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LK Österreich: Massive Ertragsausfälle bei Obst und Gemüse erwartet

19. August 2026

Die extrem lange Hitze- und Trockenperiode führt auch im österreichischen Obst- und Gemüsebau zu erheblichen Ertragsverlusten. Im Obstbau wird aktuell eine um rund ein Drittel geringere Ernte erwartet, im Gemüsebau werden die Einbußen durchschnittlich auf 45% geschätzt. 


Kirschbaum. (Foto ©  LK Österreich / Muster)

Branchenverbände und Landwirtschaftskammer Österreich drängen daher auf rasche Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Betriebe sowie mittel- und langfristige Investitionen.

Obstbau: Drittel Ertragsausfall, vertrocknete Junganlagen

Besonders angespannt ist die Lage in östlichen Obstbauregionen. In dieser Branche werden heutzutage rund 40% der Flächen bewässert, doch die Wasserreserven in Speicherteichen und Bewässerungsanlagen neigen sich vielerorts dem Ende zu, während dringend benötigte Niederschläge viel zu gering ausfallen oder gar ausbleiben. 

Da sich zahlreiche Kulturen wie Äpfel, Birnen oder Zwetschken kurz vor der Ernte befinden, rechnen die Betriebe mit erheblichen Einbußen.

"Insgesamt muss bei Obst derzeit von einem Verlust von rund einem Drittel der Gesamternte ausgegangen werden. Hauptursache sind Sonnenbrand und Hitzeschäden an den Früchten sowie eine deutlich verringerte Fruchtgröße. 

Besonders dramatisch ist die Situation bei Holunder. Hier zeichnet sich ein Ernteausfall von über 50% ab, wobei auch ein Totalausfall nicht mehr ausgeschlossen werden kann", berichtet Manfred Kohlfürst, Obmann des Österreichischen Branchenverbandes für Obst und Gemüse (ÖBOG).

 


Holunder. (Foto © LK Österreich / Robitschko)

Besorgniserregend ist außerdem, dass zunehmend Bäume absterben. Dies betrifft alle Obstkulturen - Holunder, Kirsche, Apfel etc. - und stellt einen nachhaltigen Schaden dar, da die Bäume in den kommenden Jahren für die Produktion fehlen. 

Bei Junganlagen sind teilweise bereits ganze Anlagen vertrocknet, wie Kohlfürst beklagt.

Gemüsebau: Mehrkosten bis zu 700 Euro pro Hektar

Auch im Gemüsebau zeigen sich die Folgen der Hitzewelle immer deutlicher: „Die starke Sonneneinstrahlung hat bei den Pflanzen zu Wachstumsverzögerungen, Notreife, Verbrennungen und anderen Schwierigkeiten geführt. 

Ein weiteres Problem stellen Schädlinge wie Spinnmilben, Thripse und Raupen dar, die sich bei den warmen Bedingungen verstärkt vermehren. 

Gleichzeitig gestaltet sich ihre Bekämpfung immer schwieriger, da geeignete Pflanzenschutzmittel fehlen beziehungsweise bei hohen Temperaturen nicht eingesetzt werden können. 

Der dadurch zunehmende Schädlingsdruck führt gemeinsam mit Hitzeschäden an Blättern und Früchten zu erheblichen Ertragseinbußen“, erklärt Karl Auer, Obmann des Bundesgemüsebauverbandes (BGV).

Über alle Gemüsekulturen hinweg werden im Schnitt Einbußen von 45% erwartet. Ohne Bewässerung kommt es vielfach zu Totalausfällen.

Besonders betroffen ist aktuell auch der Bereich Tiefkühlgemüse, bei welchem trotz Bewässerung Einbußen über 30% erwartet werden. 

Außerdem führen die hohen Temperaturen dazu, dass verschiedene Kulturen wie Buschbohnen, Grünerbsen oder Edamame gleichzeitig abreifen. Dadurch entstehen erhebliche Engpässe bei Ernte, Transport und Verarbeitung, wie Auer berichtet.

Zwar verfügen die meisten Gemüsebetriebe bereits über Bewässerungsmöglichkeiten. Allerdings müssen für die Wasserförderung wegen der niedrigen Wasserspiegel deutlich höhere Energiemengen aufgewendet werden. 

Die Kosten für Bewässerung, Energie und zusätzliche Arbeitsstunden sind daher erheblich gestiegen. 

Je nach Kultur werden die Mehrkosten aktuell auf 300 bis 700 Euro pro Hektar geschätzt. 

In vielen Betrieben liegt der Wasserbedarf zwei- bis fünfmal höher als normalerweise.


Vertrocknete Holunderbeeren (Foto © LK Österreich / Manfred Kohlfürst)

Produktion für Zukunft absichern

"Die aktuellen Schäden im Obst- und Gemüsebau sind ein deutliches Warnsignal in vielerlei Hinsicht. 
Ohne ausreichende Bewässerungsmöglichkeiten können die Betriebe Obst und Gemüse nicht in der geforderten Menge und Qualität produzieren. 

Zudem steigen die Betriebskosten massiv und können vielfach nicht mehr durch marktübliche Preise abgefedert werden. 

Wenn wir die Betriebe am Produzieren halten und die heimische Versorgung mit frischem Obst und Gemüse für die Zukunft absichern wollen, braucht es jetzt dringend rasche und unbürokratische Unterstützung bei den gestiegenen Bewässerungskosten. 

Neben Klimaschutz braucht es außerdem Klimaanpassung und somit gezielte Investitionen in eine zukunftsfitte Wasserinfrastruktur", betont LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger, der auch die Bedeutung eines effektiven Risikomanagements hervorhebt.

"Die heimischen Betriebe stehen durch den Klimawandel, stark gestiegene Produktionskosten, hohe Lohn- und Lohnnebenkosten sowie ein unzureichendes Pflanzenschutzangebot gegen Schädlinge massiv unter Druck. 

Um die Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Obst- und Gemüsebaus zu sichern, braucht es unter anderem gezielte Investitionsanreize für Schutz- und Vorsorgemaßnahmen wie Wasserspeicher, Hagelschutznetze und neue Sorten sowie leistbare Versicherungslösungen. 

Die heuer verstärkt spürbaren Folgen des Klimawandels zeigen einmal mehr, dass Risikovorsorge und Schutz der Kulturen unverzichtbar sind.

Ebenso fordern wir den Handel auf, heimisches Obst und Gemüse zu fairen Bedingungen abzunehmen und die regionale Produktion zu stärken", erklären Kohlfürst und Auer unisono. 

 

Quelle: Landwirtschaftskammer Österreich

Veröffentlichungsdatum: 19.08.2026

Schlagwörter

LK Österreich, Hitze, Ertragsausfälle, Obst und Gemüse, erwartet