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Samstag, 11.02.2012 E-mail

NEWS / NEWSARCHIV

Breites usbekisches Angebot zur Zusammenarbeit

Exportmöglichkeiten für Frischeprodukte wie Melonen und Kürbisse

Usbekistan will die wirtschaftliche Kooperation mit Deutschland im Landwirtschaftssektor vertiefen. Um dieses Ziel zu erreichen, lud die usbekische Botschaft gemeinsam mit dem OMV Mitte Januar in ihr Haus in Berlin ein.

Auch ausländische Investoren können an den usbekischen Entwicklungsprogrammen vor allem für die Land- und Ernährungswirtschaft teilnehmen. Das war eines der Ergebnisse der Vortragsveranstaltung „Stand und Entwicklung der Landwirtschaft und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte in Usbekistan“, die am 20. Januar in der usbekischen Botschaft in Berlin parallel zur Internationalen Grünen Woche (IGW) stattfand. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Botschaft Usbekistans und dem Ost- und Mitteleuropa Verein e.V. (OMV).
Das freie Unternehmertum sei gesetzlich geschützt, die Gewinne ausländischer Unternehmen könnten prob-
lemlos transferiert werden – so lautete der Grundtenor der usbekischen Referenten. Außerdem gebe es eine Vielzahl von Steuervergünstigungen für ausländische Investoren. Allerdings ist demnach Ausländern der Erwerb von landwirtschaftlichem Boden nicht gestattet. Sie können diesen nur langfristig pachten. Für usbekisch-deutsche Joint Ventures sehen die Möglichkeiten jedoch günstiger aus.
Der Einladung in die Botschaft folgten rund 40 Vertreter deutscher Wirtschafts- und Beratungsunternehmen, der Bundes- und Länderministerien sowie des Handels und der Presse. Von usbekischer Seite nahmen zahlreiche Vertreter unterschiedlicher Ministerien, Institutionen sowie Vertreter von Industrie-, Landwirtschafts- und Handelsunternehmen teil.
Udo Völker, Generalbevollmächtigter Direktor der MAN Ferrostaal AG, Essen, und Leiter des Arbeitskreises Zentralasien im OMV, wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass das gegenwärtige Niveau des Handelsaustausches zwischen Usbekistan und Deutschland bei Weitem nicht den Möglichkeiten entspreche. Deutschland hat bisher nur einen geringen Anteil am usbekischen Außenhandel – 2008 lag er bei 2,5 Prozent. Der wichtigste Handelspartner für Usbekistan ist Russland (Anteil 2008: 20,2 Prozent). Hier gebe es zahlreiche Ansatzpunkte für eine Intensivierung.
In seiner Begrüßung ging der Gastgeber, der Geschäftsträger a.i. der Botschaft, Abdulaziz Abduganiev, auf die aktuelle wirtschaftliche Lage in Usbekistan ein. Nach seinen Worten blieb Usbekistan weitgehend von der globalen Finanz- und Wirtschaftkrise verschont und konnte 2008 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um neun Prozent und für die ersten neun Monate 2009 von acht Prozent verzeichnen.

Investoren gesucht

Abduganiev hob die Bedeutung der Landwirtschaft als einem der wichtigsten Zweige der usbekischen Volkswirtschaft hervor, stellte die guten klimatischen und pflanzenbaulichen Bedingungen heraus und lud potenzielle Investoren ein, sich vor allem an der Entwicklung der usbekischen Lebensmittelindustrie zu beteiligen. Auf der Veranstaltung wurde vor allem für ein ausländisches Engagement in der Obst- und Gemüseverarbeitung geworben. Hier gebe es Exportmöglichkeiten für verarbeitete Nüsse, Tomatenpaste, Trockenfrüchte wie Rosinen, aber auch für Frischeprodukte wie Melonen und Kürbisse.
Der Obst- und Gemüsebereich genießt bereits heute einen sehr hohen Stellenwert in der usbekischen Landwirtschaft. So wird infolge von Anbaubeschränkungen anstelle von Baumwolle, der einstmals wichtigsten landwirtschaftlichen Kultur, die Erzeugung von Obst und Gemüse ausgedehnt. Bereits im vergangenen Jahr war ein usbekisches Unternehmen auf der Fachmesse für Obst und Gemüse Fruit Logistica in Berlin vertreten. In diesem Jahr präsentierten sich Unternehmen wie die Firma Alifar Agroimpeks and Engineering LTD aus Taschkent auf der Internationalen Grünen Woche. Das Unternehmen ist einer der größten Verarbeiter von Nüssen und Obst in Usbekistan. Nach eigenen Aussagen konnten die auf der Grünen Woche anwesenden usbekischen Unternehmen in Berlin bereits Absichtserklärungen zu zukünftigen Geschäftskontakten unterzeichnen.
Auch im Weinsektor des Landes ist Bewegung. Nach Angaben der Uzvinprom-Holding – ein Zusammenschluss von weinverarbeitenden Betrieben – flossen in den vergangenen zehn Jahren knapp 32,6 Millionen US-Dollar an ausländischem Kapital in den Weinsektor. Allerdings geht der Bärenanteil der usbekischen Weinexporte noch immer in die GUS-Staaten, allein nach Russland exportieren die Unternehmen der Holding 70 Prozent ihrer Weinproduktion.
Gerade im Landwirtschaftsbereich möchte die usbekische Wirtschaft sukzessive weg von der starken Russlanddominanz im Exportgeschäft hin zu neuen Abnehmerländern kommen. Auch dazu sucht das Land die Kooperation mit Deutschland, vor allem um von einem möglichen Technologie- und Know-how-Transfer zu profitieren.

Landwirtschaft ist ein Schlüsselsektor

Der usbekische Agrarsektor zählt zu den Schlüsselbereichen der Wirtschaft des Landes und generiert über 20 Prozent des BIP. Usbekistan ist der zweitgrößte Baumwollexporteur weltweit. Nahezu 30 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, mehr als 60 Prozent der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten.
Dennoch steht die usbekische Landwirtschaft vor großen Herausforderungen. So zählt Usbekistan zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen. Außerdem wirken sich langjähriger Raubbau und die bisher vorherrschenden Landnutzungspraktiken destruktiv auf die Bodenqualität und die Wasserressourcen aus. Die Versalzung von Böden und die Desertifikation ganzer Landstriche sind die Folge und bringen erhebliche volkswirtschaftliche Verluste mit sich. Im Rahmen der EU-Zentralasienstrategie spielt das Thema Wassermanagement eine wichtige Rolle, gibt es doch Konflikte zwischen den Staaten Zentralasiens bezüglich der quantitativen und qualitativen Nutzung der Ressourcen (Bewässerung bzw. Hydroenergiegewinnung). Darüber hinaus behindern fehlendes Know-how und eine veraltete Infrastruktur eine effiziente Nutzung der knappen Wasserressourcen.
Die usbekische Regierung möchte mit einem Investitionsprogramm für die Wasser- und Bewässerungswirtschaft des Landes die Effizienz der Wassernutzung verbessern und die hohen technologisch bedingten Verluste einschränken. Damit bestehen gute Chancen für deutsche Unternehmen, daran zu partizipieren.
Hier setzt auch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Eschborn, an, die auf der Veranstaltung einige ihrer Projekte in den Bereichen nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Ressourcennutzung in Usbekistan vorstellte. Ein Schwerpunkt des Unternehmens liegt dabei in der Entwicklung des ländlichen Raums. Dazu schafft die GTZ strategische Allianzen und baut landwirtschaftliche Beratungssysteme sowie landtechnische Servicestrukturen auf. Zur Umsetzung des Projekts wird unter anderem ein PPP-Konzept genutzt, das Kooperationsmöglichkeiten auch für deutsche Unternehmen bietet. Davon Gebrauch machen nach Angaben der GTZ bisher die Claas KGaA, der Landmaschinenhersteller Lemken GmbH & Co. KG, Alpen, der Chemiekonzern BASF SE, Ludwigshafen, und der Saatgutzüchter KWS SAAT AG, Einbeck. Ein weiteres Projekt der GTZ ist die wirtschafts- und umweltorientierte Wohlstandsförderung in der Aralsee-Region. Dabei geht es unter anderem auch um die Verbesserung der Anbau- und Bewässerungstechnik.

Deutsches Engagement zurückhaltend

Das deutsche Engagement in Usbekistan hält sich im Großen und Ganzen allerdings immer noch sehr in Grenzen. So hat beispielsweise der Exportversicherer Hermes bereits vor einigen Jahren einen Deckungsplafond mit einer Gesamtsumme von 150 Millionen Euro aufgelegt. „Bisher wurde aus dem Fonds aber nur eine sehr geringe Summe abgerufen“, sagt Manfred Bruer, Leiter Exportkreditgarantien des Bundes bei PricewaterhouseCoopers AG, Hamburg, die gemeinsam mit dem Konsortialpartner Euler Hermes-Kreditversicherungs AG als Mandatar des Bundes die deutschen Exportkreditgarantien betreut. Er sieht dafür einen simplen Grund: „Die usbekische Seite arbeitet einfach nicht intensiv genug mit der deutschen Seite zusammen.“
Weitere Hürden für die Intensivierung der internationalen Wirtschaftskooperation mit Usbekistan liegen nach Angaben dort ansässiger ausländischer Unternehmen vor allem in der langwierigen Konvertierung der usbekischen Währung in Fremdwährung, Beschränkungen bei Barabhebungen vom eigenen Konto und dem schwierigen Zugang zu Krediten.

Positive Beispiele

Ungeachtet der vielen Schwierigkeiten gibt es positive Beispiele für deutsch-usbekische Kooperationen, wie die Erfahrungsberichte des Landmaschinenherstellers Claas KGaA, Harsewinkel, und des Märkischen Instituts für Technologie und Innovationsförderung, Strausberg, belegten. Zahlreiche Firmen nutzten im Anschluss an die Veranstaltung die Möglichkeit zu bilateralen Kooperationsgesprächen, was als Zeichen für das gewachsene Inte-resse an einer weiteren Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit gewertet werden kann.


Quelle: ost-west-contact.de
Veröffentlichungsdatum: 09.03.2010
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