Flandria Paprika: richtige Sortenwahl dank Forschung und Geschmacksproben
Raf De Blaiser, Qualitätsverantwortlicher bei LAVA: "Wir wollen den Erzeugern bei der Sortenwahl für Flandria helfen und dabei gleichzeitig dem Handel sowie den Verbrauchern gute Ware anbieten!"

Seit Jahren hat die Gebrauchswert-Erforschung an Paprikasorten in den Praxiszentren einen hohen Stellenwert. Neue Sorten werden gescreent und auf ihren Mehrwert für den Verbraucher getestet. Dieses Jahr gilt der Fruchtqualität zum Erntezeitpunkt sowie nach Konservierung besondere Aufmerksamheit. Im Auftrag von LAVA übernimmt das Gemüsebau-Versuchszentrum (PCG) die Geschmacksproben auf Verbraucherebene.
Auf Mehrwert bedacht
In der Gemüsebau-Versuchsstation Sint-Katelijne-Waver (PSKW) und im Versuchszentrum Hoogstraten in Meerle (PCH) sind dieses Jahr erneut Paprikaversuche angesagt. Dabei handelt es sich ausschließlich um sog. Blockpaprika-Typen. Für jede Farbe (grün, rot, gelb) werden mehrere Sorten angebaut. Neue Sorten aus Saathäusern werden auf ihren Gebrauchswert gescreent und mit bestehenden Sorten verglichen.
Untersucht wird an erster Stelle der Gebrauchswert für den Erzeuger. Wie steht es um das Wachstumsvermögen der Pflanze? Wie hoch ist der Ertrag? Wie groß ist die durchschnittliche Fruchtgröße? Welche Sortierungen gibt es? Produktion, Pflanzenentwicklung, Qualität und Haltbarkeit sind die wichtigsten Kriterien.
Wichtig ist auch der Gebrauchswert für den Handel. Dazu werden die Fruchtqualität und Haltbarkeit der einzelnen Sorten getestet. Es wird untersucht, ob bei der Ernte oder kurz danach keine verborgenen Mängel auftreten, z.B. Fäule oder Austrocknung. Untersucht werden auch die Konservierungseigenschaften. Dazu werden in zeitlichem Abstand Früchte der einzelnen Rassen geerntet und ca. zehn Tage lang bei normaler Temperatur aufbewahrt. So kann wirklichkeitsnah festgestellt werden, wie sich die Qualität der Paprika entwickelt.
Präzise Qualitätsmessungen
Neben der Arbeit in den Versuchsstationen werden die einzelnen Sorten auch instrumentell gemessen. Das Flämische Zentrum für die Aufbewahrung von Gartenbauerzeugnissen (VCBT) führt objektive Messungen auf dauerhafte Färbung und Festigkeit durch. Ein präzises Farbmessgerät misst die farbliche Entwicklung nach der Ernte. Dieses Gerät misst ein umfassendes Farbspektrum und kann die Farbintensität (heller oder dunkler) sehr präzise beziffern. "Flandria-Qualität setzt eine einheitliche Färbung voraus. Beim derzeitigen Stand der Forschung suchen wir noch ein wenig nach der idealen Färbung", sagt der Qualitätsverantwortliche bei LAVA, Raf De Blaiser.
Blockform - ein must
"Natürlich werden auch die neu selektierten Sorten die strengen Flandria-Qualitätskriterien erfüllen müssen. Neben der einheitlichen Färbung ist die Form der Paprika ein wichtiges Qualitätskriterium. Die Frucht muss sehr gleichmäßig ausgeformt und gut entwickelt sein. Ein absolutes must ist die Blockform. Der Stiel muss tief zwischen den 'Schultern' der Frucht sitzen. Weitere Parameter sind die Anzahl Seitenflächen sowie das Verhältnis Länge/Durchmesser. So darf eine Frucht nicht kürzer sein als ihr Durchmesser. Die Paprika muss auch ein glänzendes Aussehen bieten. Je glänzender die Frucht und je gesünder ihr Erscheinungsbild, desto attraktiver ist sie für den Verbraucher. Ob die Fruchtoberfläche rissanfällig ist, wird ebenfalls untersucht. Hier ist eine Sorte empfindlicher als die andere.
Geschmacksproben
Parallel zu dieser Gebrauchswert-Untersuchung werden die Paprikas auch einer Geschmacksprobe unterzogen, die die Verbraucherwünsche ermitteln soll. Entwickelt wurde dieses Verfahren durch das Gemüsebau-Versuchszentrum (PCG) in Kruishoutem, im Auftrag von LAVA. Befragt wurde eine heterogene, für die Gruppe der Paprikakonsumenten repräsentative Gruppe von 70 Personen.
Von den neuen und den bestehenden Vergleichssorten wurden grüne, rote und gelbe Paprikas getestet. "In diese Geschmackprobe haben wir einige neue Parameter eingebaut, um die Verbraucherwünsche noch umfassender zu ermitteln", präzisiert die für diesen Test verantwortliche Saskia Buysens. "So haben wir die Testpersonen gefragt, wie lecker und wie süß sie die Paprika bewerten. Gefragt wurde auch, was sie von der Festigkeit und vom äußeren Aussehen hielten. Wissen wollten wir außerdem, ob sie die Paprika lieber heller oder dunkler mögen. Die 'ideale Färbung' herauszufinden, die Erzeuger, Auktionen und Verbraucher zufriedenstellt, ist nämlich gar nicht so einfach."
Was denkt der Verbraucher?
Geschmacklich bewertet der Verbraucher sämliche Paprikas alles in allem mit gut - einige sogar mit besser. Bei den grünen Paprikas werden manche als knackig und bissfest bezeichnet. Deutlich differenzierter wurde die Frage nach der Bewertung des äußeren Aussehens beantwortet. Dabei spielen sowohl die Farbe als auch die Form eine wichtige Rolle. Keine einzige Paprika wurde als unansehnlich bezeichnet, einige wohl als etwas zu groß. Sehr gut schnitten mehrere der neuen Sorten ab: Die Verbraucher bezeichneten sie als sehr lecker und auch sehr attraktiv - rote wie gelbe. Auch beim Brixwert schnitten sie sehr gut ab - am besten die orangefarbigen Paprikas. Die grünen lagen im Brixwert etwas tiefer. "Unsere Absicht ist, zu einem Kompromiss zwischen den Erwartungen der Erzeuger, des Handels und der Verbraucher zu gelangen. Im Klartext: Wir wollen eine Paprika, die gute Erträge abwirft und eine gute Lagerfähigkeit besitzt und auch noch gut schmeckt", so die Verantwortliche der Geschmacksproben.
Bewertung der Spitzpaprika aus Flandria Specialty Street
LAVA wollte auch erfahren, was der Verbraucher von den specialties hält. Deshalb bat das PCG die Verbrauchergruppe um ihre Meinung zu zwei langen Spitzpaprikas aus Flandria Specialty Street. "Wir baten die Testpersonen, diese mit den süßen Blockpaprikas (gelb, orangefarbig, rot) zu vergleichen. Geschmacklich schnitten beide Sorten rote Spitzpaprikas bei diesem Versuch sehr gut ab. Wohl wurde bei einer Sorte die runzelige Haut als etwas weniger attraktiv bezeichnet. Bevorzugt wurde generell die süße Spitzpaprika mit der schönen, glatten Haut. Geschätzt wurden auch der angenehme Geschmack und die Bissfestigkeit. Der Verbraucher hat deutlich gemacht, dass er die süße Spitzpaprika wegen des schönen glatten Äußeren sowie geschmacklich bevorzugt", schlussfolgert Saskia Buysens.
Gute Ware auf den Markt bringen
"Die Untersuchung nach dem Paprika-Gebrauchswert erfolgt mit LAVA-Unterstützung. Sie muss unseren Erzeugern helfen, eine richtige Sortenwahl zu treffen, damit sie auch im nächsten Jahr die Flandria-Qualitätsnormen erfüllen. Anders als bei Tomaten, wird bei Paprikas noch nicht mit Segmenten gearbeitet. Um für die nächste Saison die richtigen Sorten wählen zu können, ist es wichtig, dass sich die Erzeuger auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse stützen können. Die Absicht ist, interessante Neuentwicklungen zu ermitteln, um schließlich ein für alle Beteiligten gutes Produkt auf den Markt zu bringen", so der LAVA-Qualitätsverantwortliche.
Veröffentlichungsdatum: 17.08.2010
Copyright © fruchtportal.de