Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

FAIRTRADE Österreich zum EU- Mercosur-Abkommen

14. Januar 2026

FAIRTRADE Österreich spricht sich für eine grundsätzliche Neugestaltung zukünftiger internationaler Handelsabkommen aus - mit dem Ziel, faire Wettbewerbsbedingungen, wirksame Umweltauflagen und glaubwürdige soziale Standards als gleichwertige Säulen der Handelspolitik zu verankern.

„FAIRTRADE Österreich setzt sich seit jeher für den Grundsatz eines positiven Wandels und der Schaffung von Wohlstand durch fairen Handel ein. Wir unterstützen Handelsabkommen ausdrücklich – unter der Voraussetzung, dass sie soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und ökologische Schutzstandards stärken, anstatt sie auszuhöhlen.“ 

„In einer Zeit, in der der globale Trend vielerorts in Richtung Protektionismus geht, Zölle erhöht werden und nationale Abgrenzung zunimmt, wäre ein fair und modern gestaltetes internationales Handelsabkommen ein wichtiges Signal: Handel kann Brücken bauen, statt neue Trennlinien zu ziehen.“  

„Aber: gerade die Schwächsten in globalen Lieferketten dürfen dabei nicht die Leidtragenden einer weltweiten Renationalisierung wirtschaftlicher Interessen sein.“  

Nach Jahren der Verhandlungen hätte das Abkommen zunächst eine politische Komponente: Die EU demonstriert Handlungsfähigkeit, internationale Offenheit und die Fähigkeit, partnerschaftliche Beziehungen mit Drittstaaten zu stärken. „Doch diese Signalwirkung kann nur dann positiv sein, wenn der Vertrag auch sozial, ökologisch und entwicklungspolitisch überzeugt – und ökonomisch positive Effekte hervorbringt.“  

Laut einer aktuellen Analyse der ÖFSE/AK Wien bleiben die wirtschaftlichen Effekte des EU-Mercosur-Handelsabkommens für die EU jedoch äußerst gering: Die erwartete BIP-Steigerung beträgt insgesamt rund 0,1 Prozent und ist damit ökonomisch kaum spürbar.

„Gleichzeitig sind sektorale Verschiebungen zu erwarten, die insbesondere die europäische Landwirtschaft und Teile des Dienstleistungssektors negativ treffen könnten.“ 

„Auch das oft vorgebrachte Argument, die europäische Automobilindustrie wäre ein zentraler Profiteur, verliert an Gewicht: Aufgrund der sehr langen Übergangsfristen sind selbst dort nur geringe Vorteile zu erwarten.“  

Damit fällt ein zentrales industriepolitisches Motiv weitgehend weg. „Hinzu kommt, dass die Mercosur-Staaten für die EU – mit einem Anteil von rund zwei Prozent am gesamten Außenhandel – keine Kernhandelspartner sind. Der ökonomische Nutzen bleibt dadurch strukturell begrenzt.“ 

Aus entwicklungspolitischer Sicht ist außerdem besonders problematisch, dass die vorgesehenen Nachhaltigkeitsbestimmungen keine verbindliche Wirkung entfalten. „Ohne klare und durchsetzbare Sanktionsmechanismen besteht das Risiko, dass bestehende EU-Umweltinitiativen - etwa die Entwaldungsverordnung - abgeschwächt oder durch den so genannten „Rebalancing Mechanismus“ unterlaufen werden.“  

FAIRTRADE Österreich spricht sich daher für eine grundsätzliche Neugestaltung zukünftiger internationaler Handelsabkommen aus - mit dem Ziel, faire Wettbewerbsbedingungen, wirksame Umweltauflagen und glaubwürdige soziale Standards als gleichwertige Säulen der Handelspolitik zu verankern. „Ein modernes Handelsabkommen muss ökonomische Chancen bieten, ohne die Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt auszublenden.“  


Quelle: FAIRTRADE Österreich

 

 

 

Veröffentlichungsdatum: 14.01.2026

Schlagwörter

Fairtrade Österreich, EU-Mercosur-Handelsabkommen