Gemüseanbau am Bodensee Regierungspräsident Gabbert und BLHV-Präsident Bolkart besuchen Betriebe im Kreis Konstanz
Die anhaltende Trockenheit macht den Gemüsebauern am Bodensee derzeit zu schaffen. Der Klimawandel und weitere Herausforderungen der regionalen Lebensmittelproduktion waren Thema beim Besuch von Regierungspräsident Carsten Gabbert am Dienstag im Kreis Konstanz.

Foto © Baden-Württemberg Regierungspräsidium Freiburg
Gemeinsam mit BLHV-Präsident Bernhard Bolkart, Abgeordneten und Vertretern der Kommunen besichtigte Gabbert den Bio-Betrieb von Benjamin Wagner in Mühlingen sowie die Erzeugergemeinschaft Reichenau-Gemüse eG auf der Insel Reichenau.
„Die weltweiten Krisen der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie wichtig die regionale Erzeugung von Lebensmitteln ist.
Gleichzeitig erleben wir aktuell durch die anhaltende Trockenheit, dass sich der Klimawandel schon jetzt konkret auf die Landwirtschaft auswirkt.
Hinzu kommen Herausforderungen wie die Preiskämpfe innerhalb der EU und die notwendige Reduktion von Pflanzenschutzmitteln.
Als Landwirtschaftsverwaltung unterstützen wir die Betriebe in dieser schwierigen Zeit und helfen ihnen, sich für die Zukunft aufzustellen“, sagte Regierungspräsident Carsten Gabbert.
Das RP fördere Erzeugerorganisationen mit Mitteln aus dem EU-Programm „Gemeinsame Marktorganisation Obst und Gemüse“. Die Reichenau eG erhalte jährlich rund eine Million Euro aus diesem Topf.
Angesichts der Trockenheit stellte Gabbert fest, dass die Wasserversorgung von Kulturen wie Obst und Gemüse auf Freilandflächen künftig am besten von überbetrieblich organisierten Boden- und Wasserverbänden initiiert und betrieben werden könne.
Er wies auf das Förderprogramm des Ministeriums für Ländlichen Raum zur Errichtung gemeinschaftlicher Beregnungsinfrastruktur hin, das vom RP abgewickelt werde.
Boden- und Wasserverbände können hier für Bewässerungsanlagen Fördermittel von bis zu 50 Prozent erhalten.
BLHV-Präsident Bernhard Bolkart: „Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell globalen Lieferketten ins Wanken geraten können.
Starke regionale Strukturen sind heute wichtiger denn je. Sie machen uns unabhängiger von globalen Lieferketten und erhalten Arbeitsplätze in den ländlichen Räumen.
Gerade in unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft spielen Genossenschaften dabei eine Schlüsselrolle.
Sie sorgen dafür, dass die Produkte unserer heimischen Landwirtinnen und Landwirte gebündelt, verarbeitet und vermarktet werden und so ihren Weg auf die Teller der Verbraucher finden.
Wenn wir die Versorgung mit regional erzeugten Lebensmitteln in Südbaden langfristig sichern wollen, müssen wir nicht nur die landwirtschaftlichen Betriebe selbst, sondern auch die mittelständischen Bündelungs- und Verarbeitungsstrukturen zukunftsfest aufstellen.“
Benjamin Wagner führte die Besucher durch sein Gewächshaus in Mühlingen, wo derzeit Gurken und Tomaten gedeihen.
Der Betrieb besteht seit 1928 und arbeitet mittlerweile in der vierten Generation. Seit 1988 vermarktet Wagner seine Produkte ausschließlich über die Reichenau-Gemüse eG.
Seit 2013 ist der Betrieb Bio-zertifiziert. Insgesamt bewirtschaftet er 57 Hektar im Freiland und sechs Hektar unter Glas.
Zweite Station war die Genossenschaft Reichenau-Gemüse, die auf der Bodenseeinsel eine rund 6000 Quadratmeter große Halle zur Vermarktung,
Lagerung und Verpackung der Produkte betreibt. Gegründet wurde die Erzeugergemeinschaft 1956 und beschäftigt je nach Saison 80 bis 100 Mitarbeiter.
Im vergangenen Jahr haben rund 40 Erzeugerbetriebe, die ihr Gemüse auf 40 Hektar unter Glas und auf 120 Hektar im Freiland anbauen, ihre Produkte an die eG geliefert – rund die Hälfte davon sind bio-zertifiziert.
Jedes Jahr werden mehr als zwei Millionen Salate, zwölf Millionen Gurken und rund 1200 Tonnen Tomaten vermarktet.
Zur Bewässerung der Kulturen werden pro Jahr etwa 800.000 Kubikmeter Bodenseewasser eingesetzt.
Beim Austausch vor Ort wurde auch die aktuelle Entwicklung rund um die Gärtner-Siedlung bei Singen thematisiert, deren Betriebe ihre Mitgliedschaft in der Reichenau-Gemüse eG gekündigt haben.
Die damit verbundenen Veränderungen werden Auswirkungen auf die künftige Struktur der Genossenschaft haben.
Geschäftsführer Johannes Bliestle erläuterte, dass die Reichenau-Gemüse eG die Situation zum Anlass nimmt, ihre strategische Ausrichtung zu überprüfen und verschiedene Perspektiven für die weitere Entwicklung der Genossenschaft zu bewerten.“
Quelle: Baden-Württemberg Regierungspräsidium Freiburg
Veröffentlichungsdatum: 13.08.2026

