischer Zikaden.
Experten können jedoch noch nicht abschätzen, welche Schäden dieser invasive Neuling in Belgien anrichten könnte.
In den USA stellt das Insekt eine echte Plage dar. In einer Studie aus dem Jahr 2020 schätzte die University of Pennsylvania, dass die Gefleckte Laternenzikade für jährliche Verluste in Höhe von 554 Millionen USD verantwortlich ist.

Eine Nymphe färbt sich während ihres letzten Entwicklungsstadiums rot, bevor sie erwachsen wird. (Bildquelle: Creative Commons Wikimedia)
Das Insekt ist in den USA bereits seit 2014 etabliert. Seine Ausbreitung begann 2012 im kleinen Rahmen durch eine Steinlieferung aus Asien.
Erster Nachweis in Europa
Das Insekt stammt aus Südostasien und wurde in Ungarn nahe der Grenze zu Serbien gesichtet. Der wissenschaftliche Name des Tieres lautet Lycorma delicatula.
„Es handelt sich um den ersten bestätigten Nachweis des Insekts – das von der EU als Quarantäneschädling eingestuft wird – in Ungarn und der EU“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Analysen in einem Labor der ungarischen Behörde für Lebensmittelsicherheit bestätigten den Fund. Die Behörden leiteten umgehend die erforderlichen Quarantänemaßnahmen ein.
Die Behörde betont, dass die Wachsamkeit der Öffentlichkeit und eine frühzeitige Meldung entscheidend seien, um eine Ansiedlung und Ausbreitung der Schädlinge zu verhindern.
Erfassung der Ausbreitung
Die farbenprächtige Zikade kann bis zu 2,5 cm lang und 1,5 cm breit werden. Für Menschen und Tiere ist das Insekt harmlos, für Nutzpflanzen und Bäume sieht die Lage jedoch anders aus.
Die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASFC überwacht die Ausbreitung. „Da die Gefleckte Laternenzikade als Quarantäneschädling gilt, besteht eine Meldepflicht“, erklärt Hélène Bonte von der FASFC.
„Wer das Insekt entdeckt oder dessen Anwesenheit vermutet, muss dies der FASFC melden.
Nach einer bestätigten Sichtung wird die FASFC zunächst das Ausmaß des Befalls ermitteln und anschließend Maßnahmen zur Ausrottung des Insekts ergreifen.
Je nach Situation kann dies unter anderem die Vernichtung betroffener Wirtspflanzen und/oder den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln umfassen.“
Eier auf Fahrzeugen, Frachtcontainern und Steinen
Die Behörde ruft zu Wachsamkeit auf, um die Einschleppung des Insekts zu verhindern.
„Betriebe können die Wirtspflanzen dieser Insekten regelmäßig visuell auf Eier, Nymphen und ausgewachsene Exemplare untersuchen.
Besondere Vorsicht ist zudem bei der Einfuhr von Wirtspflanzen, Zweigen, Holz, Rinde oder anderen Produkten dieser Pflanzen aus Ländern geboten, in denen das Insekt vorkommt.
Die Gefleckte Laternenzikade verbreitet sich vor allem durch menschliche Aktivitäten.
Die Eier können sich nicht nur auf Pflanzenmaterial, sondern auch auf verschiedensten Oberflächen wie Fahrzeugen, Frachtcontainern, Steinen und anderen Gütern befinden.
Zudem gelten Einfuhrbeschränkungen oder -verbote für bestimmte Wirtspflanzen und Pflanzenprodukte, um das Risiko einer Einschleppung weiter zu begrenzen“, so Bonte.
Die Hauptwirtspflanze des Tieres ist der Götterbaum, der ebenfalls eine invasive Baumart darstellt.
„Das Insekt ist jedoch unter anderem auch auf Walnuss-, Ahorn- und Weidenbäumen sowie an Weinreben zu finden“, sagt Bonte.
„Durch das Saugen an den saftführenden Phloemgefäßen verursacht es Wunden an Stämmen und Ästen, was zum Welken und Absterben von Zweigen führen kann. Ein mehrjähriger Befall kann das Absterben der Pflanze zur Folge haben. Zudem scheidet das Insekt Honigtau aus, der sich auf den Blättern ansammelt und die Photosynthese beeinträchtigt.“
In Ungarn und Moldawien werden bereits Maßnahmen zur Ausrottung durchgeführt. In Belgien wurde die Gefleckte Laternenzikade bislang noch nicht nachgewiesen.
Quelle: Vilt.be
Veröffentlichungsdatum: 30.09.2026

