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Freitag, 10.09.2010 E-mail

NEWS / NEWSARCHIV

Aktuelle Studie "Bio, Öko, fairer Handel"

Regionalität für Verbraucher wichtiger als Bio-Siegel

Die aus Sicht der Kunden erschlagende Anzahl an Bio-Zertifikaten gehört inzwischen zum Alltag an bundesdeutschen Lebensmitteltheken. Bei der Kaufentscheidung spielen Bio-Siegel durchaus eine Rolle. Die Herkunft von Lebensmitteln ist für Kunden allerdings deutlich wichtiger als jedes Bio-Siegel. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Marktstudie "Bio, Öko, fairer Handel - was zählt und wer zahlt?" der YouGovPsychonomics AG, für die über 1.800 Personen ab 18 Jahren im November 2009 befragt wurden.

Bio Lebensmittel auf dem Vormarsch

Demnach kauft inzwischen knapp jeder Zehnte bei jedem Einkauf Bio-Lebensmittel, jeder dritte wöchentlich. Die regionale Herkunft beeinflusst bei der Mehrzahl der Befragten die Entscheidung für oder gegen ein Produkt allerdings deutlich stärker als jede Bio-Zertifizierung, wie die Ergebnisse der durchgeführten Conjoint-Analyse zeigen. Demnach lässt sich ein deutlicher Abfall der Attraktivität von Lebensmitteln feststellen, sobald diese außerhalb Deutschlands produziert wurden. Der durch die Produktion im Ausland bedingte Vertrauensverlust kann durch keine Bio-Zertifizierung kompensiert werden. "Da zertifizierte Produkte meist auch mit einem höheren Preis einher gehen, stellen Lebensmittel aus der Region für viele Verbraucher eine günstige Alternative dar, um eine subjektiv höhere Kontrolle über die Produktionsbedingungen zu erlangen. Produkte aus der Region sind für viele Konsumenten greifbarer, da man den Bauernhof aus dem Nachbardorf vor Augen hat, lange Transportwege verhindert und die heimische Wirtschaft stärkt", so Studienleiterin Bettina Willmann. Interessant ist dabei, dass 43 Prozent aller befragten Kunden davon ausgehen, dass Bio-Produkte einen insgesamt höheren Grad an Regionalität aufweisen als herkömmliche Lebensmittel.

Fairer Handel wichtiger als Bio-Zertifikat

85 Prozent der befragten Verbraucher beklagen, durch die Vielzahl an Gütesiegeln inzwischen den Überblick verloren zu haben. Als Folge dessen hegt aktuell mehr als jeder zweite Konsument (58 Prozent) Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Bio-Siegeln, etwa jeder Fünfte hält sie für komplett unglaubwürdig. Gleichzeitig misst die Mehrheit der Verbraucher Bio-Siegeln eine hohe gesellschaftliche Relevanz bei: Knapp zwei Drittel aller Befragten (60 Prozent) geben an, der Kauf von Bio-Produkten sei verantwortungsbewusst. Die bedeutsamsten Vorteile von Bio-Lebensmitteln gegenüber herkömmlichen Produkten verorten die Verbraucher dabei vor allem im Bereich des umweltschonenden Anbaus (73 Prozent) und der artgerechten Tierhaltung (71 Prozent).

Einen noch besseren Wert als die Bio-Zertifikate erzielen Siegel, die für den fairen Handel stehen. Hier liegt der Anteil derjenigen, die beim Kauf solcher Produkte Verantwortungsbewusstsein attestieren, bei 81 Prozent. Dementsprechend geben 70 Prozent aller befragten Verbraucher an, dass ihnen faire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Lebensmitteln wichtiger sind als ein Bio-Zertifikat.

Sind Bio-Lebensmittel wirklich zu teuer?

Was die Preissetzung bei Bio-Lebensmitteln betrifft, zeigen sich mehr als drei Viertel aller Konsumenten (77 Prozent) skeptisch und unterstellen überzogene Preise. Fast jeder zweite Verbraucher (48 Prozent) gibt sogar an, Bio-Siegel seien lediglich ein gegenstandsloser Marketing-Gag, um den Konsumenten mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Dieser Effekt zeigt sich deutlich bei der Kaufentscheidung: Wenn es hart auf hart kommt, spielt der Preis noch immer die größte Rolle bei der Kaufentscheidung und die Zertifizierung ist eher von geringerer Relevanz. Im Vergleich einzelner Lebensmittel zeigt sich, dass der Preis bei Fleischprodukten die größte Relevanz besitzt, während diese bei Milch am geringsten ausfällt. Darüber hinaus wird dem Produkt Milch auch bei Bio-Siegeln die vergleichsweise geringste Relevanz eingeräumt.

Weitere Informationen zur Studie unter www.psychonomics.de/filemanager/download/2213.


Quelle: humannews
Veröffentlichungsdatum: 09.03.2010
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