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Donnerstag, 02.09.2010 E-mail

BNN: Warum Bio-Blumenkohl zum Artenschutz beiträgt

Der Verlust der Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen findet nicht nur in tropischen Regenwäldern oder exotischen Savannen, sondern tagtäglich vor unserer eigenen Haustür statt - und sogar auf unserem Mittagstisch. Darauf macht der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel anlässlich der aktuellen Kampagne „Bio kann mehr!" aufmerksam.

Beispiel Blumenkohl: Dieser Klassiker der deutschen Küche stammt heute fast nur noch aus Hybrid-Züchtung. Aus Hybrid-Samen wachsen nur einmal Pflanzen, deren Ernte sich lohnt; eine weitere sinnvolle Vermehrung ist nicht möglich. Landwirte müssen somit jedes Jahr neue Saat kaufen und geraten so in die Abhängigkeit weniger großer Agrar- und Zuchtkonzerne. Diese wiederum melden immer häufiger Patente auf Pflanzen an. Höchsterträge unter Einsatz synthetischer Düngemittel und Pestizide sowie Einheitlichkeit der Sorten stehen dabei im Mittelpunkt ihrer Interessen. Als Folge dieser einseitigen Züchtungspolitik, unterstützt durch ein Patentrecht, das bisher auch auf Pflanzen und sogar Tiere angewendet werden kann, verschwindet die Vielfalt der Gemüsesorten, die über Jahrtausende als Kulturpflanzen für unterschiedlichste Regionen, Böden und Geschmäcker entstanden sind.

Und so kommen Politik und UN im internationalen „Jahr der Artenvielfalt" zu einer ernüchternden Erkenntnis: „Wir haben es bisher nicht geschafft, den Verlust der biologischen Vielfalt entscheidend zu verlangsamen oder gar eine Trendwende herbeizuführen", so Bundesumweltminister Norbert Röttgen anlässlich des 3. Globalen Ausblicks zur Lage der biologischen Vielfalt der UN. Der Artenkahlschlag geht unvermindert weiter: Am 20. Juli 2010, nur wenige Wochen nach Vorstellung des UN-Berichts, verhandelt das Europäische Patentamt erneut über Patente auf Pflanzen, dieses Mal auf Brokkoli und Tomaten.

Bio erhält Vielfalt

Doch Artenvielfalt ist auch in einer industrialisierten Welt möglich, das zeigt der ökologische Landbau auf allen Kontinenten. So haben deutsche Bauern und Gärtner inzwischen rund 40 „echte" Öko-Gemüsesorten wie die Möhre Milan oder den Salat Briweri gezüchtet. Sie sind samenfest, also uneingeschränkt vermehrungsfähig, und ökologisch zertifiziert. Der Verbraucher erkennt samenfeste Sorten an ihrem individuellen Geschmack und Charakter.

Samenfestes Gemüse ist vor allem im Bio-Fachhandel erhältlich. Allein die Bingenheimer Saatgut AG in Hessen bietet mit Hilfe ihrer 80 Partnergärtnereien mehr als 350 samenfeste Sorten an. „Die ökologischen Züchtungsinitiativen legen Wert auf eine Betrachtung und Behandlung der Sorten als ein schützenswertes Gut der Menschheit. Dazu gehört auch der Verzicht auf Gentechnik", so Elke Röder, Geschäftsführerin des BNN und Kultursaat-Botschafterin des Vereins Kultursaat e.V., der sich für den Erhalt bewährter Gemüsesorten und die Entwicklung neuer Sorten für den Ökolandbau engagiert.

Aber auch Bio-Kleinbauern aus Afrika, Lateinamerika oder Asien tragen zum Schutz der Arten bei. Sie halten traditionelle Anbaumethoden aufrecht, nutzen traditionelle Sorten und arbeiten gleichzeitig nach internationalen Bio-Standards. Auch in diesen kleinbäuerlichen Bio-Betrieben ersetzen Mischkulturen und an den Standort angepasste Methoden synthetische Düngemittel und chemische Pestizide. Bio-Landwirtschaft, dazu der Verzicht auf Gentechnik, der Einsatz hybridfreien Saatguts und die Vermeidung von Kahlschlag bedeuten gerade in den Tropen einen höheren Nährwert pro Hektar als in der industriellen Landwirtschaft. Sie sichern zugleich die Unabhängigkeit von Agrarkonzernen und nicht zuletzt den Schutz der reichhaltigen Flora und Fauna.

www.bio-kann-mehr.de
www.n-bnn.de



Veröffentlichungsdatum: 12.07.2010
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