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Markus Bobenhausen Rewe Group zur Marktlage: So beeinflussen Wetterkapriolen die Obst- und Gemüsebeschaffung

15. März 2023

Das warme Klima in 2022 hat Auswirkungen – unter anderem auf die Obst- und Gemüseproduktion. Markus Bobenhausen, Bereichsleiter Ultrafrische 1 Obst und Gemüse bei der REWE Group, über Mandarinen im Herbst und warum die Zwiebel bald aus Ägypten kommen könnte.

Die Überprüfung des Kalibers mittels Schablone ist ein Bestandteil der Wareneingangskontrolle. Foto © REWE Group
Die Überprüfung des Kalibers mittels Schablone ist ein Bestandteil der Wareneingangskontrolle. Foto © REWE Group

Frost und Starkregen im Frühjahr, Hitzewellen im Sommer – 2022 reihten sich Extremwetterereignisse aneinander. Es war in Europa das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Insbesondere im mediterranen Raum war es zu warm – noch bis in die Wintermonate hinein.

Anfang Januar zog der EU-Klima-Informationsdienst „Copernicus“ Bilanz und bezeichnete 2022 als das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Macht sich das in der Warengruppe Obst und Gemüse bemerkbar?

Markus Bobenhausen: Das vergangene Jahr war schwierig. Nahezu über den gesamten Verlauf des Jahres hat es Herausforderungen in der globalen Obst- und Gemüse-Produktion mit sich gebracht. Insbesondere im mediterranen Raum kommt es aufgrund der Dürre im Sommer und zeitweise aber auch ungewöhnlich starken Niederschlägen zu Ernteausfällen oder Veränderungen beim Wachstum, die wir langfristig zu spüren bekommen.

Ein Beispiel ist die Mandarinenernte. Hier hat der warme Herbst in Spanien dazu geführt, dass die Früchte in der Haltbarkeit instabil waren. Gleichzeitig war es hier bei uns in Deutschland aber auch noch zu warm, so dass die Verbraucher:innen noch keinen großen Appetit auf Mandarinen hatten. Insgesamt ergab sich dadurch die Situation, dass die Mengen auf einen Absatzmarkt trafen, der noch nicht bereit dafür war. Da war es eine Herausforderung für alle Beteiligten in der Lieferkette, wie auch für die Märkte, die Produkte so auszusteuern, dass wir diese in der optimalen Zeit und Qualität unseren Kund:innen anbieten konnten.

Welche Obst- und Gemüsesorten sind von den Wetterkapriolen besonders betroffen?

Markus Bobenhausen: Aktuell sind im mediterranen Raum Salate, Beerenobst, Paprika und Tomaten betroffen. Beim Eisbergsalat kommt es aufgrund des Winterstarts zu Ertragseinbußen. In Spanien stagniert die Erdbeer-Produktion bei Nachttemperaturen zwischen zwei und vier Grad Celsius. Das sind nur zwei aktuelle Beispiele. Im Laufe des Frühjahrs werden noch weitere Sorten hinzukommen, denn auch in Deutschland sorgt das Wetter für Qualitätseinbußen bei einigen Gemüsesorten, wie zum Beispiel Zwiebeln. Aber das bekommen wir erst so richtig zum Saisonwechsel zu spüren.

Das heißt, auch bei den regionalen Produkten wirkt sich das Wetter auf die Ernte aus?

Markus Bobenhausen: Genau. Hier ist die Zwiebel ein gutes Beispiel – ein typisches regionales Gewächs, das aber im vergangenen Jahr sehr schlechte Wachstumsbedingungen hatte. Das wiederum hat zur Folge, dass die Haltbarkeit im Regal verkürzt ist. Die Zwiebeln – ein typisches Produkt für die Lagerhaltung – keimen schneller. Das wird dazu führen, dass die Zwiebelsaison in Deutschland früher zu Ende ist als gewöhnlich und wir auf Produktion aus Übersee und Ägypten ausweichen müssen, um den Bedarf bis zur neuen Saison in Deutschland zu decken.

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Quelle: REWE Group

Veröffentlichungsdatum: 15.03.2023

Schlagwörter

Interview, Markus Bobenhausen, Rewe Group, Marktlage, Wetterkapriolen, Obst, gemüse, Beschaffung