„Einigung der EU-Staaten begrüßt“ Boos-John stellt sich hinter Freihandelsabkommen mit Mercosur
Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John hat die Einigung der EU-Staaten auf das Freihandelsabkommen mit den Ländern des „Gemeinsamen Südamerikanischen Markts“ (Mercosur) begrüßt.
„Der Freihandel lebt“, sagte die Ministerin. Das Abkommen lasse gerade für die Exportnation Deutschland positive wirtschaftliche Impulse erwarten. „Davon profitieren auch wir in Thüringen.“
- „Überfällige Antwort auf zunehmende Abschottung der Weltwirtschaft“
- wirtschaftliche Abhängigkeit von USA und China wird reduziert
- Ministerin erwartet positive Impulse für deutsche und Thüringer Wirtschaft
- Schutzklauseln sichern europäische Landwirtschaft ab
- Thüringen plant Delegationsreise in Mercosur-Region für zweite Hälfte 2026
Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen sei es nun höchste Zeit für den Vertragsabschluss. „Das Abkommen ist eine klare und längst überfällige Antwort auf die zunehmende Abschottung, die wir in der globalen Wirtschaft derzeit erleben.“ Der Mercosur umfasst die Länder Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
Bolivien gehört seit 2024 ebenfalls zu der südamerikanischen Zollunion, ist aber noch nicht in das Freihandelsabkommen mit der EU einbezogen.
Mit Blick auf die von mehreren Seiten geäußerte Kritik an dem Abkommen sagte die Ministerin weiter: „Wir können nicht einerseits mit aller Welt Handel treiben wollen, aber andererseits von allen anderen verlangen, dass sie bis ins Detail nach unseren Regeln spielen. Das Mercosur-Abkommen ist ein Kompromiss – aber ich glaube, es ist ein guter Kompromiss, bei dem die Vorteile für Europa deutlich überwiegen.“ Sie hoffe deshalb, dass der Deal nun zügig unterzeichnet werden könne und das Europäische Parlament passiere.
Dem EU-Mercosur-Abkommen könne sie ausdrücklich auch in ihrer Funktion als Landwirtschaftsministerin zustimmen, sagte Boos-John.
„Ja, es gibt einige wettbewerbsverzerrende Aspekte für die Landwirtschaft, die mir nicht gefallen. Aber von einer vollständigen Marktöffnung für landwirtschaftliche Produkte sind wir weit entfernt.“
Die EU hatte diesbezüglich in den letzten Monaten noch einmal deutlich nachgebessert. Die Begrenzung der Importmengen südamerikanischer Agrarprodukte wie Fleisch, Käse, Zucker oder Ethanol trägt dazu bei, die komplexen europäischen Agrarmärkte auch weiterhin abzusichern.
Umgekehrt profitieren auch europäische Agrarprodukte, beispielsweise Käse, Milch, Wein sowie mehr als 350 Produkte mit geschützten geographischen Herkunftsbezeichnungen, von der neuen transatlantischen Freihandelszone.
Im Übrigen teile sie die Auffassung von Bundeslandwirtschaftminister Alois Rainer: „Sollte sich zeigen, dass Preise in bestimmten Bereichen zu stark unter Druck geraten, dann müssen die Schutzklauseln für die europäische Landwirtschaft noch einmal nachgeschärft werden“, so Boos-John.
Mit dem EU-Mercosur-Handelsabkommen entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt mit mehr als 700 Millionen Menschen und einer Wirtschaftsleistung von rund 22 Billionen US-Dollar.
Der neue Wirtschaftsraum werde beiderseits des Atlantiks für mehr Wohlstand und Wirtschaftswachstum sorgen, zeigte sich die Ministerin überzeugt.
So werde ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in der EU von bis zu 15 Milliarden Euro und im Mercosur von 11,4 Milliarden Euro erwartet.
Europäische Exporteure können nach Angaben der EU-Kommission rund vier Milliarden Euro pro Jahr sparen. Diese Beträge dürften mit dem Ausbau der Handelsbeziehungen EU-Mercosur aber in Zukunft noch deutlich steigen.
Zudem trage das Abkommen dazu bei, die wirtschaftliche Abhängigkeit von China und den USA zu reduzieren. „Wir brauchen neue Handelspartner und neue Handelswege“, so Boos-John.
„Wenn wir über ‚De-Risking‘ in unseren Handelsbeziehungen reden, dann muss man klar sagen: genau so funktioniert De-Risking. Mercosur ist ein großer Schritt zur Diversifizierung unseres Exports und unserer Lieferketten. Das schließt ausdrücklich auch den Zugang zu Rohstoffen wie beispielsweise Lithium ein.“
Die Ministerin verwies darauf, dass Thüringen für die zweite Hälfte 2026 bereits eine Delegationsreise in die Mercosur-Region plane.
„Südamerika ist uns in Thüringen außenwirtschaftlich in den letzten Jahren ein wenig aus dem Blick geraten. Mit einer Delegationsreise wollen wir ausloten, welche neuen Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte sich für unsere Wirtschaft durch das Mercosur-Abkommen eröffnen.“
Quelle: Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft
Veröffentlichungsdatum: 13.01.2026

