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VSSE: Pfälzer Spargeltag 2026 in Neustadt an der Weinstraße mit Besucherrekord

04. Februar 2026

Mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und 13 Ausstellern stieß der Pfälzer Spargeltag 2026, der vor Ort oder online besucht werden konnte, auf sehr große Resonanz.

Zum zweiten Mal wurde der Pfälzer Spargeltag in Kooperation vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, vom Beratungsdienst Spargel und Erdbeeren (BDSE) e.V. und vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) e.V. veranstaltet. 


Foto © VSSE e.V. / Isabelle Bohnert

„Wir sind überwältigt von der guten Teilnahme vor Ort und online. Das zeigt, dass die Themenwahl für die Spargelbetriebe von großem Interesse ist. Auch schwächt das Online-Angebot die Teilnahme vor Ort nicht, sondern sorgt für eine größere Reichweite des Pfälzer Spargeltags“, resümiert Simon Schumacher vom VSSE e.V.

Themen waren Pro und Contra zur Extremverfrühung von Spargel, Auswirkungen des steigenden Mindestlohns auf die Rentabilität im Spargelanbau, erweiterte Dokumentationspflichten für Pflanzenschutzmaßnahmen, der Wegfall von Sencor und neue Indikationstexte im Spargel, der aktuelle Wissensstand zur Glasflügelzikade im Spargel sowie Neues von den Versuchen des Queckbrunnerhofs.


Foto © VSSE e.V. / Isabelle Bohnert

Pro und Contra aus der Praxis zur Extremverfrühung im Spargel

Andreas Eberhardt von Spargelhof Eberhardt in Weisenheim/Sand und Bodo Mönich von der Mönich Landwirtschaft GmbH in Griesheim vertraten Pro und Contra zur Extremverfrühung von Spargel. Bodo Mönich baut auf 130 ha Spargel an, davon werden 70 ha verfrüht. Er vermarktet seinen Spargel mit 90 Verkaufsständen fast zu 50 % direkt. 

Er führt für sein Contra zur extremen Verfrühung (Dreifachbedeckung) vor allem die in diesem Zusammenhang extrem hohen Lohnkosten sowie das Risiko bei ungünstiger Wetterlage den Spargel nicht verkaufen zu können an. 

Auch betonte er, dass nicht alle Spargelbetriebe so stark verfrühen könnten, da ansonsten „die Kühlhäuser voll wären“. Gerade mit viel Direktvermarktung sieht er keinen Sinn in der extremen Verfrühung, da die Kunden bei niedrigen Temperaturen keine Lust auf Spargel haben.

Andreas Eberhardt vertritt die Ansicht, dass man die Händler und die Kunden in den frühen Bereich mitnehmen müsse. Er verfrüht 90 % der frühen Bleichspargelsorten (Anteil: 50 %) mit Dreifachbedeckung und 30 % des Grünspargels. 

Am 15. März fängt er an, Spargel zu stechen, und bietet die Ware auf dem Stuttgarter Großmarkt an. Ab 1. April kommt er auf einen Ertrag von 400 – 500 kg/ha am Tag. 

Seiner Meinung nach braucht es zwei Wochen, um den Kunden auf den Beginn der Spargelsaison vorzubereiten.

Das Fazit des Austauschs war, dass alle Betriebe, die extrem verfrühen, den Markt vorbereiten, aber dass die extreme Verfrühung eine Nische ist, für die es einen Markt braucht.


Foto © VSSE e.V. / Isabelle Bohnert

Auswirkungen des steigenden Mindestlohns auf die Rentabilität im Spargelanbau

Anhand eines hypothetischen Beispiel-Spargelbetriebs mit 97 dt Rohertrag, 68 dt verkaufter Ware und 15 kg/h Arbeitsleistung geht Dr. Norbert Laun, DLR-Rheinpfalz, davon aus, dass sich die einzelkostenfreie Leistung (EKL) mit der Mindestlohnsteigerung 2026 um 23 % und 2027 um 38 % verringert, wenn Betriebe keine Maßnahmen, um die Kosten auszugleichen, unternähmen. Für den Gewinn würde das 2026 rund 46 % und für 2027 gar 75 % Einbußen bedeuten.


Foto © VSSE e.V. / Isabelle Bohnert

Um bei gleichen Rahmenbedingungen die Mindestlohnkostensteigerung im Spargelanbau auszugleichen, ergeben sich laut Dr. Norbert Laun folgende Optionen: verbesserte Arbeitsleistung, höhere Erträge und höhere Preise. 

Für seine Beispiele stellt Dr. Laun hypothetische Rechnungen auf und betont, dass die betriebsindividuelle Berechnung wichtig und eine Bündelung mehrerer Maßnahmen zur Kompensation der Mindestlohnsteigerung notwendig seien.


Foto © VSSE e.V. / Isabelle Bohnert

Hilfestellungen zur erweiterten Dokumentationspflicht für Pflanzenschutzmaßnahmen

Gemäß der EU-DurchführungsVO 564/2023 und EU-VO 2022/2379 gelten seit dem 1.1.2026 die erweiterte Dokumentationspflicht für Pflanzenschutzmaßnahmen. Die Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen soll unmittelbar / zeitnah dokumentiert werden. 

Ab sofort sind zusätzlich die Georeferenzierung (gpx-Daten, Flurgrundstücksnummer – in vielen Schlagdatei-Programmen schon vorhanden), die Art der Verwendung, Uhrzeit: Beginn der Behandlung, wegen der EU-weiten Vergleichbarkeit den EPPO-Code: ASPOF (Asparagus officinalis), die Zulassungsnummer des Pflanzenschutzmittels sowie das BBCH-Stadium (wenn relevant). 

Auf den 1.1.2027 wurde die elektronische Datenerfassung verschoben, d. h. 2026 kann die Erfassung noch auf dem Papier erfolgen. 

Ab 2027 müssen die Daten elektronisch erfasst und in einem maschinenlesbaren Format spätestens 30 Tage nach der Anwendung vorliegen.

Jochen Kreiselmaier, DLR-Rheinpfalz, empfiehlt, sich rechtzeitig über 2026/2027 rechtskonforme Schlagkarteien zu informieren. Der Einsatz von Word und Excel ist möglich, aber nur empfehlenswert, wenn fundierte Kenntnisse der Programme vorhanden sind. 

Auch weist Kreiselmaier auf das kostenlose Programm PSM-Doc auf Basis von PS Info-Daten sowie auf das kostenpflichtige PS Info Mein Betrieb hin.


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Wegfall von Sencor und neue Indikationstexte im Spargel

Im Zuge der verschärften Aufzeichnungspflicht bei Pflanzenschutzmitteln weist Dr. Ludger Aldenhoff, BDSE e.V., auf die Notwendigkeit hin, Zulassungstexte zu überarbeiten beziehungsweise künftig auf eine sehr genaue Textformulierung zu achten. 

Denn wenn diese exakt ausgelegt werden, wie sie beschrieben sind, dann sind z. B. Splittungen von Pflanzenschutzmittelgaben nicht mehr möglich.

Beim neuen Antrag für Spectrum wurden deswegen auch schon genauere Spezifizierungen vorgenommen: in Spargel (Junganlagen): ab Pflanzjahr, bis einschließlich 3. Standjahr, nach dem Durchstoßen, im Splittingverfahren 0,7 l/ha + 0,5 l/ha. 

Bei Ertragsanlagen nach dem Stechen, Bandbehandlung, aber nur noch Teilbehandlung 0,7 l/ha + 0,5 l/ha. Diese Formulierungen erlauben mehr Möglichkeiten, nun auch beliebig die Unterblatt-Behandlung. 

Zukünftig wird Spectrum auch ein Ersatz für Sencor im Grünspargel sein: vor dem Durchstoßen, 21 Tage Wartezeit, 1 x 0,7 l/ha. Die neue Zulassung von Spectrum ist aber für 2026 nicht zu erwarten.

Fresco könnte laut Dr. Aldenhoff das weggefallene Sencor gut ersetzen, kann aber direkt nach der Ernte nicht eingesetzt werden, da es nur für Juli / August zugelassen ist, und es wahrscheinlich zu Schäden an den Trieben kommt. Bei den Mischungen sind durch Fresco und Saracen neue Optionen möglich. Grundsätzlich sollte man eine Kombination aus Blatt- und Bodenwirkung wählen.


Foto © VSSE e.V. / Isabelle Bohnert

Aktueller Wissensstand zur Glasflügelzikade im Spargel

Die Glasflügelzikade ist heimisch und an sich kein Schädling, aber Überträger von Pathogenen (16SrXll-Phytoplasmen und ‚Ca. Arsenophonus phytopathogenicus‘). Wegen der Glasflügelzikade sind schon in Frankreich, Österreich und der Schweiz sowie in Deutschland Probleme aufgetreten.

Ein Versuch im Heilbronner Raum zeigte eine hohe Variabilität beim Fund der adulten Tiere in den einzelnen Schlägen. 

In Grünspargelanlagen wurden auch Nymphen gefunden. In Bezug auf Pathogene ist Spargel eine Wirtspflanze. Noch ungesichert ist, ob Spargel nur eine potenzielle (Entwicklung möglich, aber kompletter Entwicklungszyklus nicht bewiesen) oder eine echte Wirtspflanze (kompletter Entwicklungszyklus möglich) ist. 

Um weitere Erkenntnisse hierzu zu erlangen, ist ein Monitoring notwendig. Natasha Witczak, Agrarservice Hessen-Pfalz GmbH, empfiehlt, wegen der Verschleppungsgefahr kein Pflanzgut aus betroffenen Gebieten zu verwenden.


Foto © VSSE e.V. / Isabelle Bohnert

Neues von den Versuchen des Queckbrunnerhofs

Der Grünspargel-Versuch am Queckbrunnerhof zeigte, dass die hellgrünen Sorten ein einheitliches Ertragsniveau haben. Der Ertrag bei dunkelgrünen Sorten ist etwas höher, aber sie sind anfälliger für die Spargelfliege. 

Insgesamt weisen Kronenpflanzen einen höheren Ertrag aus als Spargelpflanzen aus Erdpresstöpfen. Die violetten Sorten neigen zum Umfallen. Die violette Spargelsorte ‚Erasmus‘ hat einen sehr hohen Ertrag.

Für die Temperaturmessungen gibt es nur wenig neue Folien. Es sind noch nicht alle Folien da. In 2026 werden wieder Temperaturmessungen stattfinden. Auch Grünspargel wird mit einer ganzen Messserie mit Ertragsdaten, Frühzeitigkeit, Verspätung und Spargelhähnchen berücksichtigt werden. 

Gemeinsam mit dem BDSE wurde 2025 eine neue Bleichspargelanlage angelegt, in der ein Nachbauversuch zwischen alten Reihen, Sorten- und Düngungsversuche stattfinden werden. Auch wird es wieder Pflanzenschutzversuche geben.

Veröffentlichungsdatum: 04.02.2026

Schlagwörter

VSSE, Pfälzer Spargeltag 2026, Neustadt, Besucherrekord