Belgien: Größter Chicoréeerzeuger der Niederlande insolvent und Lage in Flandern ebenfalls ernst
Das niederländische Chicoréeunternehmen Frysk-Witlof existiert nicht mehr. Grund für die Insolvenz sind die seit anderthalb Jahren anhaltend niedrigen Chicoréepreise.
Bildquelle: Pixabay
Auch in Flandern, Belgien, leiden die Chicoréeerzeuger/innen unter den niedrigen Verkaufspreisen und steigenden Kosten, die finanzielle Situation ist „ernst“, so berichtet das Flämisches Infozentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (VILT).
Frysk-Witlof betrieb 18 Verarbeitungslinien und baute Chicorée und roten Chicorée auf 300 Hektar an. Ein Teil der Chicoréewurzeln stammte aus Flandern. Mit einer Jahresproduktion von fast 7 Millionen Kilogramm (kg) galt das Unternehmen als größter Chicoréeproduzent der Niederlande.
Letzte Woche wurde das Unternehmen von einem niederländischen Gericht für insolvent erklärt.
Geschäftsführer und Inhaber Dennis Blankendaal führt die Insolvenz auf die niedrigen Chicoréepreise zurück.
„Gleichzeitig sind die Rohstoff- und Lohnkosten in den letzten Jahren stark gestiegen, was die Gewinnmargen erheblich belastet hat. Hinzu kamen erhebliche Investitionen aufgrund überfälliger Instandhaltungsarbeiten, die die Liquidität weiter verschärften. Diese Kombination von Faktoren führte letztendlich zu der aktuellen Situation.“
Obwohl es bisher keine Insolvenzen zu geben scheint, kämpfen auch flämische Chicoréeerzeuger/innen ums Überleben.
Der Direktor der REO, Philip Vanaken, äußerte sich bereits Anfang des Jahres besorgt über den flämischen Chicoréeanbau und erklärte, er sehe kurzfristig keine Besserung.
„Auch hier ist die Lage ernst“, analysiert Stefaan Kint, Berater für Obst und Gemüse bei dem Bauernverband (Boerenbond). „In den letzten anderthalb Jahren waren die Preise unterdurchschnittlich und die Chicoréebetriebe arbeiten mit Verlust, da die durchschnittlichen Produktionskosten ebenfalls steigen.“
Nur Nischenanbieter/innen, die sich beispielsweise auf kurze Lieferketten konzentrieren, entgehen der Krise.
Finanzmittel für Werbung bereitstellen
Der Berater führt die aktuelle Marktsituation auf eine Überproduktion zurück, die durch gutes Wetter und günstige Preise in den Vorjahren verursacht wurde. „Dem Überangebot steht eine schleppende Nachfrage gegenüber. Vor allem junge Menschen wenden sich zunehmend von der traditionellen weißen Delikatesse ab.“
Um dem entgegenzuwirken, plant die Branche zusätzliche Werbemaßnahmen. Dies wurde kürzlich bei einem Treffen flämischer Chicoréeerzeuger/innen beschlossen.
„Das VLAM (Flämisches Zentrum für Agrar- und Fischereivermarktung) möchte einen Antrag bei der EU zur Förderung des Gemüses einreichen. Wenn Europa diesem zustimmt, wird es 70 % des Budgets finanzieren. Den Rest müssen die Erzeuger/innen aufbringen und sie haben sich letzte Woche bei einem Treffen darauf geeinigt, diese Mittel freizugeben“, so der Berater des Bauernverbandes.
6 % weniger Aussaat bei BelOrta
Um die Nachfrage anzukurbeln, ist eine Produktionsreduzierung eine mögliche Lösung. Das Problem dabei ist jedoch, dass es sich um eine zweijährige Kultur handelt. „Wir werden die geringere Anbaufläche erst im nächsten Jahr im Frühjahr bemerken“, erklärt Kint.
Ihm zufolge stellt sich die Frage, ob die Erzeuger/innen dieses Jahr weniger Chicorée aussäen werden. „Das Wetter bleibt jedoch ein wichtiger Faktor. Unter guten Wachstumsbedingungen kann die Produktion weiter hoch ausfalle, bei schlechtem Wetter hingegen geringer.“
Die Anbaupläne der BelOrta-Erzeuger/innen deuten auf eine deutliche Reduzierung der Anbaufläche hin. In einer Umfrage zur Anbaufläche im Oktober letzten Jahres gaben Chicorée-Erzeuger/innen an, in diesem Jahr 6 % weniger anzubauen.
Sollten sowohl die Nachfrage leicht steigen als auch die Produktion leicht sinken, könnte sich das Blatt in dem Chicorée-Sektor laut Kint wieder wenden. „Dann würde sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederherstellen und die Preise würden wieder steigen.“
Quelle: Vilt.be
Veröffentlichungsdatum: 27.03.2026

