Konflikt im Nahen Osten könnte weltweiten Hunger auf Rekordniveau treiben
Sollte der Konflikt im Nahen Osten anhalten, könnte die globale Ernährungsunsicherheit einen neuen Höchststand erreichen, warnt das Welternährungsprogramm (World Food Program, WFP) der Vereinten Nationen (UN).
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Zusätzlich zu den bereits hungernden 318 Millionen Menschen könnten weitere 45 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein, berichtet das Flämische Infozentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (VILT).
Dies würde zu einem erschreckenden Rekord von 363 Millionen hungernden Menschen führen.
Auf der Flucht
Laut des WFP gibt es drei Gründe, warum der Konflikt im Nahen Osten weltweit zu mehr Hunger führt. Zum einen zwingt die Gewalt in der Region Menschen zur Flucht.
Wenn Familien zur Flucht gezwungen werden, verlieren sie den Zugang zu Arbeit oder Feldern. Infolgedessen wird es immer schwieriger, sich von einem Tag auf den anderen mit Nahrungsmitteln zu versorgen.
„Dies kommt oft zu jahrelangem wirtschaftlichem Druck, Konflikten und vorangegangener Vertreibung hinzu“, schreibt das WFP in einem neuen Bericht.
Es bezieht sich auf den Libanon, wo Menschen massenhaft aus ihren Häusern fliehen, während das Land bereits eine schwere Wirtschaftskrise durchmacht.
Unterbrochene Lieferketten
Ein zweiter Grund, warum der Konflikt den Hunger weltweit verschärft, sind unterbrochene Lieferketten. Wenn die Lage unsicher ist oder die Infrastruktur beschädigt wird, wird es schwieriger, Lebensmittel in die Läden zu bringen.
Das WFP verweist auch auf den nahezu vollständigen Stillstand des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus und die erhöhten Risiken für die Schifffahrt im Roten Meer.
„Dies führt bereits zu höheren Kosten für Energie, Treibstoff und Düngemittel.“
Steigende Preise
Laut des WFP ist dies auch der dritte Grund für den zunehmenden Hunger. Preissteigerungen bei Energie, Treibstoff und Düngemitteln wirken sich unter anderem auf das gesamte Ernährungssystem aus und treiben die Lebensmittelpreise weltweit in die Höhe.
Dies ist ein Problem für die Menschen im Iran, insbesondere da dort bereits eine hohe Lebensmittelinflation herrscht und Familien kaum Spielraum haben, weitere Belastungen zu verkraften.
Auswirkungen weit über die Region hinaus
Angesichts der entscheidenden Rolle, die der Nahe Osten in den globalen Energie-, Transport- und Handelssystemen spielt, hat dies laut des WFP jedoch auch weitreichende Auswirkungen über die Region hinaus.
Länder, die stark von Importen von Lebensmitteln, Treibstoffen oder Düngemitteln abhängig sind, sind daher besonders anfällig für Preiserhöhungen.
„In Teilen Subsahara-Afrikas riskieren Bauern während der Pflanzsaison geringere Erträge, weil sie ihre Pflanzen nicht behandeln können. Selbst geringe Preiserhöhungen können Familien in eine Krise stürzen“, heißt es in dem WFP-Bericht.
Doch auch in Teilen Asiens, wo die Wirtschaft von Importen abhängt und die Haushalte ohnehin über geringe Kaufkraft verfügen, macht sich der Konflikt bemerkbar.
In Afghanistan verschärft diese Krise andere Probleme wie Konflikte und Naturkatastrophen.
Schnelles Handeln erforderlich
„Die am stärksten gefährdeten Menschen der Welt werden am meisten betroffen sein, insbesondere wenn die Krise andauert“, warnt das WFP, das nach eigenen Angaben schnell auf diese Notlage reagiert hat.
Nahrungsmittelhilfe wurde geleistet und wo Märkte noch funktionieren, werden der Bevölkerung Mittel zur Verfügung gestellt, damit sie Lebensmittel vor Ort kaufen kann.
Darüber hinaus versucht das WFP, die Logistik aufrechtzuerhalten, beispielsweise durch Umleitung von Transporten oder Suche nach alternativen Routen, um die Nahrungsmittelhilfe weiterhin zu liefern.
Sollte der Konflikt andauern und die Ölpreise über 100 USD pro Barrel bleiben, könnte der weltweite Hunger Rekordwerte erreichen.
Das WFP rechnet damit, dass dann zusätzlich 45 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen wären.
Gleichzeitig stellt die UN-Organisation fest, dass Hilfsorganisationen aufgrund steigender Kosten und Finanzierungslücken bereits heute unter Druck stehen.
„Wenn nicht umgehend Maßnahmen ergriffen werden, um den Zugang zu Nahrungsmitteln zu sichern, vertriebene Familien zu unterstützen und Lieferketten zu gewährleisten, werden unsere bisherigen Fortschritte im Kampf gegen den Hunger erneut zunichtegemacht“, so das WFP abschließend.
Quelle: Vilt.be
Veröffentlichungsdatum: 30.03.2026

