Historischer Rückgang der Kartoffelanbaufläche in Nordwesteuropa – Belgien an der Spitze
Nach der schwierigen Kartoffelsaison des Vorjahres haben die Erzeuger/innen in Nordwesteuropa die Anbauflächen drastisch reduziert. Im Frühjahr 2026 pflanzten sie 13,7 % weniger Speisekartoffeln an, was einem historischen Rückgang von 82.700 Hektar entspricht.
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Nirgendwo ist der Rückgang so stark wie in Belgien, wo die Anbaufläche um 17,7 % schrumpft, wie das Flämische Infozentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (VILT) berichtet.
Aufgrund des trockenen und heißen Sommers drohen auch die Erträge deutlich niedriger auszufallen.
In Nordwesteuropa wurden in diesem Frühjahr 521.500 Hektar Speisekartoffeln (ohne Pflanz- und Stärkekartoffeln) angebaut. Dies geht aus neuen Zahlen der North-Western European Potato Growers (NEPG) hervor.
Die Anbaufläche ist zwar bei Weitem nicht die kleinste der letzten 20 Jahre, doch der Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist mit 13,7 % historisch hoch.
Noch nie zuvor in diesem Zeitraum hat sich die Anbaufläche von einem Jahr auf das nächste so drastisch verändert.
Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 2024, als die Fläche um 9 % zunahm. Für einen deutlichen Rückgang muss bis in das Jahr 2012 zurückgeblickt werden, als die Fläche um 6,4 % schrumpfte.
Der diesjährige Rückgang in Nordwesteuropa ist nirgendwo so stark wie in Belgien. Landesweit wurden 89.105 Hektar Speisekartoffeln gepflanzt.
Im Vorjahr hatte die Anbaufläche noch historisch hohe 108.257 Hektar erreicht. Dies entspricht einem Rückgang von 17,7 %. Die bisher stärksten Rückgänge wurden in den Jahren 2021 und 2012 verzeichnet, als die Fläche um je 7,6 % und 9,6 % schrumpfte.
In den Niederlanden zeigt sich in diesem Jahr ein Rückgang von 15,5 %. In Frankreich beträgt das Minus 9,7 % und in Deutschland 8 %.
Nach dem Zusammenbruch des freien Kartoffelmarktes im vergangenen Jahr hatten verschiedene Partner in der Wertschöpfungskette die Erzeuger dazu aufgerufen, in diesem Jahr weniger Kartoffeln anzubauen.
Die Notwendigkeit dieser Reduzierung spiegelte sich auch in den Vertragspreisen wider, die deutlich niedriger liegen als in der vergangenen Saison.
Nicht nur die Anbaufläche, auch der Ertrag ist deutlich geringer
In dieser Saison ist nicht nur die Anbaufläche deutlich kleiner als im Vorjahr, auch die Erntemenge dürfte stark zurückgehen.

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Während im vergangenen Jahr günstige Wetterbedingungen für sehr gute Erträge sorgten, haben die anhaltende Trockenheit und Hitze in diesem Sommer den Kartoffelbeständen stark zugesetzt.
Die durchschnittlichen Erträge für Nordwesteuropa werden in den kommenden Wochen endgültig ermittelt, doch der Verband NEPG prognostiziert, dass die Ernte voraussichtlich zu den geringsten der letzten zehn Jahre zählen wird.
Grund hierfür sind die verringerte Anbaufläche sowie die schwierigen Wachstumsbedingungen.
Laut des NEPG werden sowohl die nordwesteuropäische Verarbeitungsindustrie als auch Exportkunden ihre üblichen Produktspezifikationen hinsichtlich Kartoffelgröße und -länge lockern müssen.
Die größeren und längeren Kartoffeln, die sie normalerweise beziehen, stehen in dieser Saison in geringerem Umfang zur Verfügung.
„Auch die Nachfrage auf den Frischmärkten in Süd- und Osteuropa bleibt hoch, zudem werden auch in Großbritannien Kartoffeln und verarbeitete Produkte benötigt. Schließlich herrschte auch auf der anderen Seite des Ärmelkanals ein trockener Sommer“, so die NEPG.
Neue Sorten und offene Einstellung erforderlich
Der Verband NEPG betont die Notwendigkeit eines Wechsels hin zu robusteren Sorten, die widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Kraut- und Knollenfäule sind und gleichzeitig weniger Stickstoff benötigen.
„Wir brauchen dringend mehr Forschung und neue Anbaumethoden, um uns an den Klimawandel anpassen zu können“, erklären die NEPG-Erzeuger/innen. „Die Landwirte und Landwirtinnen dürfen nicht die Einzigen sein, die die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen.“
Ihrer Ansicht nach trägt der gesamte Sektor Verantwortung, seien es Züchter/innen, Erzeuger/innen von Pflanz- und Speisekartoffeln, Händler/innen, Verarbeiter/innen oder Wissenschaftler/innen und Forscher/innen in dem Kartoffelbereich.
„Wir müssen alle offen für neue Anbaumethoden sein und Versuche zu besserer Bewässerung, Agrarforstwirtschaft, Humusgehalt und Mulchen durchführen“, erklären sie.
Quelle: Vilt.be
Veröffentlichungsdatum: 18.09.2026

